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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-11-15 · 22 (15.11.1934) · p. Seite 461

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
22 (15.11.1934)
Date
1934-11-15
Page
Seite 461 (sequence 1)
Language
German
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#üpö)i$e Jfcodihjrfjc «BcmcmÖcscitung llatfjnrf)tcn6latt flet Jfraelüifrfjen ßuttuägemrinöen in Jllüncfjcn/ ^ugöfeutg/^ombetg unö ÖC6 Öctfcanöcs ^ayctifcfjtt Jftötlitjfcfjct (ßcmcmöen Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Plinganserstr. 64, Tel. 73 6 64 u. 73 6 65. Postscheck München 39 87, Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. X. Jahrgang München, 15. November 1934 Nummer 22 Inhalt: Weg und Aufgabe der jüdischen Jugendbewegung — Probleme der Berufsumschichtung — Schulungskurs für Jugendführer — 850 Jahre jüdische Gemeinde zu Speyer — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Bamberg — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüdischer Turn- und Sportverein—Jüdischer Kulturbund in Bayern—Zu Chanukkah — Bücherschau — Geschäftliches — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayer. Isr. Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bekanntmachung betr. Aufnahme in das Altersheim des Verbandes Bayer. Isr. Gemeinden in München. Klenzestraße 4 — Personalia. Weg und Aufgabe der jüdischen Jugendbewegung Von Dr. Kurt Freudenthal-Würzburg. Von zwei sich anscheinend widersprechenden Tatsachen muß bei der Beurteilung der Situation der jüdischen Jugendbewegung ausgegangen werden: Einmal die staatsrechtliche und gesellschaftliche Ausschaltung des jüdischen Bevölkerungsteils aus der deutschen Volksgemeinschaft und andererseits die vollzogene und nicht wieder rückgängig zu machende Emanzipation in geistig-kultureller Hinsicht. Was zunächst die staatsrechtliche Stellung der Juden in der deutschen Umwelt anlangt, so läßt sich die Linie ihrer künftigen Entwicklung heute gewiß noch nicht mit Sicherheit absehen. Die Auffassung maßgebender Kreise scheint eine Äußerung des Verfassungsreferenten, Regierungspräsident Dr. Nikolai, zu enthalten, der in seiner Abhandlung über „Die Grundlagen der Verfassung" davon spricht, daß auch für die Juden ein besonderes Gesetz ihre Pflichten und Rechte regeln werde, wobei hinzugefügt wird, daß zu diesen Rechten insbesondere auch die Feststellung einer Autonomie auf kulturellem Gebiet gehören werde. Auf diesem kulturellen Gebiet aber läßt sich das Rad der Entwicklung nicht mehr zurückdrehen. Seitdem mit der Sprengung des Ghettos die deutschen Juden aus der hermetischen Abschließung in tausendfältige Beziehung und Verknüpfung zur Umwelt traten, haben sie nun einmal sämtliche Bereiche abendländischer Wissenschaft und Kultur nicht nur kennen gelernt, sondern sie sich zum geistigen Eigengut gemacht, so gut wie irgend sonst ein Abendländer. „Kulturelle Autonomie" kann sonach nicht etwa nur bedeuten: Autonomie auf dem Gebiet des spezifisch jüdische n Gedankenguts, denn das ist selbsti) Dazu Bayu verständlich. Sie kann nur bedeuten: Absolute Freiheit des Schafrens und Wirkens auf jeglichem geistig kulturellen Gebiet, wenn auch nur für und mit jüdischen Menschen. Diese Freiheit aber, sie stellt uns — und ich darf hier zum erstenmal das Wort fallen lassen: uns, die Jugend — nicht vor feste Richtlinien, sie zwingt uns verantwortungsbewußte Entscheidungen zu treffen, wie wir in dieser jüdischen Notzeit unserer Aufgabe, unserer Sendung gerecht werden können. Wenn in diesem Zusammenhang eben von der jüdischen Jugend allgemein gesprochen wird, so in dem Bewußtsein, daß an' die hier gestellten Fragen von einem Teil der jüdischen Jugend vielleicht nur mit minderem Interesse herangegangen werden möchte: es ist der Teil unserer Jugend, der im Begriff steht, sich eine neue, oder besser die eigentliche Heimat zu suchen und für den der Aufenthalt auf deutschem Boden nur im Rahmen einer Vorbereitung für eine an anderen Raum gebundene Zukunft erlebt wird. Es ist verständlich, daß für diese Jugend, für die die gegenwärtige Umwelt nur ein Durchgangsstadium bedeutet, deren Mission erst im neuen Land beginnt die angedeutete Problemstellung nicht vordringlich ist. Es ist auch von gegnerischer Seite teilweise mit Eifer hervorgehoben worden, daß konsequenterweise nur ganz peripher diese Jugend Fragen beschäftigen könnten, die nur in Verbindung mit dem Leben in der deutschen Umwelt überhaupt auftauchen. Demgegenüber kann jedoch festgestellt werden, daß auch von seiten der Palästina-orientierten Jugend in zunehmendem Maß die Frage der Doppelexistenz in der Diaspora nicht nur nicht negiert, sondern in der Erkenntnis, daß ja nun einmal die Existenz der Gallith nicht aus der Welt geschafft werden kann, ernst zur Diskussion gestellt wird. Jüdischer Tum- und Sportverein München e. V. Nächste Veranstaltungen Voranzeige: Sonntag, 2. XII. 34, 15 Uhr im Museum: Große Clianukkahfeier ferner: Sonntag, 18. XI. 34, 17 Uhr in der Turnhalle: Schiassfeier der Tennisabteilnng Samstag, 24. XI. 34, 20 Uhr in der Turnhalle: Jiu-Jitsunnd Boxkämpfe Sonntag, 25. XI. 34, 12M Uhr Fassballwettspiel an der Marbachstraße RJF Sportgruppe Stuttgart : JTSY München

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