Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 4 (15.2.1935)
- Date
- 1935-02-15
- Page
- Seite 69 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ttorfftfrfftHtblott der Jftodtöftffen &tttu*0tmrinden InVRündftn/O&UQtlnuLQ/toambttQ unö fle* OetfanOe* #ayettfcf)et Jftaetittfdjet Gemeinden Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats. —Verlag: B.Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73664 u. 73665. Postscheck München 3987, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XI. Jahrgang München, 15. Februar 1935 Nummer 4 Inhalt. Richard Beer-Hofmanns „Jaakobs Traum" im1 Berliner Kulturbund — Jakob Wassermann in drei Jahrzehnten — Aus der Gemeinde München — Reichsbund jüdischer Frontsoldaten — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüdischer Turn- und Sportverein — Bücherschau — Jüdischer Kulturbund in Bayern — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervererns für Bayern — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachung des Verbandes. Bayerischer Israelitischer Gemeinden — Personälia. Richard Beer-Hofmanns „Jaakobs Traum" im Berliner Kulturbund Festaufführung zugunsten der Altersheime der Jüdischen Gemeinde Berlin Der Aufführung von Zweigs „Jeremias" im Berliner Kulturbund, .die vor einigen Wochen für den Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau veranstaltet worden war, folgte jetzt eine zweite Festaufführung, diesmal für die jüdischen Altersheime der Berliner Gemeinde. Wieder war es die Schöpfung eines großen Dichters, Motive aus der Heiligen Schrift, tiefster jüdischer Sinngehalt, zeitlos und darum ewig zeitnah, in neuer, hoher Form ver-dichtet, die an diesem Abend zu den jüdischen Herzen sprach. „Jaakobs Traum" von Beer-Hofmann ist eigentlich das Vorspiel zu einer großen jüdischen Dramentrilogle „Die Historie von König David". Ereignisse veranlaßten den Dichter, wie er selbst im kurzen Vorwort zu dem Buch sagt, dieses Vorspiel schon der Öffentlichkeit zu übergeben, das er gern bis zur Vollendung der ganzen Arbeit unveröffentlicht gelassen hätte. Man muß dem Dichter für seinen Entschluß sehr dankbar sein; denn wenn das Stück, seiner Bestimmung gemäß, natürlich auch kein Drama im üblichen Sinn ist, sondern viel mehr ein wechselseitig gesprochenes, gespieltes, gelebtes Gedicht, so hat es doch in seiner Wirkung von der Bühne her unendlich viel zu geben an Erkenntnis, tiefster Erschütterung und machtvoller 'bertragung, uralter'" Gedankenwelt, in der das ewige Drama des Judentums beschlossen liegt, das Drama, das glühend und lebensvoll aus der Aufführung dieses Gedichtes steigt. Der erste, dramatisch für die Bühne äußerst wirksame Teil des Stückes gibt gleichsam den realistischen Hintergrund, auf dem sich dann der zweite große Teil der Allegorie von Jaakobs Traum malt: Durch eine List hat Rebekah es gefügt, daß der sterbende Jizchak seinen Sohn Jaakob segnet an Stelle des Erstgeborenen Edom, dem der Segen eigentlich zukäme — nach dem äußeren Gesetz; denn dem inneren Gesetz nach, das die Mutter erfühlt hat, gehört der Segen dem, der „voll dunkler Fragen einhergeht" — der „nicht Gott in ferne Himmel einsargt, nein, täglich, Herz an Herzen, mit ihm ringt" — der „vor aller Wesen Leid erblaßt" und nicht dem. der sich „froh und satt und sicher" freut; „weil auf ihm Gnade ist und und dir — keine!" sagt Rebekah zu dem vor Wut schäumenden Edom, der einen Eid geleistet hat, sich allen Genuß: des irdischen Tages zu versagen, bis er das Blut seines Bruders gesehen habe. Dieses schwere Wort der Mutter erlöst Jaakob selbst später von seiner Härte, als er in tiefstem Erkennen alles Geschehens um ihn und in unendlicher Liebe den: mächtig Zürnenden wieder, mit ganz milden Händen, zur Bruderschaft zurückführt, zurückzwingt und ihm zeigt, daß, er nicht schlechter ist als Jaakob selbst, nur anders und doch steine notwendige Ergänzung: „Gott braucht mich so — und "anders dich! Nur weil du Edom bist — darf ich Jaakob sein!" : Die Gestalt des Knaben Jaakob ist innigstes Naturverbundensein, Allumfassende Liebe und eine Bereitschaft iür das Größte, Höchste, um dessen Schwere sie weiß und dessen Last sie sich dennoch nicht entzieht. Er pflegt liebevoll ein kleines Lamm, dem das Mutterschaf gestorben war; zu ihm spricht das Leid der Knechtschaft des alten Sklaven, den er entläßt und dessen der Freude entwöhntem Herzen er den neuen Wegzum Leben der Freiheit zeigt; zu ihm sprechen, stumm am Tag und beredt im Traum, die Steine, Quellen und Winde — Brii^ der, die Schicksal tragen wie er. Er ist es, der aus der Kerfntnis eigenen Leides alles Leid der Welt versteht und es zu seiner eigensten Sache macht, machen muß: „Könnt, ich,, denn selig sein, wo alles leidet?" ruft er im Traum den Engeln zu. Der Traum Jaakobs, des Schläfers auf der Höhe, die'später Beth-El genannt wurde, des Schläfers auf dem Stein, -"unter dem weiten Wind: hier schuf der Dichter den „Kampf mit:dem Engel" als einen rein geistigen und seelischen Kampf, um die Berufung vor Gott. Schimmernd erheben sich vor dem- Träumenden die drei Erzengel, um ihm alles Glück der Welt zu Sonntag, den 24. Februar, nachmittags 6 Uhr spricht Rabbiner Dr. Eschelbacher-Düsseldörf im Rahmen einer Feiersfunde in der Hauptsynagoge