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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-04-15 · 8 (15.4.1935) · p. Seite 169

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
8 (15.4.1935)
Date
1935-04-15
Page
Seite 169 (sequence 1)
Language
German
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Itaycafrfje Jftaelffijdfc <BcmemÖC3citung!Iotf)tuf)tenblalt 6tt Jftaelütfdfen fculütfgemeinfien in Htänjtyeiv flugäbutg, Homberg und &t* tBerfmnfle* £ayertfcf)et Jftoelfflfdter Gemeinden Erscheint am l.u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73664 u. 73665. Postscheck München 3987, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach anfliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XI. Jahrgang München» 15. April 1935 it 8 Inhalt. 15 Jahre Verband Bayer. Israelit. Gemeinden — Die Pesach-Hagadah als Lehrbuch des jüdischen Wissens — Die Einheit in Maimunis Persönlichkeit — Die Sonderauigabe der Universität Jerusalem für die west-östliche Forschung und Bildung —Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüd. Turn- und Sportverein — Jüd. Kulturbund in Bayern — Mitteilungen des Jüd. Lehrervereins für Bayern — Bücherschau — Personalia — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl. 15 Jahre Verband Bayerischer Israelifischer Gemeinden Führung stehenden süddeutschen Verbände bilden eine feste Stütze der Reichsvertretung. Bei der ganzen Geschäftsführung erfreute sich der Verband der tatkräftigen Unterstützung der Staatsregierung. Ihr Vertreter konnte beim zehnjährigen Jubiläum im alten Rathaussaale in München ausführen, daß sowohl die Gründung des Verbandes, wie seine ganze bisherige Arbeit von dem Vertrauen der Staatsregierung getragen wurden und daß dieses Vertrauen wesentlich darin begründet war, daß innerhalb des Verbandes vereint marschiert wurde. Tatsächlich ist der Verband in diesen 15 Jahren eine Schicksalsgemeinsohaft geworden, gestählt in Freud und Leid. Wir haben das, was uns trennt, zurückgestellt und alle unsere Kraft in den Gemeinschaftsgedanken geworfen, eingedenk des Wortes: „Man frage nicht, ob man durchaus übereinstimmt, sondern ob man in einem Sinne verfährt." So haben wir unter Festhaltung unserer Uberzeugung und unter Achtung der Uberzeugung des anderen den Sinn auf die uns gemeinsamen höchsten Werte gerichtet und praktische Arbeit geleistet. Und so danken uns die zahlreichen im Dienste ergrauten Männer, ihre Witwen und Waisen, daß wir sie vor Not und Elend bewahrt, die Landgemeinden, daß wir sie vor dem Verfall gerettet, alle die Anstalten und Einrichtungen religiöser, fürsorglicher und sozialer Art, daß wir ihren Bestand erhalten, die Stätten jüdischer Bildung und Wissenschaft daß wir ihre Existenz gesichert haben. Heute ergeht an uns die Frage des Propheten: „Wird Dein Herz fest "bleiben und Deine Hand stark, in den Tagen, die ich Dir schicke?" Ehrfürchtig meinen wir, daß wir in diesem Sinne gearbeitet haben. Wir haben den Gemeinschaftsgedanken gepflegt. In seiner Auswirkung wollen wir jetzt die Gemeinden in besonderem Maße durch Rat und Tat und seelisch stützen. Wir wollen mit unserem ganzen Denken und Fühlen uns mit den aufbauenden Kräften verbinden. Wir wollen die jüdischen Schulen fördern und in öffentlicher Fürsorge für die Zukunft unserer Kinder alles tun, was nur in unseren Kräften steht. Wir wollen in gleicher Weise sorgen für die, welche eine neue Heimat auf dem Boden der Väter finden und die, welche der alten Scholle im deutschen Vaterlande anhängen. Wir wollen uns vor Augen halten, daß das Judentum zu seinem bescheidenen Teil dazu berufen ist, die Überzeugung von der geistigen Welt in den neuen Morgen hinüberzutragen und hier die höchste sittliche und religiöse Kraft zu entfalten. Wir gedenken in dieser Stunde der trefflichen Männer, die mit uns den Verband geschaffen haben, Elias Straus und Dingfelder, die nicht mehr unter den Lebenden weilen, Hommel und Stein, die von uns gegangen sind. Wir wollen das Bekenntnis erneuern, das wir vor 15 Jahren in Nürnberg abgelegt haben: Wir wollen uns vereinigen, dem Ganzen zu dienen mit aller Kraft, wir wollen unsere Eigenart pflegen und zu unserem Teile damit beitragen zur allgemeinen Bildung, Gesittung und Religiosität, wir wollen helfen in aller Not, wir wollen standhalten im Geschehen der Zeit. Am 20. April 1920 wurde in Nürnberg unter dem Vorsitz des Geheimen Justizrats Dr. Held und auf das Referat des Schreibers dieser Zeilen der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden gegründet. Seit mehr als hundert Jahren von Staat und Gesellschaft begehrt, vorbereitet in der Zeit vor dem Kriege* ist er nach Änderung der Verfassung als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Steuergewalt entstanden. In einer guten Stunde hatten die religiösen Richtungen, die Gemeinden, Rabbiner und Lehrer zu einander Vertrauen gefaßt und einmütig ga)b die verfassunggebende Versammlung dem Verband das Grundgesetz. Dieses Gesetz erhielt seinen Abschluß in Augsburg am 22. Februar 1926 und beruht auf dem Zweikammersystem. Der Rat, das Verwaltungsorgan des Verbandes, besteht aus 21 Mitgliedern und wird von den Gemeindekörperschaften und den Standesvertretungen (Rabbiner und Lehrer) gewählt. Die Tagung, das gesetzgebende Organ, zählt 76 Mitglieder und geht aus der direkten Wahl der Mitglieder der Verbandsgemeinden hervor. Der Verband umfaßt die Gemeinden des rechtsrheinischen Bayerns und der Pfalz mit rund 40 000 Seelen (1920 waren es 50 000). Nach der Stabilisierung der Mark und der Erlassung des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes vom 1. August 1923 setzte eine stetige Finanzpolitik des Verbandes ein, die ihr Rückgrat in der bis heute unverändert gebliebenen Landesumlage von 3 Prozent hat. Die Umlage besteht aus Zuschlägen zu den hauptsächlichsten Reichs- und Landessteuern!. Der Staatszuschuß von vordem 70 000 RM. ist heute weggefallen. Die Eingänge an Umlagen, die im Jahre 1928 den Höchststand von 635 000 RM. erreichten, sind ganz wesentlich zurückgegangen, entsprechend der verminderten Steuerkraft der Bevölkerung und der Abwanderung. Auf der Beihilfe des Verbandes beruht die Erhaltung der überwiegenden Zahl der Landgemeinden. Er hat den Rabbinern und Lehrern und ihren Angehörigen auskömmliche Gehälter, Ruhegehalts- und Hinterbliebenenbezüge geschaffen. Der Haushalt für Wohlfahrtspflege und andere kulturelle Leistungen betrug im Jahre 1934 rund 65 000 RM. Der Verband hat ein Landessiechenheim in Würzburg errichtet, der Bestand der Lehrerbildungsanstalt ebendort beruht im wesentlichen auf seinen Zuwendungen. Der Verband hat die Geschichte des Landes in ihren Beziehungen zu den jüdischen Niederlassungen erforscht und die Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland mit ins Leben gerufen. Er hat Gotteshäuser (Heidingsfeld) und andere Kulturdenkmäler erhalten und wiederhergestellt und die Imventarisation der Kunstgegenstände und Altertümer in den Gemeinden in die Wege geleitet und zu einem wesentlichen Teil durchgeführt. Der Verband hat schon bei seiner Gründung in einer Beilage zur Verfassung erklärt, daß eine Reichsorganisation entstehen solle zur Wahrnehmung der gemeinsamen Angelegenheiten der jüdischen Gemeinschaft im Reiche. Er hat diesen Gedanken unentwegt und gegen alle Widerstände hochgehalten, so daß die Reichsvertretung der deutschen Juden entstehen konnte. Der Bayerische Verband und die unter seiner Dr. Alfred Neumeyer.

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