Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 21 (1.11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 443 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 443 2019 Buck, Bearl S.. Ostwind — Westwind. 2020 Buck, Bearl S., Die Mutter. 2012 Cohen, Lester, Die Pardways. 2010 Döblin, Alfred, Wallenstein. 3002 Elbogen, Paul. Kometen des Geldes. 2016 Hermann, Georg, Eine Zeit stirbt. 2018 Hesse, Rene, Morath verwirklicht einen Traum. 2017 Kafka, Franz, Beim Bau der Chinesischen Mauer. 3003 Levin, Shmarya, Jugend in Aufruhr. 2013 Lichnowsky, Mechtilde, Kindheit. 1216 Mann, Thomas, Der junge Joseph. 2021 Morgan, Charles, Der Quell. 2014 Robakidse, Grigol, Die gemordete Seele. 3001 Rolland-Meysenburg, Ein Briefwechsel 1890—91. 2015 Wassermann, Jakob. Kerkhovens dritte Existenz. 2023 Abeles, Siegfried, Das lustige Buch fürs jüdische Kind (Jugendbuch). 2024 Abeles, Siegfried, Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt (Jugendbuch). 2022 Cohn, Emil Bernhard, Jüdischer Jugendkalender. 2028 Einstädter-Ochsenmann, Bilder und Klänge aus jüdischer Welt. 2025 Herlinger, Ilse, Die Geschichten um Mendel Rosenbusch. 2026 Herlinger, Ilse, Märchen. 2027 Jüdisches Liederbuch. Aus bayerischen Gemeinden Nürnberger Nachrichten. Die Kultusgemeinde Nürnberg errichtet ein Umschichtungsheim, in dem auswärtige junge Leute Aufnahme finden, die, in beruflicher Umstellung begriffen, ihre Ausbildung in Nürnberg vornehmen. Zwei Mädchen, die aus der Hauswirtschaftsschule Wolfratshausen kommen, werden den Haushalt versehen. — Für alle diejenigen jüdischen Kinder, die Samstags keine Schule haben, werden Sabbathweihestunden abgehalten. Diese sollen die Jugend in tiefere innere Beziehung zum angestammten Glauben bringen und sie mit dem Judentum enger verbinden. Sie werden außerdem frohen Gemeinschaftsgeist pflegen. — Weiterhin ist die Errichtung einer Schulküche im Untergeschoß des neuen jüdischen Schulhauses geplant; die Küche wird von der hauswirtschaftlichen Abteilung der weiblichen Berufsschule betreut; auch soll durch sie Milch und Kakao für Frühstück bereitet werden. Für das Frühstück minderbemittelter schwächlicher Kinder sind bereits Mittel gespendet worden. H. H. Erlangen. Vor kurzem schloß der 2. Vorstand und Kassier der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde Leopold David im 83. Lebensjahre seine Augen für immer. Der Verlust dieses Mannes ist für unsere auf die Hälfte ihrer einstigen Seelenzahl zusammengeschmolzene Gemeinde ein schwerer Schlag. Denn was der Verstorbene in den verflossenen drei Jahrzehnten auf allen Gebieten der Verwaltung geleistet hat, wird für immer mit goldenen Lettern in der Geschichte unserer Kultusgemeinde verzeichnet sein. Anläßlich seines 80. Geburtstages wurde er deshalb zum Ehrenmitglied der Gemeindeverwaltung ernannt. Mit regem Interesse widmete er sich noch bis in seine letzten Tage den Obliegenheiten des Kassiers. Eine im Jahre 1930 erschienene Brochüre „Geschichte der israelitischen Kultusgemeinde Erlangen" entstammt seiner Feder. Mit Rücksicht auf die Festtage konnte der Klage um den Heimgang des Verblichenen nur ungenügend Ausdruck gegeben werden und nur kurz konnten Rabbiner Dr. Behrens, Fürth und Lehrer Frankel, Erlangen, seine Verdienste hervorheben. Bei der später in der Synagoge abgehaltenen Trauerfeier würdigten Lehrer Fankel und der I. Vorstand Max Hopfenmaier ausführlich das segensreiche Wirken ihres treuen Ekkehards der Gemeinde. Sein Andenken werde zum Segen! Aus dem Reiche Tagung des Beirates der Reichsvertretung Der Beirat der Reichsvertretung trat am Sonntag, den 14. Oktober, zu einer Tagung zusammen, um ein Jahr nach Bestehen der Reichsvertietung die Berichte über die bisherige Entwicklung entgegenzunehmen. Die Reichsvertretung, so führte Präsident Dr. Baeck einleitend aus, kann nur gemeinsam mit allen organisatorischen Gesamtheiten des deutschen Judentums Arbeiten leisten. Organisationen und Gemeinden sind unentbehrliche Werkzeuge unserer Arbeit. Hier in den Gemeinden sind die großen Kraftzentren. Die Reichsvertretung kann nicht über den Organisationen und Gemeinden stehen; aber auch nicht zwischen ihnen. Vor uns steht ein Winter mit allen seinen Schwierigkeiten und Sorgen. Wenn wir uns fragen, ob wir diesen Winter moralisch und wirtschaftlich bestehen werden, so können wir eine Antwort nur finden, aus dem, was sich in den vergangenen anderthalb Jahren bewährt hat. Wir haben eine entscheidende Probe in dieser Vergangenheit bestanden. Wir sind loyale Bürger des Staates gewesen und geblieben. Es ist uns nicht leicht gewesen, die harten Sorgen um die Existenz, die an jede und alle herantraten, zu meistern. Wenn die Sorge kommt, kann der Geist leicht schwinden. Zu allem Geiste gehört Bescheidenheit, die Bescheidenheit der Zurückhaltung. Um des Geistes willen üben wir sie und wollen wir sie üben. Judentum war oft Objekt in der Geschichte. Auch uns bestand die Gefahr, daß wir bloßes Objekt in dieser Zeit seien. Wir haben auch diese Probe bestanden. Durch alles, was wir im Werke des Aufbaus und der Hilfe, der Berufsausbildung und Umschichtung usw. zu leisten vermochten, haben wir bewiesen, daß wir Persönlichkeit, Subjekt bleiben wollen, Subjekt im Denken, Schaffen und Aufbauen. Damit ist die eigentiche Aufgabe der Reichsvertretung gekennzeichnet. Mit ihr steht und fällt sie. Uns ist nur moralische Kraft gegeben: Kraft der Persönlichkeit, Respekt vor der Persönlichkeit und Ringen um die Persönlichkeit. Es ist ein Kampf zwischen Ideen und Interessen in der Welt. Würde die Reichsvertretung Interessen dienen, dann würde sie nicht arbeiten können. Ihr Fundament hat sie in der Idee der Loyalität, des Geistes, der Persönlichkeit, die nie Objekt des Geschehens werden will. In der Treue zur Idee ist ihr das Lebensrecht gegeben. Und aus dieser Idee ergeben sich die Aufgaben. Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, der Vorsitzende des Präsidialausschusses der Reichsvertretung, gab in seinem Referat über die „Innere Lage im deutschen Judentum und seine Organisation" einen Überblick über den Stand der Grundfragen, die für den Ausbau des deutschen Judentums entscheidend sind. Heute gibt es nur noch wenige, die ausschließlich an sich selbst denken und den Ruf der Gemeinschaft nicht hören. Für die Erhaltung des Judentums haben sich alle Organisationen eingesetzt, die das deutsche Judentum aufzuweisen hat. Und nicht zuletzt haben die Gemeinden Hervorragendes zur Milderung all der Probleme getan, die unsere Zeit uns in bezug auf Hilfe und Aufbau gestellt hat. So verschieden die Gemeinden in ihrer lokalen Färbung und Größe sind, so verschieden war auch die Einstellung, die sie zu den neuen Aufgaben hatten. Kaum kleiner waren die Unterschiede unter den Landesverbänden der Gemeinden. Für die Erfüllung ihrer Aufgaben war es entscheidend, ob sie, wie die süddeutschen Landesverbände, ein eigenes unmittelbares Besteuerungsrecht oder nur ein mittelbares besitzen; ob sie im Schulwesen eine Tätigkeit aus eigenem Recht ausüben oder nicht. Die Gemeinden haben einen konservativen Grundzug und tragen örtlichen Charakter. Die großen Organisationen, die Jugend- und Sportbünde, wirken im weiten Räume des Reiches. Sofern der Kampf dieser Organisationen miteinander ein geistiger ist, soll das unser Stolz sein, wenn er nur in vornehmer Weise geführt wird und die Einheit des deutschen Judentums nicht vergißt. Dr. Hirsch erinnerte in diesem Zusammenhang an die jüdische Presse und ihre Hingabe an das gemeinschaftliche Ziel. Dieses gemeinschaftliche Ziel fordert bei allem Nebeneinander der Gemeinden und Organisationen eine Zusammenfassung. Früher war die Reichsvertretung, wie sie vor dem 17. September 1933 bestand, eine Verwaltungsgemeinschaft. Sie hat auf die Aufgabe der inneren Formung verzichtet. An jenem denkwürdigen 17. September 1933 sei aber, so fuhr Dr. Hirsch fort, eine Zusammenfassung der örtlichen und privaten Organisationen des deutschen Judentums zur Repräsentation aller Richtungen und geographischen Teile Deutschlands erfolgt. Heute, nach einem Jahr, dürften wir fesstelten, daß dieser Versuch gelungen sei. Die Reichsvertretung hat als Gesamtvertretung eine totale Zuständigkeit. Mit den Gemeinden habe sie das