Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 3 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kulturbund in Bayern — Aus der Gemeinde Bamberg — Aus bayer ischen Gemeinden — Aus dem Reiche —• Bücherschau — Jüdischer Turn- und Sportverein — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachung der Israelitischen Kultusgemeinde München über Erhebung eines Kirchgeldes für das Rechnungsjahr 1934/35 — Kalendarium und Gebetszeiten. Bemerkungen zur neuen deutschen Bibelübersetzung Seit kurzem haben wir neben der Buber-Rosenzweig'schen deutschen Bibel, von der nur mehr das letzte Drittel aussteht und die sich Eingang in unsere Häuser verschafft hat, eine neue moderne Übersetzung, zunächst der Fünf-Bücher-Moses, der Thora. Der handliche Band ist irri Verlag Kauffmann (Frankfurt a. M.) erschienen, der Preis gestattet jedem die Anschaffung; die „Jüdische Buchvereinigung" (Berlin W 15, Pariserstraße 7) hat eine Sonderausgabe für ihre Mitglieder veranstaltet. Nach der langen Vorbereitung des neuen Übersetzungswerkes, nach dem so oft laut gewordenen Wunsch einer „volkstümlichen", „einfachen" deutschen Bibel und der großen Zahl berufener Mitarbeiter unter der Führung eines gelehrten Sprach- und Bibelkenners, wie es Professor Torczyner ist, dürfen wir unsere Erwartungen hoch spannen. Die B u b e r - B i b e 1 ist für jeden, dem eine deutsche Thora neben dem hebräischen Text ein wirkliches Gebrauchsbuch ist, nur ein Ansporn mehr auch zur neuen Übersetzung zu greifen, die eine erlesene Arbeit von hohem Rang, ein Kunstwerk und eine wissenschaftliche Leistung gleichzeitig ist. „Kinath sophrim tharbe hochmah" — „Die Eifersucht, die Rivalität der Schulen vermehrt die Weisheit", lautet ein berühmter, viel zitierter Talmudausspruch. Dieser edle Wettstreit um die beste deutsche 'Bibelübersetzung kommt jedem deutschen luden, jeder deutschen Jüdin zugute. Das schwer zu lösende Problem einer guten Bibelübersetzung, namentlich bei den vielgestaltigen Büchern des sog. „Alten Testaments", das eine sich über mehr als 1000 Jahre erstreckende Urkundensammlung aus verschiedensten Literaturgattungen und Stilarten, aus Stücken buntester Herkunft darstellt, besteht im Folgenden: Die Aufgabe ist, das Dunkle und Fremde zeitlich und räumlich weit entfernter Bewußtseinslagen, notwendig also auch die damit •gegebene und damit verwachsene Sprache zu durchdringen, der Gefahr zu entgehen, unterzulegen statt auszulegen, zu verstehen, was das Fremde, uns nicht mehr Verständliche, sagen will, die andere Stimme zu hören, nicht unsere eigne! Bei der Bibel doppelt schwer! Denn nirgends ist es mit so viel Selbstüberwindung möglich, die Eigentümlichkeiten des Einmal und Damals, des ein für allemal Vergangenen, wirklich zu erfassen wie bei diesen hebräischen Texten. Daran ist gerade die scheinbare Geläufigkeit und Selbstverständlichkeit, die das Seltsame, Einmalige des Ausdruckes und Zusammennanges immer wieder übertönt, schuld. Wir sind an den Gang der Handlung, an die Sprechweise, den Ton der Bibel gewöhnt; in Wahrheit hören wir auf diesen „immer gleichen", „gehobenen" Tonfall nicht mehr hin wie wenn ein ganz seltsames, klirrendes, surrendes, hämmerndes Geräusch, das einmal zu Beginn unsere gespannteste Aufmerksamkeit erregt hat, nun täglich, ununterbrochen ertönt. Das gehört zur Psychologie der ..Aufmerksamkeit"; auch das tägliche Gebet kann dieser Gefahr erliegen und zum „Lippendienst" werden. Die schwere Aufgabe ist also die, den Leser und Hörer den fremden Ton wieder vernehmen zu lassen, das Fremde vor dem alltäglich Gewordenen von neuem hörbar zu machen, es zu übertönen, das Seltsame seltsam zu erhalten, das Ungewöhnliche, Ganzandere nicht zu trivalisieren. Der Ubersetzer darf, gemäß dieser Aufgabe die fremde, entfernte, hebräisch spechende Stimme nicht als vertraute Sätze zu dem Leser hinbewegen und sie leicht verständlich machen oder eigentlich nur wieder in Erinnerung bringen, sondern er muß, wie Luther sich ausgedrückt hat, „das Wort steif halten", das heißt selbst auf die Gefahr der Schwerverständlichkeit dem ureigentlichen Wortsinn so nah wie möglich zu kommen versuchen. Aber er muß gleichzeitig eine andere Gefahr meiden: Wenn er der Skylla der Verfehlung des „Eigen-Sinnes" durch größtmögliche Wörtlichkeit entgangen ist, kann er in die Charybdis der Gespreiztheit und Unverständlichkeit verfallen. Sonntag, 3. Februar nachmittag V26 Uhr Religiöse Feierstunde in der Hauptsynagoge