Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 22 (15.11.1934)
- Date
- 1934-11-15
- Page
- Seite 473 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 22 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 473 in denen er der Gefährtin seines Lebens den Sinn seines Todes klar zu machen strebt: „Und siehst Du, Marie, genau genommen ist der Tod nichts andres als die Angst vor der Wahrheit. An sich selbst hat er keine Wahrheit. Ich meine, vor Gott hat er keine. Und wir müssen doch zur Wahrheit im Sinne Gottes durchdringen. Versenkst Du Dich mit aller Deiner Kraft in Dich selbst, so weißt Du auf einmal: es gibt keinen To d." „Es gibt keinen Tod" — das ist das letzte Wort, das uns die Stimme des toten Jakob Wassermann aus dem Jenseits zuruft. Seine Zeit ist gestorben; aber der unermüdliche Kampf dieses Mannes um Wahrheit und Gerechtigkeit lebt und wird leben. Während das Buch Wassermanns in d e r Zeit spielt, deren letzte Zuckungen wir eben noch durchleben, führt uns das Buch Hermann Sinsheimers um Jahrhunderte zurück. „Maria Nunnez" spielt in jenem Portugal des 16. Jahrhunderts, das Marrannen und Inquisition kannte; in jenem Kreise sefardischer Juden, in den uns eben erst das aufwühlende, wenn auch dem großen Thema nicht ganz gerecht werdende Buch Valeriu Marcus „Die Vertreibung der Juden aus Spanien" führte. Sinsheimer wählte sich eine friedlichere und doch sehr bezeichnende Episode aus jener Zeit: die Flucht der tapferen Maria Nunnez aus Lissabon, um ihr Judentum zu bewahren; ihre Reiseabenteuer unterwegs, als Seeräuber Schiff und Reisende an den Hof der Königin Elisabeth nach England brachten; endlich die Fortführung ihrer Reise trotz allen Widerständen der Welt und ihres widerspenstigen eigenen Herzens, das in Gefahr ist, der Liebe eines englischen Herzogs zu unterliegen. Mit der ersehnten Landung in Amsterdam schließt das Buch, das uns noch eine gesegnete Zukunft der Heldin und ihrer ganzen Sippe in der niederländischen Freiheit für die entronnenen portugiesischen Juden ahnen läßt. — Das ist ein außerordentlich gewandt geschriebenes Buch, in den Episodenhelden wie etwa dem unverzagt und trinkfrohen jüdischen Schitfskapitän Jakob Tirado vielleicht noch lebendiger als in den mit äußerstem Pathos aber doch mit einer gewissen errechneten Gewandtheit geformten Hauptgestalten. Immerhin: hier öffnet sich ein neuer Weg zur Gestaltung jüdischen Schicksals der Vergangenheit für den, der nicht reif oder nicht willens ist, sich der historischen Stoffsammlung oder der historischen Darstellung selbst anzuvertrauen. Ich könnte mir denken, daß Bücher wie diese „Maria Nunnez", wenn sie es lernten, die unklar im Herzen ihrer Helden wogenden Gefühle mehr durch Handlungen als durch Worte ans Licht zu bringen — also etwa eine neue „Laokoon-Forderung" verwirklichen! —, für die schlecht ausgerüsteten Schüler - Bibliotheken unserer jetzt überall mit neuer Dringlichkeit ins Leben gerufenen jüdischen Schulen. Bertha Badt-Strauss. Die „AHiah", die neue Oktober-Ausgabe der Informationsbroschüre iür Palästina-Auswanderer (herausg. vom Palästina- Amt der Jewish Agency for Palestine, Berlin), ist im wesentlich vergrößerten Umfang erschienen. Die 100 Seiten starke 6. Auflage hält mehr als sie versprach. Eigentlich ist das Werkchen nicht nur eine Sammlung und Sichtung aller für Palästina-Auswanderer in Frage kommenden gesetzlichen und behördlichen Vorschriften und Bestimmungen irgendwelcher Art, sondern ein Extrakt alles Wissenswerten, soweit es auf Palästina Bezug hat, ein Merkbuch für Touristen, eine klare Auslese von Tatsachenmaterial in gedrängter Kürze. Einige einleitende Aufsätze (Deutsche Juden und Palästina, Palästina und hebräische Kultur) bereiten die Atmosphäre für den Leser. Gegenständlich werden « zunächst behandelt die Vorbereitungen für Auswanderer. In allen Einzelheiten werden die komplizierten Fragen der Kapitalausfuhr erläutert, die devisenrechtlichen und Überweisungsvorgänge (auch die für Touristen in Betracht kommenden Einreisebestimmungen), die Reiserouten, Fahrpreise, Zoll- und Postverhältnisse usw. Eine Fülle von landeskundlichen Fragen werden in gesonderten Kapiteln behandelt (Staatsangehörigkeit, Steuern, Verkehrswesen. Rechtsverhältnisse). Auch das Wirtschafts- und kulturelle Leben, die soziale Gliederung, der organisatorische Aufbau der nationalen Mode-Korsettenhaus empfiehlt seine Spezialabteilung vorm. Max Löwenthal Gegr. 1885 für individuelle München, Kaufingersir. 31 Telefon 13217 Massanfertigung 3Roi>tf$e Öametiffeibuna tauft man immer gut ttn& pret$tt>erf bei J. SINGER & Co. baä 3?ad)gefd)ä'ff für fd)öne £)ament>efleiburig £ani>tt>ef?rff ra&e 1 Qualitäts-Zigarren I Alfred Klopfer Maximlllaii- Fernruf 27 0 39 8tra888 10 IIA _ befinden sich die Synagogenbücher (Sterberegister etc.) VW ^0 von Diespeck (Hiscn)? Auskunft erb. a.Fr.Mailaender,Fürthi.B.,Wilhelmstr.4 Für Strumpfwaren ™* Wäsche empfiehlt sich die STRUMPF-TANTE HANS REINEMÄNNj Färbergraben }l\ gegenüber Knagge & Peitz j Herbst* und Winferneuheiten im Spezialgeschäft für Damenbekleidung HBHIHQQBECIBDCIBC München, Dachauersfr.9 (neben Kaffee Ungerer)