Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 6 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- Seite 128 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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128 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 chenabteilung sich an Schwere mit denen der Aktiven nicht vergleichen lassen — was ja ohne weiteres verständlich ist —, so muß doch auch bei ihnen die Exaktheit und Körperhaltung hervorgehoben werden. Wie Spielbälle bewegten sich die- Herren der Jui-Jitsu-Abteilung auf der Bühne, als sie über 3, 4 und 5 Körper und durch Reifen sprangen. Und als dann die Herren Schwarzschild —der Leiter der Abteilung — und Diamand die eigentlichen Griffe zeigten, da bekam man einen Begriff von der Wichtigkeit und Bedeutung dieser Kunst. Besonderer Beifall fanden die nun folgenden Keulenübungen der Damenabteilungen. Und dann kam der Glanzpunkt des Abends: das Turnen der Aktiven am Reck. Jeder der Turner zeigte eine andere Kombination der Übungen und jede Übung überbot die andere an Schwierigkeit, aber auch an Genauigkeit der Ausführung. Als als Letzter der Leiter der Abteilung — Josef Bass — seine Riesenschwünge vorführte, da wollte der Beifall kein Ende nehmen. Nach einer Pause folgte die Vorführung des Stückes „Der verwandelte Komödiant" von Stefan Zweig. Darüber schreibt unser Spezial-Berichterstatter: Wandernde Schauspieler sind bei Serenissimo in Ungnade gefallen. Der Jüngste der Truppe soll bei der Favoritin des Fürsten Pardon erbitten. Ungewollt wird er Zeuge einer peinlichen Szene: der eifersüchtige Fürst hat die Witterung nach dem im Gemäch der Gräfin versteckten Liebhaber aufgenommen. Unvermittelt nimmt der junge Komödiant die Rezitation der großen Rede Marc Antons aus Julius Cäsar auf im Bestreben, den mißtrauischen Fürsten vollkommen in den Bann der Dichtung zu ziehen. In der Größe seiner Aufgabe findet er spontan den Weg zur großen Kunst. Der Fürst hört nur mehr die Worte Marc Antons und vergißt darüber den Liebhaber seiner Freundin, der unbemerkt entflieht. Mit der Wandlung zum Künstler, der jetzt an seine Mission glaubt, bricht in dem jungen Menschen elementar die Leidenschaft der ersten Liebe durch. Nicht ohne Verheißung entläßt ihn die gerettete Gräfin. Hinter diesem Rokoko-Spiel steckt mehr als Äußerlichkeit. Der Sieg des Schauspielers bedeutet den metaphysischen Triumph der Kunst, welche Raum und Zeit überwindet, ja sogar den Sieger selbst in die Sphäre der Unwirklichkeit erhebt. Die Stärke des Stücks liegt allerdings mehr im Sprachlichen denn im Dramatischen. Die Exposition ist zu breit geraten, die Steigerung zum Höhepunkt zu eng bemessen, der Schluß zu linear im Rhetorischen verebbend. Der Bühnenerfolg des Werkes steht und fällt mit der Besetzung der Rolle des jungen Komödianten, welcher als schüch- Bitie beachten Sie auch die Anzeigendem Augsburg auf der letzten Seite #errCl „Der Herrenausstatter" Rosenstraße 5 Das moderne Spezialgeschäft für Hüte und Herrenartikel S. Levinger Zigarren rühmlichst bekannt durch feine Qualität jetzt wieder Bayerstrasse 21 im Neubau Hotel Rheinischer Hof / Gegründet 1886 / Fernsprecher 54897 terner Knabe das Gemach der Gräfin betritt, um zum liebenden Künstler gewandelt aus demselben'wieder zu scheiden. Es läßt sich dabei denken, daß es einer Frau gelingt, diese ungeheure Entwicklung glaubhaft zu gestalten. Von der Oper ganz abgesehen, darin Hosenrollen schon aus Gründen der Klangfarbe gang und gäbe sind (Page im Figaro oder in den Hugenotten, Rosenkavalier etc.), erinnert man sich, daß auch bedeutende Schauspielerinnen erfolgreich Männerrollen kreirten. Unvergeßlich beispeilsweise Sarah Bernhard als Herzog von Reichstadt in Rostands. „L'Aiglon" oder gar ihr Experiment als Hamlet. Elisabeth Springer repräsentiert zweifellos eine intelligente Darstellerin von stark persönlicher Prägung. Es lag etwas Rührendes in Ausdruck und Haltung, ganz besonders im Spielder Hände, wie sie als schüchterner Bittsteller vor der Gräfin stand. Es gelang ihr auch das Erwachen zum Künstler und Liebhaber eindrucksvoll zu steigern. Diesem darstellerischen Können ward leider eine Grenze gesetzt durch die Gleichtönigkeit des Stimmtimbres. Die zündende Ansprache Marc Antons im weiblichen Discant kann nicht die Voraussetzung erfüllen, worüber ein eifersüchtiger Fürst de.n verborgenen Nebenbuhler vergißt. Im Speziellen erscheint die Besetzung des jungen Komödianten durch eine Dame wenig glücklich, weil hiedurch alle Nüancen verwischt werden, welche im aufkeimenden Liebesspiel zwischen der Gräfin und dem jungen Schauspieler nicht entbehrt werden dürfen. Hugo Magnus-Gross, welcher den Fürsten gab, darf besondere Anerkennung schon deshalb ausgesprochen werden, weil es ihm gelang, in jedem Stadium der Rolle das Chevalereske zu wahren. Weniger vorteilhaft schnitt in diesem Betracht Alfred Obermayer als Chevalier ab; er geriet im Bestreben, originell zu sein, zu sehr ins Fahrwasser der Groteske. Ein Mann, welcher so hübsch, wie die Gräfin behauptet, zu konvenieren versteht, ein Mann, der vom Fürsten als Auslandsgesandter berufen ist. darf wohl als Decadent. nicht'aber als eine Art Hofnarr auf der Bühne wirken. Henn y W e i ß , als Erscheinung äußerst eindrucksvoll, stattete die Gräfin vielleicht zu sehr mit kühler Reserve aus. Der Dichter legt ihr zwar das Motto in den Mund, daß das Leben letzthin nur routiniertes Spiel bedeutet, dessen ungeachtet aber hätte die Konvention gerade in der aufregenden Szene, da der Fürst unerwartet das Zimmer betritt, durch persönliche Impulse ausgeschaltet werden können. Lotte Schönberg-Ernst, welche auch die Rolle eines Hoffräuleins diskret betreute, hatte — von der papageienhaften Erscheinung des Chevalier abgesehen — die Kostümfrage trefflich gelöst. Joseph Weiß betätigte sich als tüchtiger Regisseur, der nur noch da und dort auf flotteres Tempo dringen müßte. Das Spiel wurde eingeleitet durch einen von Elisabeth Springer ausgezeichnet gesprochenen Vorspruch von Ben Chor i n. Der Kapelle S a r s k y gelang es durch die geschmackvolle Wiedergabe des bekannten Menuetts von Boccherini den Rokokorahmen für das kommende Spiel stimmungsvoll zu spannen. Allen Mitwirkenden ward reicher Beifall zuteil. Wir würden uns freuen, die Darsteller, im besonderen die starke Begabung der Elisabeth Springer recht baldwieder in Rollen begrüßen zu dürfen, welche der Eigenart der Künstler mehr entsprechen. Ba. Bi*: in die frühen Morgenstunden hielt dann der Tawz nach den Weisen der .Kapelle Sarsky die Jugend zusammen. Makkabiah 1935 Bei den Ausscheidungskämpfen der Turnerinnen nahm am 24. Februar in Berlin Frl. Mendle teil. Sie erzielte den 2. Platz und damit die Berechtigung, mit der deutschen Mannschaft an der Makkabiah teilzunehmen. In der deutschen Handballmannschaft steht Heinz Gold mann aus unserem Verein, ferner werden Frl. Loni Gutmann und Herr G o j dstern die deutschen Farben im Tennis in Palästina mit vertreten. Trotz, oder gerade wegen seiner Überparteilichkeit ist der Münchener Verein befähigt, so zahlreiche Wettkämpfer abzustellen. Fußbali Das Wettspiel am 10. März mit dem JTSV Würzburg mußte wegen Unspielbarkeit des Platzes 'abgesagt wer-