Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 3 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 55 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 55 Jiiil. Kulturbund in Bayern Vorfrag Dr. Joachim Prinz im Münchener Kulturbund Am Donnerstag, den 10. Januar, > sprach der Berliner Rabbiner Dr. Joachim.Prinz, der durch seine Bücher „Wir Juden", „Jüdische Geschichte", „Helden und Abenteuerer der Bibel" und „Die Geschichte der Bibel" , sowie durch seine zSonistischjournalistische Tätigkeit in den letzten Jahren größte Popularität im deutschen Judentum erlangte, im überfüllten, viel zu kleinen Museumssaal über „Begegnung als jüdisches Schicksal". „Sprach" — ist eigentlich nicht ganz der richtige Ausdruck, denn Joachim Prinz „spricht" nicht, er wird vielmehr selbst mitgerissen vom Sturm seiner Rede, die oft in ihrer leuchtenden Bildhaftigkeit an alttestamentale Mahnrufe der Propheten erinnert. Er, der ganze Mann, ist Rede, ist Aufruf, eine unwiderstehliche Dynamik erfüllt seine Worte, die getragen sind von einem echten, alle Schablonen des Herkömmmlichen verschmähenden Pathos. Bei Prinz muß zuerst nach dem „Wie", erst dann nach dem „Was" der Rede gefragt werden. Denn dieser Redner versteht es durch die Macht des Wortes zu wirken, mehr wohl als durch die rationale Tragkraft seiner Gedanken, die niedergeschrieben an Leuchtkraft und Macht verlören. Das. spricht nicht gegen Prinz: Denn die Rede ist eine -Kunstform mit eigenen Gesetzen — das vergessen nur allzuviele unserer Redner, die eine „Schreibe" verlesen, statt das einmalig improvisierte Wort auf dfie Hörer einwirken zu lassen. Am Anfang aller jüdischen Geschichten, führte Prinz aus, steht die „Bechirah", die Erwähltheit. Deshalb kann d'ie jüdische Geschichte nicht allein mit den Maßen der Ratio gemessen werden. Dieses unfaßbare Faktum ist das Stigma Israels, diese Erwähltheit gibt dem jüdischen Volk einen „anderen Atem", als den Völkern der Welt. Wo nun zwischen diesen und Israel Begegnungen stattfinden, können sie nur dann fruchtbar sein, wenn Israel sich der Eigengesetzlichkeit seines Lebens bewußt bleibt. Gibt Israel diese auf, so werden die Begegnungen nur „kolonisatorische", d. h. die fremde Macht bemächtigt sich der jüdischen Gemeinschaft und erstickt in ihnen das Jüdische. — Palästina, betonte Prinz, ist eine große Chance einer fruchtbaren „Begegnung" mit Europa, im Gegensatz zu der nur-kolonisatorischen „Begegnung" im 19. Jahrhundert. „Die Hand der. jüdischen Geschichte umfaßt uns immerdar; im Bewußtsein dieser metaphysischen Umarmung leben und von dieser Position aus Europa begegnen — das ist die Aufgabe unserer Generation und der der Kinder und Enkel." Stürmischer Beifall dankte dem begeisterten und begeisternden Redner. Ben-Chorin. Zum Konzerf Münchner Künstler am 7. Februar Das Konzert darf insofern großes Interesse in Anspruch nehmen, als unsere Münchner Künstler diesmal ein Programm bringen, das vorwiegend dem Schaffen neuerer und zeitgenössischer jüdischer Künstler gewidmet ist. Unter den Gesangswerken wird (nach Schubert) diesmal Mendelssohn, über dessen symphonisches Schaffen das letzte Orchesterkonzert einen Überblick gab, mit einigen seiner schönsten Lieder vertreten sein. Von Arnold Schönberg, unbestritten dem bedeutendsten Komponisten der Moderne, wird eine der schönsten Stellen der Tenorpartie aus den „Gurreliedern" gebracht werden, jenem gigantischen Chorwerk, dessen großartige Aufführung unter Bruno Walter heute noch im Münchner Konzertpublikum unvergessen ist. Aus der Oper „Violanta" des Wiener Komponisten Erich Wolf gang Korngold wird eine Szene zu hören sein; auch diesem dramatischen, eindrucksvollen Werke hat Bruno Walter vor Jahren in der Münchner Oper zum Siege verholfen. Aus dem Schaffen von Paul Fränkenburger, dem Münchner Tonsetzer, der seit kurzem in Palästina wirkt, gelangen Lieder zum Vortrag, ebenso Lieder von Leo Blech, dem kaiserlichen Generalmusikdirektor, der auch heute noch an der Berliner Staatsoper dirigiert. Aus dem Meisterwerke des Österreichers Carl Goldmark (1832 bis 1915), der aus den Wiener Glanzaufführungen berühm- IjtoMH Sie die aide Botk-HMduMi ^wWw^^^^WW -<^r W wWW^r ^JvWWwF wl^wfr Q WWW^WWWwWWW^J ffUUukiu iikdtikQiJt SUoß$