Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 5 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 93 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hotfjri^lenMolt dct JfcoeUtffc^ett &uttu*gerarin4en in munt^en/^ug^tutg/^ombetfl unfl de« Oecfatrie* #ayerifrf)et JftaeUtf frfjet Gemeinden Erscheint am 1. u. 15. Jeden Monats. —Verlag: B.Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73664 u. 73665. Postscheck München 3987, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM, 4.80 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäitsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarü XI. Jahrgang München, 1. März 1935 Nummer 5 Inhalt: Die Welt aus dem Willen — Vom Glück in jüdischer Auffassung — Vom Sinn jüdischen Brauchtums — Der Oberrabbiner von Italien, Prof. Dr. Angelo Sacerdoti, gestorben — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Bamberg — Aus dem Reiche — Jüdischer Turn- und Sportverein — Jüdischer Kulturbund in Bayern — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl; Bekanntmachung über Veräußerung von Kultstätten und Kultusgegenstünde'n und die Erhaltung des gemeindlichen Besitzes. Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Mazzoth-Versorgung; Besetzung der Stelle eines 2. Rabbiners; Bekanntmachung über Verteilung von Präbenden aus der Jakob und Klara Fromm'schen Familienstiftung: Bekanntmachung über Verteilung von Aussteuer* bzw. Mitgiftbeihilfen aus der Joseph Kronheimer'schen Ausstattungsstiftung. Die Weit aus dem Will en Anläßlich der Palästina-Woche in München. Von Hans Rosenkranz. Wer mit dem Dampfer von Port Said nach Haifa reist, fährt aus einer Stadt die aus dem Willen eines Menschen geboren wurde, in eine andere, welche das Tor zu einer neuen Welt bildet, deren Entstehen ebenfalls ein Phänomen des menschlichen Willens ist. Beide Städte, Port Said und Haifa, entstanden aus. dem Nichts. Das Denkmal von Ferdinand Lesseps, welches einen der Hauptplätze von Port Said schmückt, bezeichnet Ursprung und Aufgabe dieser Stadt. Port Said ist Kopfstation des Suezkanals. Sie entstand mit dem Kanal, und sie würde an jenem Tage entvölkert sein, an dem aus irgendeinem Grunde der Weg nach Indien nicht mehr über Suez führt. Zwischen dem Karmel und dem blauen Meer, zwanzig Stunden Schiffsfahrt nach Norden, liegt an einer Bucht von neapolitanischer Schönheit Haifa, die kommende Hafenstadt des wachsenden Erez Jisrael. Auch sie entstand in ihrer heutigen Gestalt ausschließlich aus dem Willen, aber nicht als Nebenprodukt, wie Port Said, aus dem Willen eines Einzelnen, der einen Kanal bauen wollte, und nicht aus dem Interesse eines Imperiums, das diesen Kanalbau ermöglichte. Haifa in seiner heutigen Gestalt und in dem, was seine Bedeutung ausmacht, entstand aus dem Willen einer Schicht von Menschen, die als Utopisten ausgezogen waren, um die Judenfrage zu lösen, die sie als ihre persönliche .und zugleich als eine Weltfrage empfanden.. Das Hinterland Haifas war einmal. Wüste wie das Hinterland von Port Said. Aber dieses Hinterland heißt heute Emek Jesreel, es war noch vor einem Jahrzehnt verseucht von Moskitos, .unpassierbar vor Sumpf, ein Landstrich, in dem Menschen nicht zu leben vermochten. Heute ist diese riesige Ebene, eingerahmt von den Bergen Samarias bis hin zum Kinerethsee, dem alten See Genezareth, Besitz des Jüdischen Nationalfonds, und die Dutzende 'blühender landwirtschaftlicher Ansiedlungen sieht man von den Bergen liegen in einer Ebene, die vor 10 Jahren Sumpf gewesen ist. Vergleichbar nur der Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe oder der Landgewinnung aus der Zuyder See, bildet diese Ebene das Hinterland der Stadt Haifa, einer Hafenstadt, geschaffen aus dem Willen von Menschen, aber aus einem grundsätzlich anderen Willen als derjenige war, dem Port Said seine Entstehung verdankt. Port Said ist eine gemachte, nicht eine gewachsene Stadt: es "ist Levante. Haifa und das Land Erez Jisrael entstanden aus dem Willen von Menschen, sind dennoch beide gewachsen. Erwachsen zwar aus menschlichem Willen, aber doch organisch sich entwickelnd, nicht die Diener für alle, sondern lebend aus den Bedürfnissen von Erez Jisrael, das sich, noch mit allen Schlacken des Werdens behaftet, nach dem Gesetz entwickelt mehr zu werden als ein Umschlagplatz an der Levante, nämlich ein Land' seiner eigenen Prägung, seiner eigenen Kultur, seines eigenen Schicksals und seines eigenen Wachstums. Alle Fragen sozialer und politischer Art, die heute die Welt bewegen, stoßen im Raum zwischen Karmel und Mittelmeer mit besonderer Plastizität zusammen: zwei .Völker, Araber und Juden, müssen sich hier nebeneinander einrichten und, ob sie wollen oder nicht, zusammenleben; die Frage nach der Möglichkeit, die europäische Kolonialherrschaft aufrecht zu erhalten, manifestiert sich im dem täglichen Versagen der englischen Verwaltung, europäische Waren kämpfen mit japanischen. einen verzweifelten Kampf um diesen werdenden Markt. Hier ist ein Land ohne Arbeitslose, hier ist die einzige Regierung der Welt mit enormen Budgetüberschüssen, hier werden neue soziale Formen versucht, alte Kulturen werden erneut lebendig. Ob dieses Land Münchener Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes i. B. . März Museum: Konzert des Münebener Jüdischen Vokal-Quartett» 30. März Museum: Konzert des i^rey-Quartetts Berlin (Streichquartett)