Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 18 (17.9.1934)
- Date
- 1934-09-17
- Page
- Seite 365 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i^oyccifrfic Jfcaclih|ct)c (Scmcmöcjcitung ftadfädittnblatt 6ti JfroeliUfrfjen &uÜu*gtmemÖen in Ülüntfitn/augöbutg/ßombetg und fle* QctbanÖcs J&oycttfcf)ct Jftnthttfrfjct (Sememden Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 iür das Plinganserstr. 64, Tel. 73664 u. 73665. Postscheck München 3987, Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. X. Jahrgang München, 17. September 1934 Nummer 18 Inhalt: Die jüdische Volksidee bei den Propheten — Gedenkdem Reiche — Jüdischer Kulturbund — Jüdischer Turn- und feier und Grabsteinsetzung für Elias Scraus s. A. — Zum Tode Sportverein — Reichsbund jüd. Frontsoldaten — Amtlicher von Oscar Wassermann — Aus der Zeit, bevor unsere Vor- Anzeiger: Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde fahren Staatsbürger wurden — HicRhodus — hicsalta! — Aus München: Bekanntmachung über den Gottesdienst in derHauptder Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus Synagoge am Vorabend des Simchas-Thora-Festes — Personalia Die jüdische Volksidee bei den Propheten Von Rabbiner Dr. A. Eckstein (Bamberg) Volk oder Nation sind zunächst Wortformen, die wie jede Form mit einem verschiedenartigen Inhalt ausgefüllt werden können. Volk oder Nation sind sodann Begriffe, die wie jeder höhere Begrill" mit der Erweiterung des geistigen Gesichtskreises einen Bedeutungswandel erfahren bis zu einer Auffassung, die vom ursprünglichen Wortsinn so weit entfernt ist wie Geist von Natur. Das beweist auch die neueste Untersuchung über den „B e g r i f f des V o 1 k s t u m s" von H a n s T eske,1 die zu dem Ergebnis gelangt: Volk ist nicht nur eine sprachliche, nicht nur eine rassisch und räumlich bedingte, nicht nur eine geschichtlich gewordene und sich im Geschehen ständig erneuernde Einheit, sondern darüber hinaus eine Ordnung religiöser Art. in die wir von Gott hineingestellt sind, auf daß wir in ihr leben und sie erfüllen. „Dieses Bewußtsein ist gleich weit entfernt von jener Verkleincrungssucht, die wir in den jüngstverflosseiien Jahren so beschämend erlebten, wie von irgend einer nationalen Überheblichkeit oder irgendwelchem Welterlösungswahn. Es äußert sich vielmehr im ruhigen und sicheren Glauben an das eigene Volk, an seine geschichtliche Berufung zu geschichtlicher Tat." Aus dieser Erklärung, der wir im allgemeinen zu- 1 Heidelberg, Weiß'sche Universitätsbuchhandlung, 1934. stimmen können, ersehen wir die Tatsache bestätigt, daß ein Volksbegrilf auf dem Wege geschichtlichen Werdens und Wachsens immer geistiger und inhaltreicher sich entwickelt, bis er auf höherer Stufe seelischer Schau als Volks i d e e erscheint. Das gilt von jedem Volke, das in der Geschichte geistiger und sittlicher Kultur einen Rang von klassischer Bedeutung erreichte. Die älteste Volksidee in der Geschichte heißt Israel. Wie man auch diesen Namen sprachwissenschaftlich erklären mag, er ist kein Eigennamen, sondern Ausdruck einer Volksidee, die nichts anderes enthält, als den Glauben eines Volkes an seine geschichtliche Bestimmung zu geschichtlicher Tat. ..Denn gekämpft hast Du mit Göttern und Menschen und Du hast obsiegt", so lautet die Namensdeutung aus dem Munde eines nächtlichen Dämons, mit dem der erste Israelit, unser Stammbegründer, um seine Selbstbehauptung gerungen hat. Was ergibt sich daraus für den Sinn und Inhalt der israelitischen Volksidee? Ein Volk ohne Land ist so wenig vorstellbar wie ein Baum ohne Boden. Erst wenn ein Stamm eingewurzelt ist in seinem Grund und Boden, aus dem er die Kräfte seines Wachstums saugt, erst dann ist ein Stamm zu einem Volke geworden. Anders das alte Israel. Nicht erst nach Inbesitznahme eines Landes, sondern bereits lange vorher ist es ein Volk genannt worden mit Wor- Münchener Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes "i, B. £7. September: Franz Kafka-Abend (Gemeinde-Sitzungssaal) 4. Oktober: Vortrag Prot. Dr. I*andsberger-I*erlin (Museum) 22. Okt.: Konzert des Geigers Stefan Frenkel-Berlin (Museum)