Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 14 (15.7.1935)
- Date
- 1935-07-15
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Utayenfcfye c ^cmcmöcjcitung Hoc$tid!)ten6fo^ und 6c$ Btzbnn&tä ©ayetffdjes Ifzattitifötz <B*mefnfcn Erscheint am l.u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Hellen München, Plinganserstr. 64, Tel. 73664 u. 73665. Postscheck München 3987, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XI. Jahrgang München, 15. Juli 1935 Nummer 14 Inhalt. Hebräisch als lebendige Sprache Palästinas im IS. Jahrhundert — Die Renaissance 'des Hebräischen — Schutz der hebräischen Sprache — Chaim Nachmann Bialik als Wegbereiter 'des jüdischen Buches — Aus ider Gemeinde München — Zionistische Ortsgruppe München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Verbände — Jüdischer Turn- und Sportverein — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Bücherschau — Personalia. Hebräisch als lebendige Sprache Paläsfinas im 15. Jahrhundert Von Professor Josef Klausner (Jerusalem). Vorbemerkung: Die deutschen Juden, die hebräisch lernen und auf das lebendige Hebräisch des,palästinensischen Alltags stoßen, glauben im allgemeinen, dieses heutige Hebräisch sei dank der Energie Elieser Ben Jehudas und anderer nach zweitausendjährigem Schlaf wieder zum Leben erweckt worden, jedenfalls sei das heutige lebendige Hebräisch ein Produkt der modernen zionistischen Bewegung. Vereinzelte Tatsachen, die dies in Zweifel ziehen, wurden hie und da bekannt. So lebten in Palästina Kabbalisten und auch andere Fromme, die am Schabbath nur hebräisch sprachen; auch in Osteuropa gab es und gibt es solche Juden. In einem in „Haaretz" 1934 erschienenen Aufsatz von J. Bergmann: Deutsche Alisa vor 100 Jahren, wird von einem Juden aus Korfu erzählt, der hebräisch sprach. Ludwig August Frankl berichtet in seinem Werk: „Nach Jerusalem", wie während seiner Anwesenheit ein „Bittul Melachah" (Arbeitsniederlegung) ausgerufen worden sei. Prof. Klausner sprach jüngst im Jerusalemer CHUG IWRI der deutschen Einwanderer über dieses alte Vorkommen des gesprochenen Hebräisch. Als Inhaltsangabe dieses Vortrags und gleichzeitig als Übersetzung eines 1923 im „Sefer Ha-Schanah schel Eretz Israel" erschienenen Beitrages ist dieser Aufsatz anzusehen. Fritz Meir Fraenkel (Jerusalem). Die Schriftleitung hat den ihr aus Jerusalem, zugegangenen Orignal-Aufsatz nach mehrfacher Richtung revidiert: Vor allem wurden an Hand der Grooteschen Ausgabe der Harffschen „Pilgerfahrt" (Cöln 1860) die hebräischen Vokabeln und Sätze, ebenso die deutsche Ubersetzung überprüft und mit der Vorlage in genaue Übereinstimmung gebracht; die Literaturausgaben wurden ergänzt. Der Babingersche Aufsatz in der „Monatsschrift" (1920) und die größere Arbeit von Martin Sommerfeld „Die Reisebeschreibuirgen der deutschen Jerusalem-Pilger im ausgehenden Mittelalter" (Deutsche Vierteljahrschr. f. Lit.-Gesch. 1924, S. 816—851) hatten das Thema im Speziellen und im Allgemeinen bei uns bereits in Angriff genommen. Red. Der verstorbene Elieser Ben-Jehuda, dessen Bemühungen zur Wiederbelebung des Hebräischen ihm in der Welt einen Namen und die Unsterblichkeitskrone verschafft haben, veröffentlichte vor einigen Jahren eine kleine Schrift: „Ad Emataj dibru Iwrith?" (Wie lange sprach man hebräisch?). Darin führte er aus, das Hebräischsprechen sei eine Generation nach den ersten Amoräern R a b b i und Schmuel, kurz nach dem Amoräer Rabbi Jochanan erloschen. Wir besitzen jedoch die Urkunde eines unverdächtigen Nichtjuden, der keinerlei Absicht haben konnte, das Lob der hebräischen Sprache zu verkünden und für ihre Vitalität Zeugnis abzulegen, wonach das Hebräische in der Umgangssprache selbst am Ende des 15. Jahrhunderts noch nicht völlig untergegangen war. Der deutsche Ritter Arnold von Harff (1471—1505) durchzog im Verlaufe seiner vieljährigen Fahrten verschiedene Länder und überall, wohin er kam, machte er sich Aufzeichnungen über das, was er sah und hörte. Unter anderem bemühte er sich, die Worte und Ausdrücke jedes Landes so wiederzugeben, wie er sie aus dem Munde der Leute über ihre notwendigsten Lebensbedürfnisse vernommen hatte. Nicht aus Büchern und von Schriftstellern lernte er diese Worte und Redewendungen, sondern durch unmittelbares Hören. Der Zweck war der, Touristen und Reisenden seinesgleichen leichte Kenntnisse. lebender Sprachen zu vermitteln, so wie man sie in den verschiedenen Ländern spricht. Irgendwelche wissenschaftliche oder literarische Absicht lag bei Arnold von Harff nicht vor. Er reiste auch nach Jerusalem und kam dort in Fühlung mit den Juden Jerusalems. „In Jerusalem", erzählt er, „wohnen viele Juden". Unter ihnen kennt er einige jüdische Gelehrte aus der Lombardei und drei deutsche Juden, aus deren Gesprächen er sich ein paar Wörter notiert. Wie erstaunt sind wir zu hören, daß der christliche Ritter von seinen Bekannten, den italienischen und deutschen Juden, eine Reihe von hebräischen Redewendungen gelernt hat! — In dem Reisebuch, das Dr. E. v. Groote erst 1860 herausgab,1 finden wir zwei Seiten 1 Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff von Cöln durch Italien^ Syrien, Ägypten, Arabien, Äthiopien. Nubien, Palästina, die Türkei, Frankreich und Spanien, wie er'sie in den Jahren 1496—1499 vollendet, beschrieben und durch Zeichnungen erläutert, hat. Nach den ältesten Handschriften und mit deren 47 Bildern herausgegeben von Dr. E. von Groote. Cöln 1860.