Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 11 (1.6.1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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248 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 KOSTÜME . KLEIDER. MÄKTEIi . PELZE haltlose1 Förderung. In Einzelfällen suchte er, um zu einer günstigen Besprechung zu gelangen, auf die Wahl des Kritikers . bei seiner eigenen Veranstaltung Einfluß zu gewinnen. Wurden Ansinnen dieser Art von den Redaktionen abgelehnt, so wurde sogar das Recht in Anspruch genommen, die Pressekarten zu verweigern. Solchen Maßnahmen sollten die Schriftleitungen künftig dadurch begegnen, daß sie g e - m e-i n s c h a f 11 i c h Normen zur Bekämpfung dieser Übelstände festlegen. Es wird sich dabei als notwendig erweisen, daß Künstler, Kritiker und Schriftleitungen eine Instanz schaffen, die etwaige Streitfälle überparteilich zum Austrag bringt. Die Berufsumschichtung hat den zwischen Ausübenden und Beurteilern an sich bestehenden Abstand; verringert, vielfach sogar aufgehoben. Scharfe Grenzen hat es auch früher nur in der Theorie gegeben. Große Tageszeitungen besaßen wohl einen hauptberuflichen Kunstkritiker; aber selbst dieser stellte sich oft noch als freier Schriftsteller, als Komponist und sogar als Ausübender in den Kreis der kritisch Beurteilten. Die Umstände, unter .denen Juden! in Deutschland gegenwärtig eins selbständige 'Kunstpflege möglich ist, haben den Kritiker im Hauptberuf, den es in anderen Ländern übrigens sehr sielten gegeben hat, zum Verschwinden gebracht; sie haben aber den Wert eines von Fachleuten ausgesprochenen Urteils keineswegs herabgemindert, sondern vielleicht noch erhöht Zuverläßliche Voraussetzung bleibt, daß der Schreibende selbst über eine gediegene Berufsausbildung auf seinem eigenen Gebiet verfügt, die den Blick für das Wesentliche künstlerischer Leistung schärft und sichere Maßstäbe gibt. Ebenso wie Ausübende eingedrungen sind, die vorher keine oder nur eine unzulängliche Legitimation für öffentliches Auftreten gehabt haben, so ist bei dem großen Plätzeiwechsel kritische Arbeit bisweilen von Persönlichkeiten übernommen worden, die Sinn und.. Ziel der Kunstkritik unzureichend erkannt haben. Schon jetzt hat das natürliche Gesetz der Auslese eine Klärung herbeigeführt: sachlich fundierte Besprechungen von Fachleuten haben mehr und mehr eine vage, meistens in Bausch und Bogen anerkennende Berich terstattung von Kunstliebhabern abgelöst. Die Aufgabe einer verantwortungsbewußten Kritik, sichtend, wegweisend und vermittelnd am künstlerischen Geschehen der Zeit teilzunehmen, fällt der jüdischen Presse jetzt in verstärktem Maße zu. Nur dann, wenn diese produktiven . Funktionen des Kritikeramtes erkannt ' werden und zur Auswirkung gelangen... erhält Kunstkritik in der Kulturarbeit der Juden Deutschlands die Stellung, die ihr auf Grund der Bedeutung des jüischen Zeitungswesens zukommt. 2. Frühjahrsausstellung jüdischer Künstler in Berlin. Von Dr. Lotte Pulvermacher Die Künstlerhilfe Berlin veranstaltet in den Räumen des Berliner '.Jüdischen Museums eine Frühjahrsausstellung, die am 5. Mai eröffnet wurde. Eine derartige Ausstellung ist gerade in heutiger Zeit, in der für den jüdischen Künstler eine M. SILBERTHAU & CO. KAUFINGERSTRASSE 10 Das Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck Silberwaren breitere Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, ein dankenswertes Unternehmen Nicht Namen von Künstlern sollen hier aufgezählt werden; die Zahl derer, die es verdienten, wäre zu groß. Denn die Ausstellung, bei der auch jüngere, noch nicht allgemein bekannte Künstler zu Worte kommen, zeigt erfreulicherweise ein sehr beachtliches Niveau, das sich von allem Dilettantismus fernzuhalten wußte. Lediglich die Qualität bestimmte die Auswahl. Wesentlich scheint ein Hinweis auf die Thematik, die unsere jüdischen Kunstler als Maler oder Plastiker behandeln. Dabei fällt auf, daß wirklich jüdische Inhalte doch recht spärlich vertreten sind. Diese Erscheinung ist um so bemerkenswerter, da im Zusammenhange mit dieser Frühjahrsausstellung ein Preisausschreiben! mit dem Thema ,:Das Gegenwartserlebnis der jüdischen Frau in Deutschland" veranstaltet wurde. Bezog sich dieses Preisausschreiben auch ebenso auf Literatur und Musik wie auf bildende Künste, so gab es doch Anlaß genug, diesem Problem auch in der bildenden Kunst Gestaltung zu verleihen. Die preisgekrönten Werke von Else Meidneir „Diaspora" (eine packende •Kohlezeichnung, die uns an Kollwdtzsche Kunst denken läßt). Adele Reifenberg-Rosenibaums „Simchath Thorah" (Pastell), Julie Wolfthorns in grün gehaltenes Bildnis einer Frau am Freitag-Abend-Tisch und Ottilie Wollheims Plastik sind ausgestellt; daneben gestalten Julius Rosenbaum („Simson schlägt die Philister", „Die Kundschafter" u. a.), Ludwig Schwerin und aus dem jüngeren Nachwuchs u. a. Paula Neufeld („Das ist das Gesetz") jüdische Themen. Sonst aber erscheinen kaum nennenswerte jüdische BiLdinhalte. — Woher erklärt sich nun diese Erscheinung? Einmal mag es daran liegen, .daß die typisch jüdischen Maler, wie beispielsweise Budko, Struck oder Steinhardt nicht mehr hier sind, und daß auch ein Teil gerade der jüngsten schaffenden Künstler seinen Wohnsitz nach Palästina verlegt bat. Vielleicht ist es aber auch gerade eine Ehrlichkeit, daß trotz aller äußeren Ereignisse und innerer Aufwühlung viele jüdische Künstler der bisherigen Tendenz ihres künstlerischen Schaffens treu geblieben sind und nicht aus Konjunkturgründen sich wandelten. Abgesehen von dieser Erwägung ist das Bild der Ausstellung so erfreulich, vielgestaltig und bunt wie nur. denkbar Unter den Gemälden sehen wir Arbeiten der älteren Generation, mit Liebermann an der Spitze, und viele seines Kreises; sehr gut ist die Generation der Mittleren vertreten, bei denen manche Künstler starke Zusammenhänge mit Dix nicht leugnen können. /Von den jüngeren Künstlern mögen hier nur V. Boehm, Max Heimann, Heinz Wallenberg und Josef Avrach genannt sein. Auch in der Plastik weist die Ausstellung sehr beachtliche Leistungen auf. Neben Bildhauern der älteren Genenation wie Alexander Oppler fallen von den: jüngeren besonders die Preisträgerin Ottilie Wollmann, Heinz Rosenberg- Fleck und Peter' Fingesten auf. Ist die Berliner Ausstellung nur auf Arbeiten in Berlin lebender Künstler beschränkt, so wäre prinzipiell auch in arideren Großstädten eine derartige Ausstellung zu begrüßen. Künstler und kunstliebendes Publikum brauchen einander, wie Direktor Heinrich Stahl, der namens des Gemeindevorstandes die Ausstellung eröffnete, durchaus zutreffend ausführte. Wir wollen hoffen, daß sein Wunsch, die Ausstellung möge den Künstlern zum Segen, den kunstliebenden Menschen zur Freude werden, sich in reichem Maße erfüllen. Aus der Gemeinde München Verschiebung der Theater-Aufführung Der Jüdische Frauenbund teilt mit: Die Aufführung des Stückes „Die vertauschten Rollen" am 3. Juni im SchreibmsschinGii neu u. gebraucht Bürobedarf Büromöbel A. BRUCK, Sonnensir. 12, Inh. R. Lewin. Tel. 10786