Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 18 (17.9.1934)
- Date
- 1934-09-17
- Page
- Seite 373 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 373 Bourgeois hält.....,. Es ist kein reines Vergnügen, zwischen Leuter dieser Art zu wohnen." Worin man Paul Gumpert, oder Fritz Eisner, oder Georg Hermann sicherlich nicht Unrecht geben wird. Und doch: ist das alles, was wir aus dieser Zeitschilderung und diesem nachdenklichen und Nachdenken erwieckenden Buche fortnehmen können? Ist dieser Ton der ein wenig altersmüden Skepsis und Menschenverachtung letzte Weisheit dieses Buches? Auge, das alles sah — auch was unter der Erde noch schlief! — und sich schließlich tröstete mit dem Grünewald-Altar in Colmar, oder vielleichtnoch häufiger mit den blühenden Weißdornhecken und den Bienen, die in den Linden summen ... Vielleicht stehen wie alle wie Georg Hermann in diesen Jahren „in der Sünder Reihe": weil wir in ruchlosem Optimismus uns trösteten und immer wieder trösteten — und uns noch altersweise und überlegen dabei vorkamen. Statt: Waffen zu schmieden — keine Waffen des Krieges, sondern Waffen des Geistes; statt uns zu Hüsten, uns und unsere Jugend, daß wir nicht einst wehrlos stünden am Tage des Angriffs. Diese Menschen haben alle — wie einst der HandweFksbursche im Märchen — das Beste vergessen. Darum starben sie und mußten sie sterben mit ihrer Zeit. Juden waren sie, wenn es galt, Notleidenden zu helfen; als Juden entdeckten sie sich — mit empfindlichem Schmerzgefühl —, wenn es galt, dem Antisemitismus zu wehren. Aber der soziale Jude und der Abwehrjude reichte nicht aus für die Zeit, die kam — die man schon in diesem Buche kommen sieht. Der Wesenskern ihres Seins war von jüdischen Inhalten unberührt: das machte sie schutzlos am Tage der Not . . . wie dieser Paul Gumpert gar nicht versteht, worum es geht. „Gehe hin und lerne!" möchte man ihm oder seinem Autor sagen. Noch eins aber sollte man Georg Hermann jetzt sagen: in aller Bescheidenheit wie Moses Mendelssohns Kegeljunge, der auch das Recht hat, zu urteilen, ob die Fürsten gut oder schlecht kegeln. Sieh, Ruth ist tot — die Einzige aus jener Zeit, die wußte, was eigentlich leben hieß; und die andern sind tot und zu Grabe getragen mit ihrer Zeit. Von Annchen und M'chen, von Hänse und Fränze wissen wir jetzt genug; und übergenug von Rosenemil und Paul Gumpert und den andern. — Aber unterdessen ist rechts und links von dir eine neue Jugend zum Leben erwacht: prachtvolle Jugend, die es schwerer hatte als ihre Eltern und Großeltern — und die sich doch ihren eigenen neuen, alten Weg tapfer sucht durch alles Gestrüpp hinweg. Hic Rhodus — hic salta! Dichter haben eine neue Jugend im Herzen, wenn auch die Haare ergrauten. Zeige, daß du die Wege der neuen Jugend verstehst, wie du einst die Wege der früheren Jugend verstandest; zeige dich als lebendig unter den Lebendigen! Dann wirst du leben, wenn auch deine Zeit starb! Bath Hillel. Aus der Gemeinde München Hebräische Sprachkurse München Der Unterricht ist am 1. September 1934 in sämtlichen Kursen wieder aufgenommen worden. Der Stundenplan für den Winter wird zur Zeit im Benehmen mit den Kursteilnehmern festgesetzt und erscheint in der nächsten Nummer dieses Blattes. Im Monat Oktober wird ein neuer Anfängerkurs eingerichtet. Anmeldungen zu diesem Kurs, als auch zu den bereits bestehenden, werden unter Telefon Nr. 29 75 05 entgegengenommen. Lehrer: N. Melber. Sprach- und Handelskurse für Erwachsene. Es ist beabsichtigt, bei genügender Beteiligung wiederum Kurse in französischer und englischer Sprache abzuhalten. Die Teilnehmer werden je nach Vorbildung in Kursen Tür Anfänger oder Fortgeschrittene zusammengefaßt. Bei Gestaltung des Unterrichts wird auf die Wünsche der Teilnehmer in weitgehendem Maße Rücksicht genommen (Grammatik, Konversation, Korrespondenz). Ferner sind Kurse in Stenographie und Buchführung vorgesehen. Wir bitten Interessenten, sich bis spätestens 20. September schriftlich beim Wohlfahrtsamt der Israelitischen Kultusgemeinde München, Herzog-Max-Straße 5/1, anzumelden. Es wolle dabei genau angegeben werden, welche Kurse, auch ob für Anfänger oder Fortgeschrittene, besucht werden wollen. Der Kurspreis wird voraussichtlich für zweimal wöchentlich je 1 Stunde 3 RM. monatlich betragen. Kursdauer: Vom 1. X. bis 31. XII. 1934. 75. Geburtstag. Frau Mathilde Höchstetter, geb. 17. September 1859 in Buttenhausen (jetzt wohnhaft in der Lipschützschen Versorgungsanstalt in München, Mathildenstraße 8) kann am 17. September in voller1 Rüstigkeit ihren 75. Geburtstag begehen. 70. Geburtstag. Der um das Wohl der Münchener Jüdischen Gemeinschaft sehr verdiente Herr Isaac Bacharach feiert in diesen Tagen den 70. Geburtstag. Ein Jahrzehnt Mitglied der Gemeindevertretung, widmete er sich mit besonderer Hingabe den Aufgaben des Ritual- und Friedhofswesens und der Betreuung des Gottesdienstes in der Hauptsynagoge. Mit unvermindertem Interesse und mit größter Hingabe ist Herr Bacharach auch heute noch als Beauftragter für die Friedhöfe und die Ritterstiftung tätig, als Mitglied des Synagogenausschusses versieht er den Ehrendienst in unserem Gotteshause. Die vielen Freunde, die Herr Bacharach in unserer Gemeinde hat, begrüßen die Rüstigkeit, in welcher der Jubilar die Schwelle des neuen Jahrzehntes überschreitet. In 10 Jahren hoffen wir das gleiche berichten und ihm wie heute weiter eine lange und glückliche Lebensdauer wünschen zu können. Kammersänger Dr. Paul Kuhn, das frühere beliebte Mitglied der Münchener Staatsoper, unvergessen in seinen Rollen als David, Mime, Pedrillo, die er bei vielen Festspielen des In- und Tin imfete (5ememf>emitglief>ed £>te blaue 33ettrageFarte für ^tlfc unb Aufbau tft em llusbvuä bes iübiföen Hebens* unb (B>ememfd>afterpülens, ber 'Detrantroommg unb be8 (Dpfers. XOev ftd> unferer ©emeinfe^aft benennt, muf im 23e|tt$ eittcr 23ettrag8rarte fem! Wem bic ~&attt für ^ilfc unb 2luf bau nod) nid)t angeboten tfl, wolle ftd) fcbriftlicb ober telefonifcb beim tüoblfabrtsunb 3ußcnbamt ber 3fraelttifd)en ftultusgemembe, <£>ec3og«nta)>@tt:a£e Sil, (Telefon J3Ö35, melöen, am betten Xftontag unb tllittvood> 3ti>ifä)en 4 unb $ Ubtv