Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 13 (1.7.1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 268 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Bayerische Israelitische Gemeindezeitimg Nr. 13 SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÜNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: 6ALLY-SCHUHE ist er immer derselbe und der gleiche geblieben. Einst war die kühne Denkerstirn mit dem Gesicht des Beduinenscheichs von tiefschwarzem Bart und Haar umrahmt. Seit langem ist er schneeweiß. Aber es ist dasselbe kühne Gesicht, der gleiche Charakter und derselbe Mann. Birnbaum war ungefähr zehn Jahre lang der Führer der kleinen Gruppe deutsch sprechender Zionisten gewesen, als er die erste und folgenreichste Wendung nahm. Bis dahin hatte er als Nationaljude einen historischen Standpunkt auch der Tradition gegenüber eingenommen. Nun wurde er ein „Acher". Bei aller Gedankentiefe, die ihn auszeichnet, lag etwas Willkürliches in dieser Umkehr. Er zeigte sich eine Zeit lang als Fanatiker in seiner Ablehnung des Traditionellen im Judentume. Er, der schon 1S91 sich mit einem hebräischen Schriftsteller verbunden hatte, um mit ihm zusammen Unterrichtsbriefe für modernes Hebräisch herauszugeben, trat für das Jiddische als Nationalsprache ein, und ebenfalls zuerst mit einer Art von Fanatismus. Und nicht viel anders gestaltete sich später sein übertritt zur strengsten Form der Orthodoxie. Aber trotz allen Fanatismus, den man nicht übersehen kann, blieb er doch immer der Denker, dessen Gedankenwelt auf andere mächtig einwirkte, auch wenn ihm das eigentlich Agitatorische abgeht. Birnbaum ist in einem gewissen Sinne eine tragische Figur, aber doch immer ein tragischer Held. Die Tragik seines Lebens besteht darin, daß er sich nicht bloß im praktischen Leben niemals zurechtfand, und immer mit den Nöten des Lebens zu kämpfen 'hatte, sondern vor allem darin, daß er gedanklich die Linie, die er erkämpft hatte, 'immer schon verließ, ehe seine jeweiligen Kampfgenossen sie erreicht hatten. Die Tragik beruht auch darin, daß er letzten Endes auch dann ein Grübler ist, wenn man den Tatmenschen erwarten zu müssen glaubt. Und trotzdem ist dieser Mann, der eine hochbegabte Familie fortgepflanzt hat, die in seinen Nachkommen verschiedene Wege geht, ein Mann von größter Bedeutung. Seine Gedanken- und Gefühlswelt wirkt weiter, und ihre Wirkungen werden erst richtig in die Erscheinung treten, wenn man unsere Zeit und ihr Werden ohne alle Leidenschaft wird betrachten hönnen. Ob man dann noch der Zeitschrift „Der Ruf" gedenken wird, die er jetzt in Holland zusammen mit Palliere und Pacifioi herauszugeben gedenkt, kann man nicht wissen. Aber gewiß ist es, daß man dann sehen wird, daß Nathan Birnbaum einen großen Einfluß ausgeübt hat, freilich den allertiefsten in jener Zeit der Jugend, wo er die Gedanken vorgedacht und die Wege gewiesen hat, die später begangen worden sind. Ein wegweisender Mann, dem wir freilich nicht immer folgen konnten oder durften, der jetzt das siebzigste Lebensjahr vollendet hat, noch immer in großer Kraft. Möge sie ihm bleiben bis 120 Jahr! 2. Zulassungsbeschränkung der Ärzte in Palästina Nach der Statistik hatte.jm Jahre 1933 Jerusalem 180 jüdische und 50 nichtjüdische Ärzte, Tel-Awiw und Jaffa 286 jüdische und 31 nichtjüdische Ärzte, und Haifa 123 jüdische und 29 nichtjüdische Ärzte. Infolge der starken Einwanderung jüdischer Ärzte aus Deutschland in den letzten Monaten will die englische Regierung keine weiteren Bewilligungen zur Ausübung des ärztlichen Berufes geben. Bevollmächtigte der Landesorganisation der Ärzte und Zahnärzte wurden bei dem zuständigen Regierungsbeamten vorstellig und erklärten, daß die Ärzte-Organisation selbst für die Einordnung der neuen Ärzte sorgen wolle. Auch wurde die Anstellung jüdischer Ärzte in den medizinischen Abteilungen der Regierung gefordert. Der Regierungsbeamte ließ wissen, daß der High-Commissioner durch die freie Erteilung der Lizenz eine Gefährdung des Ärzteberufes befurchte. In der Schweiz kämen auf einen .Arzt 3000 Personen, in Frankreich 1700, in England 1300, in Österreich 700, während in Palästina auf einen Arzt 226 Personen entfallen. Die Regierung versprach die Materie nochmals zu prüfen. 3. Else Lasker-Schüler über Palästina Die bekannte jüdische Dichterin, Else Lasker-Schüler. die zur Zeit in Palästina weilt, nennt zwei Erscheinungen, die am stärksten auf sie im Lande wirkten, das Meer und den Chaluz (Pionier). „Ich liebe sehr das Meer, aber niemals wirkte es so auf mich, wie in Tel-Awiw." Und über den Chaluz: „Was hat man alles in diesem Wüstenlande geleistet! Alle diese Jungen und „Alten", die wir Chaluzim nennen, haben ein Land aufgebaut, eine Heimat errichtet, dem Volke das Leben wiedergegeben! Und was uns am meisten Ehrfurcht einflößt, ist die menschlich-tragische Tatsache, daß alle diejenigen, die das Land aufbauen, die Früchte ihrer Arbeit nie völlig genießen werden. Aber nun sah ich sie in ihrer Wiedergeburt, ich sah ihre Kinder und hörte deren Geplauder, da verstand ich die Gerechtigkeit des Schicksals und die Ganzheit der Geschichte, die andere Wege geht als der Einzelne." 4. Überschwemmung in Tiberias Mitte Mai ergossen sich über Tiberias große Wassermengen, die von. den Bergen herunter die Häuser in den Genezareth- See stürzten. Das Wasser erreichte an manchen Stellen eine Höhe von 6—8 Fuß. Es handelte sich um einen Wolkenbruch, den dieser Landstrich stets im Mai und November zu befürchten hat. Kalte Luftströme erfassen die heiße Luft und treiben sie in eine Höhe bis zu 6 Kilometer, wo sie durch Abkühlung Wassermengen bis zu 20 Liter pro Quadratmeter innerhalb 20 Sekunden fallen läßt. Besonders heftig wirkte sich dieses Naturereignis diesmal aus. Es forderte 22 Tote und 18 Verwundete. Der verursachte Sachschaden wird auf 100 000 Pfund geschätzt. Die Badehäuser blieben unbeschädigt. — Vermutlich wurden die heißen Quellen Tiberias vor 1800 Jahren durch ein solches Unwetter verschüttet. Verband der Israelitischen Kulfusgemeinden der Pfalz Unter starker Beteiligung fast sämtlicher Kultus- Die warmen Worte des Redners spendeten Aufrichgemeinden der Pfalz fand am Sonntag, 17. Juni, die tung und Gottvertrauen und forderten am Schlüsse pie- 17. ordentliche Mitgliederversammlung tätvolle Bekenntnistreue, hingebende Frömmigkeit und des Verbandes in der Synagoge zu Ludwigshafen a. Rh. opferbereiten Gemeinsinn. — statt. Das hübsche Gotteshaus war dicht besetzt. Be- Herr Kommerzienrat Joseph erstattete den Jahgrüßende Worte richteten Herr Vorsitzender Kommerr e s b e r i c h t über die vielseitige und reiche Tätigkeit zienrat Albert Joseph (Landau), nach ihm Herr Syder Verbandsleitung und brachte hierauf die Jahresnagogenvorstand Professor Koburger namens der rechnung pro 1 933/34 zum Vortrage. Die 3 Pro- Religionsgemeinde Ludwigshafen an die Versammlung, zent Landeskirchenumlagen, die noch im Jahre 1932/33 Ihnen folgte die religiöse Ansprache des RM. 3 7 0 2 5.— einbrachten, sind im Berichtsjahre auf Synagogenvorstandes Ludwig Strauß, Reallehrer RM. 2 6 4 8 5.— zurückgegangen. Dem gegenüber ein a. D. (Bad Dürkheim) über das Thema: „Was ist uns starkes Ansteigen der Ausgaben für Wohlfahrt und die Synagoge, unser Gotteshaus?" _..........______________ Wirtschaftshilfe: von RM. 6918.— im Jahre 1932/33