Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 5 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 103 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiid. Kulturbund in Kiiyeni Zum Konzerf des Münchener Jüdischen Volcalquarlells am 7. März Das in der vorigen Saison mit so großem Erfolge an die Öffentlichkeit getretene Münchener Jüdische Vokalquartett (bestehend aus den Damen Sonja Ziegler, Emma Färber und den Herren Dr. Paul Kuhn und Walter Ries, unter Leitung des Herrn Josef Ziegler) wird am Donnerstag, den 7. März, abends 8 Uhr, im Museumssaale wiederum ein Konzert veranstalten. Die Künstler waren in der Zwischenzeit zu Abenden in Ulm (II. Konzert), Karlsruhe, Freiburg i. Br. und Konstanz, wo sie überall stürmisch gefeiert wurden. Im Programm erscheinen diesmal neue Quartette von Brahms, ferner werden auf vielfachen Wunsch die so beifällig aufgenommenen Zigeunerlieder wiederholt. Frau Färber und Herr Ries bringen neben klassischen Kompositionen auch moderne Lieder unserer beiden Münchener jüdischen Komponisten Jos. Ziegler und Max Ettinger. Im II. Teil singt Frau Sonja Ziegler die oben erwähnten Jiddischen Völkslieder und den Abschluß bildet eine überaus charakteristische Vertonung des „Ziegele" (aus der Hagada) des berühmten Londoner Komponisten Salomon Almon. Konzerf Nürnberger Künsfler im Münchner Kulturbund Ein Programm, welches die Musik vom Barock über die Klassizität bis zur atonalen Moderne umfaßt, darf wohl als interessant angesprochen werden. Daß allerdings gleich zwei Arien für Altstimme mit obligater Violine hintereinander die Vortragsfolge eröffneten, mußte eine gewisse Monotonie erzeugen, zumal auch stilistisch die Wiedergabe nicht die erforderliche Geschlossenheit erreichte. IrmaFrank verfügt über eine schöne, gutgebilidete Stimme, welche allerdings mehr zum Mezzosopran als zur Tiefe neigt. Die Künstlerin fühlte sich offenbar erst in den Liedern von Mahler, Gretschaninow und Mussorgski in ihrem eigentlichen Element und überzeugte hier durch plastische Gestaltungskraft sowie stimmungsvolle Einfühlung. Ludwig G r ü n b a u m (Klavier) und Ilse S o r e n n (Violine) brachten Beethovens Kreutzer-Sonate zu eindrucksvollem Vortrag; die Ecksätze könnten allerdings eindringlicher, größer gestaltet werden. Die stärksten Eindrücke hinterließ Ludwig Grünbaum als Interpret von 6 Preludes aus op. 119 von Chopin und der Es-dur-Rhapsodie von Brahms. Hier durchbrach echte Künstlerschaft die Starre der Konvention; hier offenbarte sich das Temperament der Schule Leonid Creuzers. Einen durchschlagenden künstlerischen Erfolg konnte auch die den Abend beschließende Suite für Violine und Klavier (op. 27) 'des jüdischen Komponisten Rathaus für sich in Anspruch nehmen, wobei Ilse Sorenn erst so richtig aus sich herauszugehen und aus dem Vollen zu schöpfen schien. Dieses Werk, welches formal im Rhythmischen wurzelt, stellt an seine Interpreten nicht unbedeutende Anforderungen. Die Ecksätze werden von starken Impulsen befeuert, in den Unisonos ist das Vorbild Hindemith's unverkennbar. Der weitabgewandte Andante-Satz kommt dem Gefühlsmäßigen am stärksten entgegen. Es bleibt das Verdienst der Nürnberger Künstler, uns diese wertvolle Bekanntschaft mit einem der modernsten jüdischen Tondichter vermittelt zu haben. Schon dieserhalb darf der Abend als bedeutsames Aktivum gebucht werden, zumal das beifallsfreudige Publisum, mehr und mehr mitgerissen, sogar dem Atonaliker Rathaus die Gefolgschaft nicht versagte. Ba. Der Golem Bemerkungen zu Beate Rosenfeld, Die Golemsage und ihre Verwertung in der deutschen Literatur. (Sprache und Kultur der Germanisch-Romanischen Völker. Germanist. Reihe Bd. V. Verlag Dr. H. Priebatsch, Breslau, 1934.) Stoffgeschichtliche Arbeiten der früheren Zeit unterscheiden sich wesenhaft von den neueren Untersuchungen, die zumeist in der Reihe „Stoff- und Motivgeschichte in der deutschen Literatur", die Paul Merker gemeinsam mit G. Lüdtke herausgab oder in der Schriftenreihe „Sprache und Kultur der German, und Roman. Völker" ihre Heimat gefunden haben; sie streben von der Stoffgeschichte zur Geistesgeschichte — während die früheren Arbeiten häufig nur Anhäufungen von. Material waren, „selbst Stoff für ein künftiges noch zu schreibendes Buch!", wie einmal ein Kritiker sagte. In den neueren Arbeiten wird aus der Geschichte des Stoffes nicht nur die Geschichte des Motivs, sondern auch darüber hinaus das Bild der Zeit, in der sie entstanden, und das Bild des Künstlers entwickelt. In solcher Absicht wurde schon — vielleicht als ungewollt herbeigetragene Bausteine zu einer uns immer noch fehlenden Geschichte des Einflusses der biblischen Stoffe auf die Nachwelt — Ahasverus, der ewige Jude, Judith und neuerdings auch das Kain- und Abel-Motiv in der deutschen Literatur behandelt. Kaum eines dieser Bücher aber scheint mir den Umkreis seiner Betrachtungen so weit zu ziehen und ein höchst ausgedehntes Quellenmaterial aus alter und neuer Zeit aus talmudischen und rabbinischen Handschriften und Büchern wie aus den Dichtungen des deutschen Schrifttums in sogründlicher und sorgfältiger Weise zu durchpflügen wie das kürzlich erschienene Buch von Beate Rosenfeld „Die Golemsage und ihre Verwertung in der deutschen L i t e r a t u r". Beate Rosenfeld schafft sich zunächst durch eine Darlegung der Geschichte der Golemsage in einem besonderen Teile — was in manchen andern Büchern versäumt wurde — die Möglichkeit, Grundzüge, Problematik und Wandlungen des Stoffes in der deutschen Literatur darstellen und sie mit den Quellen vergleichen zu können. Dazu befähigte sie eine bei den Vorgängern, die sich an der vielfach ja geheimnisvoll lokkenden Aufgabe schon versuchten, fehlende, ins einzelne gehende Vertrautheit mit den älteren hebräischen kabbalistischen Quellen, die nicht nur in Büchern, sondern vor allem in den Handschriften der Staatsbibiotheken in München und Berlin u.a., im Jüd.-Wissenschaftlichen Institut in Wilna und anderwärts erhalten sind. In der Tat: eine bewundernswerte Arbeit! Denn sie schafft nicht nur mit Umsicht und Fleiß diese alten uagett Sie die gute Batk-Hteidukf fhiituUeu Settdtik&t $tto$$