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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-02-01 · 3 (1.2.1935) · p. Seite 54

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
3 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 54 (sequence 10)
Language
German
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54, Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 Dem Andenken von Rabbiner Dr. Adolf Ecksfein, Bamberg Am 15. Januar haben wir. was sterblich , an Adolf Eckstein war, der Erde übergeben. 77 Jahre ist er." alt geworden. Das , ietzte Zehntel seiner Lebenszeit ist ihm unter Leid und Schmerzen'.vergangen. Von seinem Körper und seiner Daseinsdauer, soweit sie Beglückung bedeutet, hat er einen opfervollen Zehnt entrichtet. Sein Geist blieb frisch und tätig bis zuletzt Die Beisetzung gestaltete. sich zu einem Bekenntnis der Treue und Dankbarkeit für den heimgegangenen Lehrer und Führer. Nach Ansprachen des derzeitigen Rabbiners, des Gemeindevorsitzenden Dr. Martin Morgenroth, der den Dank der Gemeinde aussprach; des Herrn Dr. Masur aus Coburg für die Filialgemeinden folgten eindrucksvolle Worte von Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg). Er rief dem Freunde letzten Gruß und Dank nach und brachte im Namen der jüdischen Organisationen und gelehrten Vereine, denen der Verewigte angehörte, treues Gedenken und Anerkennung zum Ausdruck. Der Ausgang des darauffolgenden Sabbats fand die Gemeinde noch einmal zu einer Gedenksturide in der Synagoge versammelt. Weihevolle Klänge und ein zu Herzen gehender Gesang von Frau Bertha Simon leiteten die Feier ein, in der Dr. Morgenroth in beredten Worten zeigte, was Rabbiner Dr. Eckstein s. A, der Gemeinde war und ihr gab, und Rabbiner Dr. Katten ein ausführliches Bild seines Lebens und Wirkens entrollte. Mit einem innig gesungenen El Mole rachaminr des Herrn Lent und dem Kaddisoh des Rabbiners schloß die würdig verlaufene Trauerkündgebung. Rabbner Dr. Adolf Eckstein s. A. gehörte zu jenen Menschen, die sich mit der Ganzheit ihres Wesens zu ihrem Berufe bekennen und sich eben nur in diesem Beruf ganz erfüllen, ganz ihre Seelenruhe haben. Er war immer und überall der Rabbiner und es gelang ihm, für jede Situation und Gelegenheit das Eigentümliche aufzufinden, auf das sich ein Schriftwort oder ein theologischer Gesichtspunkt anwenden ließ. Sein Wesen verlangte danach,- überdie letzten Fragen des Seins und der Menschheitsentwicklung' nachzudenken und sich darüber mit anderen Menschen zu unterhalten, und es war sein Element, wie gewisse im Meere lebende feingliedrige Gebilde nur dort in ihrem Element ihre zarten und kunstvollen Rosetten entfalten, .außerhalb ihres Elementes aber zu einem trostlosen Klümpehen Schleim zusammensinken. In diesem Einen kannte er kein Genügen. Bei ihm hatte sich der Trieb der Ungenügsamkeit in eine höchst positive und anziehende Form gekleidet. So war es ihm auch unmöglich, den andern sich anders vorzustellen und gelten zu lassen als nach den eigenen Maßen. Alles, was nicht echt war und aus der Tiefe kam, hatte die Waffe seines geschliffenen Witzes zu fürchten. In weltanschaulicher und religionspolitischer Hinsicht verfolgte Adolf Eckstein eine entschlossen liberale Linie. Er setzte sich für ein Judentum ein, das von sich selber wußte, und bemühte sich, dem Gottesdienst eine klare und gehaltvolle Form zu geben. Er war gewiß kein Umstürzler und Neuerer, aber es galt ihm darum, das Wuchergerank zu beseitigen, das im Laufe vieler Jahrhunderte „emporgeschossen in der besonderen Abwandlung lokaler Mmhagim die strenge und eindringliche Gestalt des Gottesdienstes verwischte. Von seinen Predigten sind viele denen, die sie einst hörten, in Erinnerung wegen des kühnen Gedänkenflugs und der geistreich-positiven Fassung, die ihnen besondere Eindruckskraft sicherten. Unbestritten sind die Verdienste Dr: Ecksteins auf dem Gebiete jüdischer Geschichtsforschung. Seit seinem Amts- Herbst* und Winterneuheiten im Spezi a Ig eschäff für Damenbekleidung [^□■□□□[lEraDGEQ München, Dachauerstr. 9 (nebenKaffeellngerer) Rabbiner Dr. Adolf Eckstein in Bamberg s. A. (Zeichnung von Dr. A. Galliner, Frankfurt a. M., 1933) antritt in Bamberg -1888 war . er ,ein ständiger Gast der Archive, und Lesesäle. Allen seinen Schriftenund Veröffentlichungen liegt die ausgesprochene oder geheime Absicht zugrunde, die enge Verflochtenheit der detitschen Juden mit der Heimaterdeaufzuweisen. Bereits; 1898: war als die erste Frucht zehnjähriger Forschungsarbeit seine „Geschichte der Juden im. ehemaligen "Pürstbistum Bamberg" esehienen. 1902 bescherte liiis * seine unermüdliche Feder die beachtliche' Studie „Die bayerischen 'Parlamentarier jüdischen Glaubens". 1907 folgt „Die Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth". Sein Festgeschenk für die Einweihung der neuerbauten Synagoge besteht in einer gehaltvollen Abhandlung: v,Die 'israelitische Küliusgemeinde Bamberg'von 1803 bis 1853." Das-eindrucksvolle Rechtfertigungswerk „Haben die Juden-in Bayern ein Heimatrecht" (1928), das an geschichtlichen Beispielen.die Heimatliebe und den deutschen Kulturwillen der bayerischen Juden-feststellt, hat seinen Namen, insbesondere: "wegen der darin gegebenen Kriegsstatistik, der ersten dieser Art, in_w.eiten Kreisen bekannt gemacht. -Aufsätze ünd Abhandlungen äüs seiner Feder erschienen inüberaus großer Zahl; in der Heimatschrift „Alt-Franken", in den Lokalblättern, der Allgemeinen Zeitung des Judentums, der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums usw. Die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" veröffentlichte vört ihm einen kurzen Abriß jüdischer Geschichte in Bamberg als Willkommensgruß für die im Juni 1928 in Bamberg stattfindende Tagung des Verbandes. Heimatgeschichtliche Beiträge lieferte er für größere Sammelwerke, die Jewish Encyclopedia und die Encyclop. Judai'ca, in der sein Artikel. „Bayern" hervorzuheben ist. Zuletzt beschäftigten ihn familiengeschichtliche Forschungen! Seine letzte Sorge, die er mir gegenüber als Wunsch äußerte, wär, es möchten die in den Bezirks- und Gemeindeämtern noch lagernden: Kataster, Namenslisten. Könskriptionsverzeichnisse und dgl. aus der Zeit der Namensgebung der bayerischen Juden und.später systematisch erfaßt, kopiert und die Abschriften von einer zentralen (Schluß ,auf Seite 59)

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