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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-07-15 · 14 (15.7.1934) · p. Seite 298

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
14 (15.7.1934)
Date
1934-07-15
Page
Seite 298 (sequence 14)
Language
German
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298 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 der tieferen Gegenwartsprobleme, die das ganze europäische Bürgertum bewegen, ergeben. Hermann Sinsheimer grenzt die hellenische Auffassung des Tragischen gegen eine jüdische ab; „Geschichten um Jochanaan ben Sakkai" zeichnen nach dem Talmud einen sehr aktuellen Umriß des berühmten Lehrers, und Bertha Badt- Strauß („Die Versuchung") liefert eine moderne Art Pendant dazu aus dem Leben Jacob Bernays'. Das Feuilleton enthält außer dem Schlüsse von Ben-Gavriels Novelle „Der Garten des Sergeanten Dardar", der zugleich ihr Höhepunkt ist, noch eine aktuelle Skizze „Kleiner Emigrant" von Alice Stein-Landesmann. Die Presseschau „Wissenschaft und Politik", Buchbesprechungen und Glossen, die diesmal besonders interessant und lebendig geraten sind, ergänzen das Heft, das gegenüber der Geschlossenheit der letzten Sondernummer „Diaspora" wohl etwas lockerer, aber darum nicht weniger stark und einheitlich ist. Jean Gionos „Träumer". (S. Fischer Verlag, Berlin 1934.) Jean G i o n o , einer der namhaftesten jüngeren Franzosen, ist uns kein Unbekannter mehr. Eine Reihe seiner Romane wurden ins Deutsche übertragen und machten uns mit dieser außerordentlichen Begabung bekannt, von der man ohne Einschränkung sagen kann, daß sie einzigartig ist, weil sie keine Vorbilder hat— wie der junge Hamsun keine Vorbilder hatte, der mit der dichterischen Tradition brach und uns ein Jugendwerk, den „Pan", schenkte, das in seiner ungebrochenen Kraft ganzen Generationen Kräfte lieh. Jean Gionos „Pan" ist der Roman „Ernte", jenes hohe Lied von der Erde. Es folgten der Kriegsroman „Die große Herde" und der wundervolle Liebesroman „Der Berg der Stummen". (Diese Bücher sind alle im Verlag S. Fischer, Berlin, erschienen.) Wie in diesen Werken, so ist auch in dem jüngsten des Dichters „Der Träumer" (S. Fischer, Berlin) die Landschaft der kraftvolle und bilderspendende Unterbau der Handlung. Hier geht es um die Aufzeichnung einer Kindheit, die eingesponnen ist in das kleinbürgerliche und bäuerliche Milieu Südfrankreichs. Es ist diesmal keine gradlinige Fabel, kein fesiumrissenes erzählerisches Gefüge, sondern ein zartes reflektives Gebilde, voll kindhafter Schau und voll kindhafter Gläubigkeit. Das Atmosphärische prägt diese Kinderseele: die Schusterwerkstätte des Vaters, die Bügelstube der Mutter, die Klosterschule der Schwester von Mariä Opferung, die Begegnung mit zwei romantischen Musikanten, die Krankheit mit ihren Fieberträumen, die Erholungszeit auf dem Hofe eines braven Bauernpaares. Aus Impressionen, die sich wie die Perlen einer bunten Kette vor uns aufreihen, fügt sich diese Kindheit zu einem Ganzen. Was geschieht, wird oft mit einer Zartheit angedeutet, die dichterisch wirkungsvoller ist als ein geschlossener Bericht. Jean Giono gehört zu denen, die zwischen den Zeilen zu schreiben wissen wie nur noch Hamsun. Doch bei diesem ist es mehr das psychologische Moment, das sich in dem Unausgesprochenen ausdrückt; bei Giono ist das landschaftliche. Es erfüllt das Buch wie ein hauchzarter Duft, wir wissen nicht, wie ihn der Dichter in sein Werk hineinzaubert. Das ist das Geheimnis seiner Kunst. Wenn Giono vom Sommer spricht, so riechen wir das Kleefeld, so hören wir das Wogen des Weizenfeldes. Es ist eine sinnliche Darstellungskunst, die sich nicht damit begnügt, zu zeichnen, sondern zu erfüllen. Giono umschließt den Leser mit seiner Dichtung, er spinnt ihn darin ein, und so ist sie mehr als nur „Lektüre". Die Begegnung mit Jean Giono ist ein ganz intensives Miterleben. „Der Träumer" ist ein sehr stilles, der Zeit abgelegenes Buch, aber eines, das man nicht vergißt. Manfred Sturmann. EU ©15 ST fröhlich Kloster-Dpogerie-Parfümerie 31 Neuhanser Straße 31 (nächst Bamberger Hof), Telefon 923 72 Spezialität Kölnischwasser 7xI<tr.2.50, lL.tr. 4.50 Biaiik-Buch. (Zum Tode des hebräischen Dicht e r s a m 4.' J u 1 i 1 9 3 4.) Der Hebräische Schriftsteller-Verband in Palästina hat, gemeinsam mit dem Jubiläums - Komitee, zum 60. Geburtstag Chajim Nachman Bialiks im Jahre 1933 ein „B i a 1 i k- B u c h" erscheinen lassen, das von Jakob Fichmann redigiert wurde und anläßlich des Heimgangs des Dichters erhöhte Aktualität bekommt. Mit dieser Leistung hat Fichmann einen Höhepunkt seiner langjährigen, redaktionellen Tätigkeit erreicht. Die tiefe Verehrung für den großen Meister hat ihn mit liebevoller Sorgfalt und Hingabe ans Werk gehen lassen. Das Bialik-Buch ist ein literarisches Denkmal, das in Inhalt und Ausstattung zu den besten Erscheinungen des modernen hebräischen Schrifttums gehört. Über dreißig Dichter, Kritiker, Gelehrte haben sich hier zu einer seltenen Huldigung vereinigt. Würdigungen der Dichter-Persönlichkeit Bialiks, seiner Sprache und Ausdrucksform, der Architektonik seiner Poesien, sowie Erinnerungen an ihn, Gedichte und Erzählungen, zeitgemäße Betrachtungen, sowie philosophische, historische und soziologische Abhandlungen über Wesen und Lehren des Judentums bilden, in drei Teile gegliedert, den reichen Inhalt des über 400 Seiten umfassenden Buches. Der erste Teil enthält auch 51 Briefe von B i a 1 i k an Freunde und Mitarbeiter. In einem dieser Briefe, aus denen zuweilen der Bialiksche Humor in ursprünglicher Volkstümlichkeit hervorleuchtet, zeichnet er eine Autobiographie. Dieser Brief, vor über dreißig Jahren an Josef Klausner gerichtet, bietet aufschlußreiche Hinweise zur Erfassung des Phänomens seiner Persönlichkeit. Von besonderer Aktualität ist der den dritten Teil einleitende Aufsatz von Nahum Sokolow „Inter-Parteiität". Er wendet sich in eindringlicher Weise gegen die Auswüchse der Parteikämpfe, die das nationale Aufbauwerk für das jüdische Volk gefährden. Er fordert nicht ein „Schweben über den Parteien", nicht ein Negieren der verschiedenen Richtungen, sondern eine synthetische, zusammenwirkende, aus allen aufbauenden Elementen gespeiste Kraftquelle, eine „Inter-Parteiität". Sokolow betrachtet es als eine Aufgabe der palästinensischen Literatur, in dieser Richtung zu wirken. Josef L i n , Haifa. Herausgabe der Briefe Franz Rosenzweigs. Der Schocken- Verlag bereitet die Herausgabe einer Auswahl von Briefen Franz Rosenzweigs vor. Besitzer von Briefen, insbesondere solcher vor dem Jahre 1923, werden gebeten, sie an die unten angegebene Adresse zu senden. Rückgabe der Originale und Nichtveröffentlichung vom Adressaten bezeichneter Stellen wird zugesichert. Frau Edith Rosenzweig, Frankfurt a. M., Wolfsgangstraße 4. Geschäftliches Herr Dipl.-Ing. M. E. Fulda, Heizungsanlagen, Adalbertstr. 96. empfiehlt sich für die Ausführung von Heizungsanlagen aller Systeme, sowie insbesondere für Reparaturarbeiten. S.Inserat! immer gut — nie teuer/ Auch wenn Sie für ein apartes QJlfl Schlafzimmer nur ü4U anlegen,oderfüreineneuzeitl. IAO KÜCtie.....nur Mark IHO erhalten Sie grundsolide Arbeit bei rnrij ScHwoDltifllerslr.9 ■■■^■■■^i nächst Sonnenstrafle Über VO Jahre Anfertigung eleganter Strickwaren nach Maß (Badeanzüge, Pullover usw.) Modestrickerei H. Chr. Strauss & Co. Inh.: Rosa Marx Augustenstraße 75 — Telephon 569 02 Qualitäts-Zigarren! Alfred KlOpffer Maximilian- Fernruf 27 0 39 Strasse 10

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