Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 6 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- Seite 129 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JiWI. Kulturbund in Kaycrn Zum Konzerf des Frey-Quarfeffs Streichquartett des Berliner Kulturbund-Orchesters Die Herren Willy Frey (l. Violine), Basia Polisch u c k (2. Violine), Manuel Steuer (Viola) und Stefan A u b e r (Violoncello), sämtlich Konzertmeister des Berliner Kulturbunid-Orchesters, haben ein Streichquartett gebildet, das sich in der einjährigen Zeit seines Bestehens zu einem Kammermusik-Ensemble von hohem künstlerischen Rang entwickelt hat. In einer Reihe von Konzerten in Berlin und anderen Kulturbünden des Reichs hat das Quartett Erfolge erzielt, die von der jüdischen Presse allenthalben betont und besonders hervorgehoben werden. Der Jüdische Kulturbund in Bayern hat für das Quartett, eine Tournee arrangiert, die die Gemeinden München, Nürnberg und Regensburg umfaßt. Das Programm, welches die Künstler in München ausführen werden, enthält wertvollstes klassisches Kunstgut, wie die Quartette C-dur (op. 59 Nr. 3) von Beethoven und F-dur (op.96) von Anton Dvorak; es enthält aber auch das Streichquartett von Ernest Bloch, jenem jüdischen zeitgenössischen Komponisten, der sich in letzter Zeit besonders der Pflege jüdischer Musik gewidmet hat, und dessen Oratorium „Awodath Hakodesch" vor kurzem den Beweis. erbrachte, daß die Bestrebungen nach Bildung eines modernen jüdischen Musikstils nunmehr festen Boden gewonnen haben. Von den zahlreichen Freunden der Kammermusik, aber auch von all denen, die sich heute mit jüdischen Problemen befassen, darf erwartet werden, daß sie das Konzert des Berliner Quartetts am 20. März besuchen. Zum Konzerf Münchener Künsfler Das Konzert, das am 7. Februar wegen Erkrankung eines Mitwirkenden abgesagt werden mußte, wird nun am Montag, den 25. März nachgeholt. Die Karten mit dem Datum 7. Februar behalten ihre Gültigkeit für den neuen Termin. Das Konzert darf insofern großes Interesse in Anspruch nehmen, als unsere Münchner Künstler diesmal ein Programm bringen, das vorwiegend dem Schaffen neuerer und zeitgenössischer jüdischer Komponisten gewidmet ist. Unter den Gesangswerken wird (nach Schubert) diesmal Mendelssohn mit einigen seiner schönsten Lieder vertreten sein. Einige Lieder von Gustav Mahler, dem noch immer zu wenig gekannten und verstandenen Meister der Jahrhundertwende, sind noch in das Programm eingereiht worden. Von Arnold Schönberg, unbestritten dem bedeutendsten Komponisten der Moderne, wird eine der schönsten Stellen der Tenorpartie aus den „Gurreliedern"gebracht werden, jenem gigantischen Chorwerk, dessen großartige Aufführung unter Bruno Walter heute noch im Münchner Konzertpublikum unvergessen ist. Aus der Oper „Violante" des Wiener Komponisten Erich Wolfgang Korngold wird eine Szene zu hören sein; auch diesem dramatischen, eindrucksvollen Werke hat Bruno Walter vor Jahren in der Münchner Oper zum Siege verbolfen. Aus dem Sohaffen von Paul Frankenburger, dem Münchner Tonsetzer, der seit kurzem in Palästina wirkt, gelangen Lieder zum Vortrag, ebenso Lieder von Leo Blech, dem kaiserlichem. Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper. Aus dem Meisterwerke des Östereichers Carl Goldmark (1832—1915), der ans den Wiener Glanzaufführungen berühmten Oper „Die Königin von Saba" wird das große Duett Saba-Assad gesungen werden. Unter den Klavierkompositionen wird (neben Schumann) auch Camille Saint-Saens (1835—-1921) vertreten sein, der französische Jude, den wir in Deutschland sonst fast nur als den Komponisten der Oper „Samson und Dalila" und einiger Orchesterwerke kennen. Von den mitwirkenden Künstlern sind Liselott Weiß (Klavier), Irma Stern (Sopran) und Ernst Mosbach er (Tenor) unserem Publikum vertraute Erscheinungen; zu ihnen gesellt sich nun noch Matthäus U r w a n d (Baß), der sich erstmals als Liedersänger vorstellt. Die Begleitung der Gesänge hat Kapellmeister Erich E r c k übernommen. Auch diesem Konzert, als einer betont jüdischen künstlerischen Veranstaltung, wäre nicht nur der Besuch aller Musikfreunde, sondern auch all derer zu wünschen, die stets die Notwendigkeit der Pflege jüdischer Kunst hervorheben. Verschollene jüdische Vollcsbräuche am Purimfesf Von Dr. B. Weinryb Bei einem tieferen Einblick in die Geschichte der Juden aus der Zeit vor der Aufklärung läßt sich eine Unterströmung erkennen, die im Gegensatz zu der offiziellen Abgeschlossenheit der Juden von ihrer Umwelt ihren Nährboden gerade in dieser fremden Welt hatte. Das auf Studium und Gesetzerfüllung beruhende Leben der Rabbiner und Gelehrten konnte für Thoraunkundige und Frauen nicht den ganzen Lebensinhalt ausmachen, zumal da sie die Sprache der heiligen Bücher nicht verstanden. Sie suchten sich daher im Profanen auszuleben und schöpften 'ihren Unterhaltungsstoff aus der Natur der Umwelt. Die deutsche Spielmannsdichtung des Mittelalters findet ihre Nachahmer bei den Juden der deutschen und italienichen Ghettis. Hier sind es die wandernden Armen, die die verschiedenen Lieder rezitieren. So war die „Herzog-Ernst-Dichtung" bei den Juden sicher sehr verbreitet, da man hebräische und jiddische (jüdisch-deutsche) Lieder sogar religiösen Inhalts in der gleichen Strophe und Melodie schuf. Ein großer Teil des deutschen Heldenepos und der Romane des Mittelalters (Dietrich von Bern, Hildebrand, Artus-Roman u. a.) sind auch der jüdischen Spielmannsdichtung bekannt. Die Erzählungen der biblischen Bücher: Josua, Richter, Könige, Esther und vor allem Samuel, werden in die Nibelungenstrophe umgedichtet. Xedfife Sie die ^uU BütU-HUidiuq fkäkikeu SikdSuttket Stoßt ffVIVfWfVIffr WWWWWffwyWV ^^WW^FB^J^