Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 13 (1.7.1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 277 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 277 des erfahrenen Kinderarztes und Psychologen heraus — indem er das Kind und seine Erziehung als Mittelpunkt des weltlichen Geschehens bezeichnet — das drohende Übel dort anfaßt, wo die Ausgangspunkte der härtesten Kämpfe und Proben für den Menschen liegen, in seiner frühesten Kindheit und Jugend. Dort zeigt er die Wurzeln der Schwererziehbarkeit, des Sichnichtanpassenkönnens an die Gesellschaft. — „Die Frage nach der Schwererziehbarkeit ist fast gleichbedeutend mit der Frage nach dem Aufbau der Familie!" — „Wenn in unseren Tagen sich der Blick der verantwortlichen Kreise mit wachsender Sorge dem schwierigen Kinde zuwendet, so liegt das zwar nicht allein, aber doch sicher in erster Linie an dem Verfall der Familie!" — In ihm sieht Benjamin den Boden tiefgreifendster Erziehungsschwierigkeiten und Quintilian läßt er vom alten Rom sagen: „Wenn wir nur nicht selbst unserer Kinder Sitten verdürben!" Der Verfasser führt uns dann in die Schicksalszeit der frühesten Kinderjahre ein. „Die erste Sturm- und Drangperiode (allgemein als Trotzalter 2.—3. Lebensjahr — nach unseren Erfahrungen ist die Basis dieser Periode erheblich breiter — bekannt) nennt Benjamin die Zeit, in der das Kind sich und seinen Erzieher vor die schwierigste Aufgabe stellt. Es gilt, ihm den normalen Weg aus der Welt seiner kindlichen Werte in die einer strengen Kausalität und Realität zu zeigen und zu erleichtern. Hier liegt die Schicksalswende des Kindes — auch des normalen —, die nur um so eingreifender und gefahrvoller ist, je weniger sich das Kind auf Grund seiner erblichen Anlage anpassen kann. Von da an unzweckmäßig behandelt oder geführt, hat das Kind drei Möglichkeiten der Reaktion: „Auflehnung — Ablehnung — Rückwärtswendung!" Aus der ersten greift der Verfasser den Trotzzustand des Kindes heraus und zeigt in wie mannigfaltiger Art er sich manifestiert. Er weist aber ausdrücklich darauf hin, daß diese Trotzperiode auf der andern Seite eine durchaus wertvolle Kraftquelle werden kann. Genau so spricht er von der zweiten Gruppe, der Abwendung, wo das Kind, in sich zurückgezogen, gefährdet ist, den verschiedenen krankhaften Phänomenen zu verfallen, die aber grundsätzlich auch zu einer tragkräftigen, schöpferischen Verinnerlichung des Menschen arten kann. Den fruchtbarsten Boden für die schlimmen Erziehungsschäden sieht Benjamin in der letzten Form — der Regression, dem Stehenbleiben oder Zurückfallen in eine frühere Entwicklungsstufe. Er erklärt, wie schwer es hier, sowohl für den Laienerzieher, als für den Professionisten ist, die häufigen Nervensymptome (wie z. B. Appetitlosigkeit, Erbrechen, Schlaflosigkeit usw.) von Abartungen des Charakters richtig und rechtzeitig zu unterscheiden und zu erkennen und von welch furchtbarer Tragweite pädagogische Mißgriffe hier sein können. Aber auch für die Möglichkeit des normalen Ablaufes der Regression weist er hin, indem er von einer gewissen Kindlichkeit und Naivität als einer Gabe spricht, die für den schöpferischen Menschen unerläßlich wäre. Wir möchten jedoch nicht versäumen, darauf hinzuweisen, daß mit den drei Gruppen, die wir, nachdem der Verfasser die Regression als die gefährlichste der drei Entartungsgruppen sieht, als Benjamins Regressionslehre bezeichnen wollen, die Spielarten der Abweichungen des Kindes vom Normalen nicht erschöpft sind. An Hand der Schriften des alten Roms zieht Benjamin eine unübertreffliche Paralelle zwischen der Überbürdung der Jugend mit geistigem Stoff und äußeren Ablenkungen — Erziehungsfehlern der Antike und unseren, zwischen dem überkultivierten Lebensstande der damaligen und unserer Heutzeit. Der Verfasser will in seiner Broschüre „Die Krankheit der Zivilisation", ausgehend von den Ausfallserscheinungen des Kindes, die Gefahr des Niedergangs durch die Ausfallserscheinungen der Kulturen und Überzivilisation vergegenwärtigen. In eindringlichstem Mahnruf zeigt er damit die Notwendigkeit zu einer einfachen, normalen Erziehungs- und Lebensbasis! Weil. Geschäftliches Bevor Sie verreisen können Sie alle Toiletteartikel, Reiserollen usw. günstig beziehen bei Seifenhaus Florida, Inn. B. Weill. (Sämtliche Putz-' und Waschartikel.) Lindwurmstraße 49 (gegenüber der Gynäkologischen Klinik.) trumpfladen am StactlUS gegenüber Imperialtheater Max Schoenemann □□□DHG1BBQ0EE] Für den Urlaub! Original-Berchtesgadener Jäckchen Kindergr. 4.95 3.95 Damengr. 42 5.50 Ich habe mich als praktischer Arzt niedergelassen DrmeiEuyenMayer Hermann-Scömld-Sfr. 7/1 Telefon 73515 Sprechstunden: 2—4 Uhr Privatkassen Or. Martin Marx Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohreitleiden Maximiliansplatz ij/I Ab 38. 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