Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 18 (17.9.1934)
- Date
- 1934-09-17
- Page
- Seite 375 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 375 Trauungen in Bamberg. In der Synagoge fand am 20. August die Trauung zweier Chawerim des Hechaluz vor ihrer Alijah statt. Das Gotteshaus stand im Zeichen der Jugend, die in weißen Hemden und schwarzen Käppchen erschienen war. Nicht eine prunkvolle Chuppe war aufgebaut, sondern ein einfaches Tallis wurde von vier Chawerim gehalten. Herr Kantor Schapiro sprach tiefgehend über Einfachheit und den Kampf dieser neuen Generation. Fritz Stein brachte ihnen die Wünsche der Chawerim zum Ausdruck, daß unser Leben dem jüdischen Volke gilt in der Freude und im Leid. Zum Schluß erklang spontan, wohl zum ersten Male in diesem Gotteshause, die Hatikwah, gesungen von einer Jugend, der man glauben darf, daß es ihr Ernst ist mit ihrer Aufgabe. Es gab wohl niemanden in der überfüllten Synagoge, der nicht fühlte, daß hier eine neue, eine kämpfende Generation für das jüdische Volk stand. Haßfurt a. Main. Zu dem Artikel des Kollegen Brückheimer, Marktbreit, in Nr. 17 vom 1. September 1934 der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" möchte ich bemerken, daß bei der kürzlich vollendeten Renovierung der Synagoge meiner Heimatgemeinde Arnstein i. Ufr. der zitierte (bis jetzt vermißte) Satz Genesis 28/17 von mir als Hausinschrift in großen hebräischen Lettern angebracht wurde. Lothar Stein, Haßfurt a. Main. SCHUHHAUS M FLEISCHMANN MÜNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHUHE Schulungskurs für Wohlfahrtspflege. Wir weisen nochmals auf den von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in der Zeit vom 3. Oktober bis 4. November veranstalteten Schulungskurs für Wohlfahrtspflege hin, der in den Räumen des Kindergärtnerinnen-Seminars Berlin W 15, Meinekestraße 22, stattfindet. Für die Teilnahme an dem Kursus sind 30 RM. zu entrichten. Es besteht die Möglichkeit, auswärtige Teilnehmer in den Räumen des Kindergärtnerinnen-Seminars unterzubringen. Für Wohnung und Verpflegung für die Dauer des Kursus sind 60 RM. zu zahlen. Da der Kreis der Teilnehmer aus räumlichen Gründen begrenzt werden muß und eine größere Anzahl Anmeldungen bereits vorliegt, bitten wir Interessenten um möglichst umgehende Anmeldung bei der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158. Aus dem Reiche Gründung einer Selbsthilfeorganisation jüdischer Körperbehinderter Nach Einführung des .Arierparagraphen bei den allgemeinen Selbsthilfeorganisationen stellte sich sehr bald die Notwendigkeit heraus, einen Zusammenschluß der jüdischen körperbehinderten herbeizuführen. Das geschah am 27. März 1934, nach Erledigung vieler Vorarbeiten mit vollem Erfolg. Durch diese Organisation soll den jüdischen, von Geburt an oder im jugendlichen Alter durch Krankheit Körperbehinderten Gelegenheit gegeben werden, die Schwierigkeiten des Lebens, die für sie in erhöhtem Maße bestehen, besser zu überwinden. Die seelisch oft vereinsamten Behinderten wird der Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit anderen Schicksalsgefährten aufrichten. Kostenfreie Beratung, gestützt auf langjährige Erfahrung, versucht die wirtschaftliche, soziale und geistig-seelische Notlage der Mitglieder zu mildern. Es werden geistige und kulturelle Werte vermittelt, um den geistig regen Körperbehinderten einerseits Anregung zu geben, andererseits aber auch, um eigene Kräfte und Talente zu wecken und zu fördern. Eine besonders wichtige Aufgabe der Organisation ist es, die Behinderten so zu erstarken, daß ihnen das Gefühl der Wertlosigkeit genommen wird, daß sie der gesunden Umwelt den klaren Beweis erbringen, auch Krüppel sind wertschaffende und darum vollwertige Menschen, wenn ihnen der richtige Weg gewiesen wird. Die Beratung ist bemüht, u. a. dafür Sorge zu tragen, daß Kenntnisse über Möglichkeiten vermittelt werden, Krüppeltum zu verhüten und schon vorhandenes zu mildern. So ist diese Organisation nicht ein „Verein" im üblichen Sinne, sondern geschaffen, um im Geiste der Selbsthilfe einen aktiven Notstand zu überwinden. Besonders sei betont, daß neben politischer auch religionspolitische Betätigung ausgeschlossen ist. Der Anfang ist gemacht! Nach den schon bestehenden Ortsgruppen, deren Arbeit im Dienste der Körperbehinderten bisher schon recht gute Erfolge aufzuweisen haben, soll nun auch in München eine Ortsgruppe gegründet werden. Kein jüdischer Körperbehinderter Münchens, ob arm, ob reich, jung oder alt, darf abseits stehen bei gegenseitiger Hilfe im Sinne der organisierten Selbsthilfe. Darum melde sich jeder jüdische Körperbehinderte oder gesunde Freund unserer Bestrebungen zur Aufnahme in die „Selbsthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland" bei Fred Bauland, München, Geroltstraße 41/1, oder beim Vorsitzenden Hans J. H e y m a n n , Berlin NW 87, Tile-Wardenbergstraße 10, Fernsprecher Tiergarten C 9 —1305. Unfallhilfsdienst des Jüdischen Turn« u. Sportvereins Der Sanitätsdienst am Versöhnungstag in der Hauptsynagoge und in der Synagoge an der Reichenbachstraße der früher von der Freiwilligen Sanitätskolonne des Roten Kreuzes ausgeführt wurde, wird in diesem Jahre in dankenswerter Weise von dem „Unfallhilfsdienst des Jüdischen Turn- und Sportvereins" ausgeübt. In den beiden Synagogen sind Wachen eingerichtet und mit bestgeschulten Sanitätskräften besetzt. Der Unfallhilfsdienst beginnt in nächster Zeit wieder einen neuen Schulungskurs; Herren und Damen, die sich dem Sanitätsdienst widmen wollen, wird die Teilnahme an diesem Lehrgang angelegentlich empfohlen. Über Zeit und Ort der Anmeldung wird demnächst Bekanntmachung in unserer Zeitung erfolgen. S. Levinger?äakw",.n z. Zt. Bayerstraße 25 (am Hauptbahnhof) II. Stock Lift Fernsprecher 54 897 An der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg bietet sich ab 4. Oktober für einen Lehrer mit Fakultas in Biologie und Chemie und gutem jüdischen Wissen Gelegenheit zur Teilbeschäftigung. Anfragen und Meldungen mit Zeugnisbelegen an das Direktorat.