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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-11-15 · 22 (15.11.1934) · p. Seite 472

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
22 (15.11.1934)
Date
1934-11-15
Page
Seite 472 (sequence 12)
Language
German
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472 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 22 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Mfotfetdet* Cm&A ülüntfym. haXonakd Ausschneiden! Ausschneiden! Deckblatt für den Stundenplan. Turnen der Knaben: Montag von 17—1S^ Uhr (statt Dienstag), Mittwoch 15—16% Uhr für Knaben bis zu 12 Jahren, 17^—19 Uhr für Knaben über 12 Jahren. Turnen der Mädchen: Mittwoch 16—17% Uhr für Mädchen bis zu 12 Jahren, 16%—18 Uhr für Mädchen über 12 Jahren. (Dienstag für Mädchen und Samstag für Mädchen und Knaben wie bisher.) Unfallhilfsdienst: Mittwoch abend in dem Tischtennisraum. Schwimmen der Knaben: Dienstag 15—15% Uhr, Nichtschwimmer. 15%—16% Uhr, Schwimmer, Freitag, 15—15% Uhr Schwimmer, 15%—16% Uhr Nichtschwimmer, im Müller-Volksbad. Jiu-Jitsu- und Boxkampfabend Am Samstag, 2 4. November 193 4, um20Uhr, veranstaltet in der Turnhalle die Jiu-Jitsu- und Boxabteilung einen Kampfabend. Zu dieser interessanten Veranstaltung, welche die Kunst der Selbstverteidigung und des Angriffs zeigt, werden alle Vereinemitglieder. aber auch alle Gemeindeangehörigen herzlichst eingeladen. Fußballwettspiel Sonntag, 25. November 1934, großes Fußballwettspiel zwischen Sportgruppe des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten Stuttgart gegen Jüdischer Turn- und Sportverein München. Es spielen die Alten-Herren-Mannschaften um 12.30 Uhr, die 1. Mannschaften um 2.15 Uhr am Sportplatz an der Marbachstraße. Eintritt: Erwachsene 50 Pig.. Jugendliche 25 Pfg. Bücherschau Jakob Wassermann, Joseph Kerkhovens dritte Existenz. (Querido Verlag Amsterdam u. Jüd. Buch-Vereinigung, Berlin.) Hermann Sinsheimer, Maria Nunnez. (Philo-Verlag. Berlin.) Noch ist kaum ein Jahr verstrichen, da nahmen wir Abschied von Jakob Wassermann, dem Dichter, dem Kämpfer, dem Menschenbildner. Er starb, wie es schien, vor seiner Zeit — ein Herzschlag lähmte dies unermüdlich kämpfende Herz. Und doch war uns schon damals klar: daß er, wie auch seine Todesursache von den Ärzten genannt werden mochte, in Wahrheit starb, weil seine Zeit gestorben war. „Eine Zeit stirbt" hat seitdem Wassermanns Altersgenosse Georg Hermann ein schönes und melancholisches Buch genannt. In unsichtbaren Buchstaben steht dieser Titel auch über dem letzten Buche, das nun aus Wassermanns Nachlaß uns noch geschenkt wird. Und doch ist ein grundlegender Unterschied zwischen diesen beiden Büchern. Während Georg Hermann mit jener Kunst und Einfühlung, die wir an ihm kennen, seine Zeit wiedergibt, weil er in diese sterbende Zeit verliebt ist, so kämpft Wassermann gegen alle Auswüchse seiner Zeit — ja: gegen diese Zeitenwelt selbst. Das bezeichnet seine eigene Rolle in diesem Trauerspiel, das wir alle miterleben. Das neue Buch „Joseph Kerkhovens dritte Existenz" ist die Weiterführung und Vollendung der beiden früheren Bücher „Der Fall Maurizius" und „Etzel Andergast". Aber zu unserem anfänglichen Befremden fehlt hier das Lieblingskind Wassermanns, der junge Etzel, völlig. In diesem Buche fällt alles Licht auf Joseph Kerkhoven, den wir in der dunkelsten Stunde seines Lebens verließen und der aus eigenen Dunkelheiten andern und endlich sich selbst Licht zu bringen erlernt. Menschen umgeben den Seelenarzt wie Wogen, die einen Leuchtturm umbranden. Als das Buch beginnt, da sind sowohl der Mann Kerkhoven wie Frau Marie, die wir aus den früheren Romanen schon kennen, trüb und verfinstert: der Mann kann den scheinbaren Verrat der zwei geliebtesten Menschen, Maries und Etzels, die sich in Liebe zu einander neigten, nicht verwinden — die Frau aber, die Heilige und Sünderin zugleich, kann nicht ohne schwerste seelische Erschütterung die Trübung des eigenen Bildnisses in der Seele ertragen. Wie einer den andern und wie jeder sich selbst aus der Verdüsterung befreit, das ist der Inhalt des Buches. Beide überwinden die seelische Gefahr durch die Hinwendung zum Leid der andern. Marie versucht, armen Kindern zu helfen, immer wieder verkannt und immer wieder beginnend. Ein Erlebnis mit einem kleinen Judenkinde, dessen Mutter es durch übergroße Zärtlichkeit nicht von sich lassen will und gerade dadurch ins Elend treibt, kommt uns besonders nahe. Kerkhoven aber wird zu dem großen Seelenarzt, der immer mehr die Züge eines bekannten Forschers anzunehmen scheint. Unter den Hilfesuchenden an seiner Tür befindet sich der Schriftsteller und Menschenführer Alexander Herzog mit seiner Frau Bettina, fast ein jüngerer und schwächerer Bruder Kerkhovens. Alexander muß nun alle die Kämpfe bestehen, die für Kerkhoven aufbewahrt wurden — vor allem den Kampf mit der Welt des Wahns, die in der dämonischen Gestalt der Ganna, seiner ersten Frau, einen erbitterten Kampf um den fliehenden Mann führt: Welt des Besitzes, Welt des Gelten-Wollens, Welt der Maske. Aus allem versucht ihn Bettina zu retten in ihrer Einfachheit und Anmut. Ein entsetzlich klarsichtiges, in seiner Wucht fast an Strindberg erinnerndes Tagebuch Herzogs verzeichnet alle Stadien des Kampfes mit Ganna; hier hätte die sichere Hand des unermüdlich bessernden Künstlers Wassermann vielleicht noch manches gemildert, wenn ihm das volle Ausreifen dieses Buches vergönnt worden wäre. Aber unvergeßlich bleibt die letzte Steigerung des Buches und seines Helden: Kerkhovens Erkenntnis des Todes. Der Arzt weiß seit langem, daß seine Tage gezählt sind; nun hat sein Freund und Widerspiel Alexander durch einen unglückseligen Zwischenfall ihm auch noch den höchsten Besitz seiner Tage, um das Manuskript seines Lebenswerkes, gebracht. Ganz arm steht er da: und nun erkennt er das letzte Geheimnis. Tief aus der totgeweihten Seele Wassermanns hervor tönen die Worte, Seit 1845 SAMT, SEIDE UND WOLLE geschmäckvoll, haltbar und preiswert bei H A I M A N N am Schillerdenkmal

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