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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-10-15 · 20 (15.10.1934) · p. Seite 413

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
20 (15.10.1934)
Date
1934-10-15
Page
Seite 413 (sequence 1)
Language
German
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Oktober 1934 — Aus dem Reiche — Aus der Ge- München: Bekanntmachung über Ersatzwahl — Personalia. Entwicklung und Eigenart der hebräischen Sprache Von Gotthold Weil, ord. Professor der semitischen Philologie an der Universität Frankfurt a. M. I. So wie man aus dem Stil des einzelnen Menschen, aus der Art, wie er 'die Worte wählt und zu Sätzen fügt, auf sein Wesen schließen zu können glaubt, ebenso hat man versucht, aus den Sprachen den Charakter der Völker zu erkennen. Lassen wir dahingestellt, ob so weltgehende Folgerungen gezogen werden können; das aber steht fest, daß in der Sprache die Geschichte der Völker sich wiederspiegelt, daß aus der Art, wie in den einzelnen Sprachen Eigenes und Fremdes, Stammäßig-Ursprüngliches mit dem von außen Herangekommenen sich zu einer Einheit gemischt hat und immer von neuem mischt, das Werden und Wachsen und alle Veränderungen im geistigen Habitus der Völker von dem Kundigen abgelesen werden können. Das gilt auch für das Hebräiscfie als der Sprache des jüdischen Volkes und der Ausdrucksform des Judentums; denn auch das Schicksal des jüdischen Volkes, die Eigenart und Einmaligkeit des Judentums als geschichtliches und geistiges Phänomen haben sich in die hebräische Sprache im Laufe der Jahrtausende tief eingeprägt. Eben deshalb aber, weil sich die Geschichte des Volkes und der von ihm getragenen Idee zu jeder Zeit in das Hebräische eingegraben hat. hat auch das Hebräische im Gegensatz zu allen anderen Sprachen eine einmalige, nicht nach den üblichen Analogien sprachlichen Werdens zu erklärende Entwicklung genommen. Gegen solche Behauptung wird von manchen, vielleicht von vielen deutschen Juden der Einwand erhoben werden, daß sie sich ihrer Zugehörigkeit zum Judentum wohl bewußt seien und sie freudig bekennen, daß sie aber von dem Hebräischen gar nichts oder so gut wie gar "nichts verständen und daher auch nicht anerkennen könnten, daß eine tief innerliche Wechselwirkung zwischen dem Judentum und dem Hebräischen auch noch heute vorhanden sei. Dieser scheinbar richtige Einwand bringt schon in einer das Resultat der Betrachtung in mancher Hinsicht vorwegnehmenden Weise die ganz besondere Eigenart und Anomalie des Hebräischen zum Ausdruck. Während jedes Glied eines Volkes sonst, ohne zu wählen, zwangsläufig mit der Sprache seines Volkes verbunden ist, ist der Jude mit dem Hebräischen nur soweit verknüpft, wie er mit dem Judentum und dessen geistigen Gütern verknüpft ist oder sich verknüpft fühlt. Der Jude wird in das Hebräische nicht von Natur aus hineingeboren, seine Beziehung zum Hebräischen ist vielmehr eine freiwillige, von ihm gewählte und je nach seinem Willen mehr oder weniger vertiefte. So ist es heute, und so ist es schon seit mehr als Jahrtausenden, seitdem das Hebräische als Sprache — zusammen mit dem Judentum, dessen Ausdruck es ist — aufgehört hat, nach Art der anderen Sprachen und Völker ein Leben zu führen, in dem Geist und Körper einander in normaler Wechselwirkung ergänzen. Ein geregeltes und organisches Wachstum war der hebräischen Sprache nur am Anfang ihrer uns bekannten Entwicklung vergönnt, in der Urzeit Tagen, da sie die Bene Jisrael von ihrer Volkwerdung am Sinai ins Land Kanaan begleitete, dort in den großen Tagen eines Saul, David und Salomo mit dem Volke wuchs, dann den Zwist zwischen Nord und Süd und endlich die Unterwerfung und Gefangenführung nach Babylonien miterfuhr. Die Sprache der 24 Bücher der Bibel ist in diesem natürlichen, aus den Urkräften des Volkes entstandenen und gewachsenen Hebräisch geschrieben. Was uns in ihr erhalten ist. sind zumeist gesetzliche historische, prophetische und poetische Werke, d. h. Literaturdenkmäler in hoher, dem Alltag etwas entrückter Sprache. Sicherlich ist es das Größte, was der Genius des jüdischen Volkes hervorgebracht hat, aber eben doch nur ein Ausschnitt des Lebens der damaligen Zeit. Die Sprache des Alltags mit ihrem größeren Wortschatz Münchener Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes i. B. Okt.: Konzert des Geigers Stefan Frenkel-Berlin (Miisenni) 1. Nov. Hugo Romenthal (Herrlingen): Die Psychologie (1. j üdischen Kindes (Museum) Augsburg: £3. Okt. fc074Konzert Frenkel-Weiß (Drei Mohren)

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