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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1935-06-15 · 6 (15.6.1935) · p. Seite 16

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1935
Issue
6 (15.6.1935)
Date
1935-06-15
Page
Seite 16 (sequence 1)
Language
German
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ffllitfeilungen Dea 3liilitfitien Seljrenimin^ für ßapern _ Schriftleitung: Max Adler, München 1935 München, 15. Juni Nr. 6 Schulungskurs des Jüdischen Lehrervereins für Bayern vom 21. bis 24. Juli ds. .Ts. in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, Sandbergweg 1. Mit Unterstützung der Reichsvertretung: der Deutsohen Juden und des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden veranstalten wir zu 'der angegebenen Zeit im Zusammenwirken mit der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg und der Mittelstelle für Erwachsenenbildung in Frankfurt a. M. einen Fortbildungskurs für jüdische Lehrer. Es sind folgende Referate vorgesehen: Direktor Adler, Stuttgart: Der Gesangunterricht in der jüdischen Schule. Bezirkraibbiner Dr. Hanover: Prophetenlektüre für die reifere Jugend. Studienrat Hirnheimer: Vererbungslehre und Rassenkunde des jüdischen Volkes. Studiendirektor Stoll: Palästinakunde in der jüdischen Schule. Hauptlehrer Uhlfelder, Nürnberg: Die Oberstufe der jüdischen Volksschule. Seminarrabbiner Weiß: Die Methodik der Behandlung einer talmudischen Suggiah und die Behandlung der Mischnah. Betreffs Verpflegung und Unterkunft erfolgen nähere Mitteilungen durch Rundschreiben. Anmeldungen zum Kurs wollen bis spätestens 1. Juli an den Schriftführer M. Adler, München 2 NO, Bürkleinstraße 7/0, gerichtet werden. Beginn des . Kurses, Sonntag, 21. Juli, nachmittags 5 Uhr. In Verbindung mit dem Schulungskurs findet am 22. Juli, .nachmittags 3 Uhr, die 52. Mitgliederversammlung unseres Vereines statt. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden. 2. Kassenbericht. 3. Festsetzung des Jahresbeitrags. 4. Neubestellung der Verwaltung. 5. Wünsche und Anträge. Nach § 11 unserer Vereinssatzungen müssen Anträge spätestens vier Wochen vor der Mitgliederversammlung bei dem ersten Vereinsvorsitzenden schriftlich eingereicht werden. München, den 10. Juni 1935. M. Rosenfeld. M. Adler. Bericht über den Fortbildungskurs für Rabbiner und Lehrer in Stuttgart und Eßlingen vom 7. bis 9. April 1933. Die jüdische Gemeinde in Stuttgart hatte am 7. April einen großen Tag. Die neuerbaute Schule wurtde feierlich eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. — Diesen festlichen Rahmen benützte der Oberrat der Israelitischen Gemeinden Württembergs gemeinsam mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung in Frankfurt, um für die Rabbiner und Lehrer seines Verbandes einen Fortbildungskurs »abzuhalten, zu welchem auch die Berufskollegen der Nachbarverbände, Bayern, Hessen und Baden eingeladen waren. Nachdem am Sonntag vormittag eine Maimonidesfeier in der großen Gemeindesynagoge stattgefunden hatte, eröffnete nachmittag der Präsident des Oberrates, Herr Leop. Levi. in der neuerrichteten, festlich geschmückten Turnhalle der neuen Schule die Fortbildungstagung. Die beiden Hauptreferenten der Tagung, Herr Rabbiner Dr. Grunewald, Mannheim und Prof. Dr. Weil, Frankfurt a. M., hielten nun einführende Vorträge zu ihren Arbeitsgemeinschaften, von denen noch die Rede sein wird. — Am Abend war im Bürgermuseum die Gemeindefeier zur Einweihung der Jüdischen Schule. Das Programm, das von der Schule (die mit 120 Kindern und 5 Lehrkräften sechsklassig aufgebaut ist) vollständig ausgeführt wurde, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung des jüdischen Schulgedankens. Man muß es miterlebt ha'ben. wie das kleine Völkchen die Bühne mit Leben erfüllte und die Zuhörerschaft mit seinem Spiel, Gesang und Tanz zu wahrer Begeisterung entfachte. Musikdirektor Adler, ein Musikpädagoge, um welchen die Stuttgarter Gemeinde beneidet werden darf, hatte am Gelingen dieses Abends den wesentlichsten Anteil. Die Funken des Frohsinnes und der Heiterkeit, die auf das Publikum übersprangen und dasselbe zum Mitsingen veranlaßte, gestalteten die Feier zu einem großen Gemeinschaftsalbend zwischen Elternschaft und Schule. Der Schulref ereilt der Gemeinde, Herr Dr. Merzbach, kennzeichnete sodann in einer Ansprache die Aufgaben der jüdischen Schule. In den lichten Räumen des idyllisch gelegenen Gebäudes des Isr. Waisenhauses in Eßlingen nahm am Montag und Dienstag die Haupttagung ihren Fortgang. Dem lärmhaften Weltstadtgetriebe Stuttgarts entrückt, nahmen die Arbeitsgemeinschaften einen harmonischen Verlauf. Den Höhepunkt der Tagung bildeten die Referate der Herren Dr. Grunewald über „die Ethik des Maimonides" und Prof. Dr. Weil, der an ausgewählten Stellen des Mose Nebucbim zeigte, wie sich Maimonides mit der philosophisch-islamitischen Weltanschauung seiner Umwelt auseinandersetzte. In einer weiteren Arbeitsgemeinschaft, unter Leitung von Direktor Rothschild, Esslingen, sollte die didaktisch und methodische Frage der Behandlung des Maimonides im Schulunterricht geklärt werden. Direktor Rothschild gab sehr brauchbare und wertvolle Hinweise, wie die Gestalt des Maimonides geschichtlich betrachtet und dargestellt werden kann. Ob indessen die philosophischen Gedankengänge der Hauptwerke des Rambam insbesondere auch seine Glaubensartikel zum Gegenstand der unterrichtlichen Behandlung gemacht werden sollen, blieb, wie die Aussprache zeigte, eine umstrittene Frage. Im Streite der Meinungen und im Ringen um die Probleme des großen Denkers, wirkte die Singgemeinsch'aft unter Leitung von Direktor Karl Adler als eine herzerfrischende Abwechslung. Er zeigte uns neue Wege der musikalischen Gestaltung. 'In seiner ersten Stunde lehrte er uns das ..Psalmodieren" in künstlerisch ansprechender Form. Im Psalmodieren sieht Adler die große Aufgabe, die alte Form des religiösen Musizierens zu retten. Im weiteren Verlauf seiner Arbeits- und Singgemeinschaft propagierte er das offene Musizieren als Mittel, der Gemeinschaftserziehung und fordert deshalb den einstimmigen liturgischen Gesang als die stärkste Form des Gemeinschaftsausdrucks. An praktischen Beispielen zeigte er, wie man mit den einfachsten Mitteln zum gemeinschaftlichen Singen erzieht. Deutsche und hebräische Kanons, die uns in einigen Minuten hergebracht wurden, rechtfertigten die methodischen Ausführungen des Referenten. Die beiden Abende füllte Prof. Dr. Kantorowitz, Frankfurt a. M., mit seiner Arbeitsgemeinschaft über Fragen der Erwachsenenbildung aus. In den Mittelpunkt der Aussprache wurde insbesondere die Frage der Erziehung )der schulentwachsenen Jugend auf dem Lande gestellt. Alles in allem. Die Tagung war in jeder Hinsicht ein großer Erfolg. Der Oberrat der Isr. Gemeinden Württemberg hatte in großzügiger Weise für die Unterkunft und Verpflegung aller Teilnehmer gesorgt. — Wir fühlten uns in dem gastfreundlichen Hause des Direktor Ratschild ordentlich zuhause. Ein Rundgang durch die geräumige Anstalt, die sachkundig und zielbewußt geleitet wird, ließ uns einen Einblick gewinnen, wie eine moderne Erziehungsanstalt geleitet wird. Die schönen Gartenanlagen, die Werkstätten für verschiedene Arten des Handwerks, Äcker, Wiesen, Rinderställe, dies alles zeigte, daß hier richtige Wege der Erziehung eingeschlagen werden. — Die schönen Tage in Eßlingen werden den Teilnehmern lange unvergessen bleiben. — . M.-H.

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