Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 15 (1.8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 317 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2728000-2728015--09622-2742901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 15 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 317 deutung erst dadurch bekam, daß aus allen Schilderungen und Betrachtungen der tüchtigen Pimpfe fester, zukunftsfroher Gemeinschaftsgeist durchdrang. Durch Exaktheit erfreuten die turnerischen Vorführungen; die Sprechchöre aus Jeremia und Jehuda Halevi waren klug ausgewählt und wurden eindringlich gestaltet. In recht vollkommener Weise, der man die leitende Meisterhand von Rhea Glus wohl anmerkte, tanzten die Mädchen des Bundes zu Stellen aus Mendelssohns „Elias" und Händeis „Schöpfung". Das Bundeslied der D.J.J., von allen Jungen und Mädchen der stattlichen Ortsgruppe gesungen, schloß den Abend, der in erfreulicher Weise Zeugnis ablegte von dem ernsten Streben des „Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend" und seinem zielhaft-unerschütterten Schulen und Bilden der ihm anvertrauten Jugend unserer Zeit. Aus bayerischen Gemeinden Windsheim. Das Schicksal der Landgemeinden droht sich auch hier zu erfüllen. Nachdem kürzlich der langjährige Lehrer w egzog, war die Gemeinde führerlos geworden. Und nun wurde, wie wir erst verspätet erfahren, einer.ihrer Besten abgerufen. Herr Moritz Walter wurde am 24. Mai, 77 Jahre alt, zur letzten Ruhe getragen. Ein lauterer Charakter, eine stets hilfsbereite Persönlichkeit, die allgemeines Vertrauen irenoß, ist mit ihm dahingeschieden. Die Stadtgemeinde Windsheim wählte ihn in den Stadtrat, fast alle Vereine der Stadt ernannten ihn zum Ehrenmitglied. Besonders aber der Kultusgemeinde galt seine Sorge; 20 Jahre stand er als 1. Vorstand an ihrer Spitze. So wie er sein eigenes Haus vorbildlich führte, so nahm unter seiner Hand auch die Gemeinde ihren Aufschwung. Eine Lücke klafft in den Reihen der Gemeinde. Möge ein gütiges Geschick ihr die Kraft geben, den Verhältnissen zum Trotz aus- und durchzuhalten. Aus dem Reiche Unterbringung von Akademikern aus Deutschland im Ausland Der Oberkommissar für Auswanderer-Fürsorge, James G. Mac Donald veröffentlicht Mitteilungen über die Ergebnisse einer am 4. und 5. Juli in London abgehaltenen Tagung der internationalen Sachverständigen-Kommission für die Probleme der aus Deutschland ausgewanderten Akademiker. Die Kommission bildet einen Teil des vom Oberkommissar geschaffenen Hilfsapparats. Die Verhandlungen standen unter der Leitung des Mitglieds des Neuyorker Hilfskomitees für entlassene Gelehrte aus Deutschland, Dr. Alfred E. Cohn vom Rockefeller-Institut. Ferner nahmen an den Berätungen der Sekretär des Neuyorker Komitees und Direktor des amerikanischen Instituts für internationales Erziehungswesen, Dr. Stephan Duggan, Prof. C. S. Gipson vom Londoner akademischen Hilfsrat, Dr. Chaim Weizmann als Vertreter der Forschungs- und höheren Lehrinstitute Palästinas sowie Vertreter der meisten vom Oberkommissariat des Völkerbundes in verschiedenen Ländern eingesetzten Hilfskomitees für akademische Lehrer und Angehörige der freien Berufe teil. Im Verlauf der Beratungen ergab sich vor allem, daß die meisten der entlassenen Gelehrten und der vorzeitig von den Hochschulen abgegangenen Studenten Stellungen finden können, falls entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden; vielen Angehörigen freier Berufe könnte bei Kooperation der verschiedenen Hilfseinrichtungen unter Leitung des Oberkommissariats die Gründung einer neuen Existenz ermöglicht werden. Man erwartet, daß im Juli 1935 Universitäten und ähnliche Lehranstalten 140 Gelehrte aufgenommen haben werden, weitere 150 werden in Forschungs-Laboratorien von Industrieunternehmungen, in Krankenhäusern usw. Anstellung finden. In den Besprechungen wurde zum Ausdruck gebracht daß durch die Neugestaltung der Verhältnisse in Deutschland die Gruppe der Akademiker und der Angehörigen freier Berufe am stärksten betroffen worden ist. Uber 1300 Hochschullehrer und wissen- KOSTÜHE . KLEIDER . MÄNTEL,. PELZE schaftliche Beamte hätten ihre Stellungen verloren; von ihnen seien 600—700 ausgewandert oder dürften innerhalb der nächsten Monate auswandern. Von den Angehörigen der freien Berufe seien 5200—5500 genötigt gewesen auszuwandern, weil sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen konnten. Etwa 7000 Studenten mußten vor Abschluß ihrer Studien die Universitäten und Hochschulen verlassen. Von ihnen haben sich 1500—1600 nach dem Ausland gewandt. Die Gesamtzahl der Akademiker und Angehörigen der freien Berufe die vor der Notwendigkeit stehen, sich im Auslande eine neue Existenz zu suchen, betrage somit über 7500. Was die Unterbringung der übrigen Akademiker betrifft, so könne als sicher angenommen werden, daß weitere 130 Gelehrte dank der Tätigkeit von Organisationen wie dem Akademischen Hilfsrat und dem Hilfskomitee für entlassene deutsche Gelehrte mit Hilfe von Zuschüssen werden arbeiten können. Demnach würden bis zum Juli 1935 420 aus Deutschland ausgewanderten Gelehrten die Möglichkeit verschafft worden sein, ihre Arbeit fortzusetzen. Die Kommission habe beschlossen, alle Anstrengungen zu machen, um Forschungsstipendien zu schaffen und um Forschungsgemeinschaften zu organisieren. Bei genügender Unterstützung durch die Öffentlichkeit und gewisse Stiftungen werde auch dadurch eine große Zahl von Wissenschaftlern versorgt werden können. Im Anschluß daran schilderte der Oberkommissar die Tätigkeit der verschiedenen Organisationen, die sich mit Akademikerhilfe befassen, wobei er die Arbeit von HICEM und von Anglo-HICEM bei der Ausfindigmachung von Erwerbsmöglichkeiten in verschiedenen Ländern, sowie die Tätigkeit des jüdischen Hilfskomitees in England besonders hervorhob. Für die Durchführung der Aufgaben der Akademikerhilfe seien für das Jahr 1934/35 und für das folgende Jahr etwa je 100 000 Pfund notwendig. Zum Schluß betonte Oberkommissar Mac Donald, daß die Kommission durchaus der Uberzeugung war, daß die endgültige Lösung des Problems von der Haltung der verschiedenen Regierungen abhängt. Jedes Land müßte eine verhältnismäßig kleine Zahl von Akademikern, Angehörigen freier Berufe und Studenten aufnehmen und ihre Existenz sichern. Hierbei soll es sich um jene Männer handeln, deren Arbeit im Interesse von Forschung und Lehre oder deren berufliche Leistungen nicht entbehrt werden können. Lernen Sie jüdische Maler und Bildhauer kennen! Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin (Abt. Bildende Künstler) bringt soeben einen Kunstkalender für das kommende Jahr 5695 heraus. Wenn man auch davon ausging, die wirtschaftliche und seelische Bedrängnis des bildenden Künstlers zu beheben, so war es doch ebenso wichtig, die jüdische Öffentlichkeit, die der bildenden Kunst gegenüber noch immer eine allzu große Zurückhaltung bewahrt, mit den Kaufen Sie unsere yute KIcmIiiii<| KOSCIlf Cllld* Bayerstraße 5