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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-06-15 · 12 (15.6.1934) · p. Seite 241

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
12 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
Seite 241 (sequence 1)
Language
German
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Juni 1934 Nummer 12 Inhalt: Körperliche Erziehung — Rosy Liliemelds Bilder zum Baalschem — Fme Zeit stirbt — Max Brod — Sinai-Sagen — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus dem Reiche — Jüdischer^Kulturbund in Bayern — Jüdischer Turn- und Sportverein — Bucherschati — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl; Bekanntmachung übeT den Finanzausschuß des Verbandes und den Ständigen Ausschuß der Tagung; Bekanntmachungen der .Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Ersatzwahl; Bekanntmachung über Ergänzungswählen für gemeindliche Ausschüsse — Personals. Körperliche Erziehung Von Geh. Sanitätsrat Dr. med. Eugen Doernberger. München Der Bericht über die Einweihung der Turnhalle des jüdischen Turn- und Sportvereins in einer der letzten Nummern der Gemeindezeitung veranlaßt mich, in die Vergangenheit zu schauen und an die Zukunft zu denken. Als .ich vor einigen Jahrzehnten vor einem größeren Kreise über die Notwendigkeit vermehrter körperlicher Betätigung bei uns Juden sprach, begegnete ich vielfach noch ungläubigen Mienen. Man hielt immer noch den geistigen Fortschritt für das Allerwichtigste und die Vernachlässigung körperlicher Ertüchtigung für nicht so schwerwiegend. Ohne die Macht des geistigen Könnens und Wissens gering zu achten, habe ich mich mittlerweile in Wort und Schrift dafür eingesetzt, daß nicht nur jedes Zuviel, sondern auch das Maß geistiger Beschäftigung durch ein entsprechendes Maß körperlicher Übung auszugleichen sei, sollen nicht Körper und Geist Schaden leiden. Aus der Schrift „Unsere Mittelschüler zu Hause", welche Dr. Graßmann und ich bei Lehmann (München) herausgaben, erhellte, daß an den höheren Lehranstalten für beide Geschlechter viel zu wenig Zeit für leibliche Erholung und Ertüchtigung übrig blieb. In meinem Buch „Körperliche Erziehung und Schule" zeigte ich, wie schon in den frühesten Lebensjahren mit Leibesübungen begonnen werden kann und soll, und wie für sie in allen Lebensabschnitten, namentlich aber während der Schulzeit Verständnis und Zeit da sein muß. In Vorträgen vor Lehrern, ebenfalls im Druck erschienen, wies ich auf die Zusammenhänge des kindlichen Zustandes mit der Schulleistung hin, nach denen nur von einem körperlich und geistig gesunden oder gesund erhaltenem Kinde normale, befriedigende Schulerfolge zu erwarten sind. Schließlich bin ich in Wort und Tat für die Jugendwanderungen lebhaft eingetreten. Nur aus einer gesunden Jugend erwächst ein gesundes, widerstandsfähiges, arbeitstüchtiges und arbeitsfreudiges Geschlecht. Das war und ist meine feste Uberzeugung. Mit mir kämpften viele Ärzte und Erzieher um die gleichen Forderungen: Mehr Zeit für körperliche Ertüchtigung! Jeden Tag eine Sturide leiblicher Übung! Vieles hat sich im Laufe der Jahre gebessert. Der neuedeutsche Staat tritt mit Macht und Erfolg für die genannten Wünsche ein. Auch in unseren jüdischen Kreisen sah ich seit langem Verständnis für die Kräftigung des Körpers. Sagte doch treffend einmal ein auch heute noch begeisterter und eifriger Förderer des Turnwesens im Hinblick auf die konfessionellen Vereine: „Es ist gleich, ob die Übungen von Katholiken, Protestanten oder Juden gemacht werden. Wenn sie nur gemacht werden!" Mit Freude hörte ich, wenn die jüdischen Turn- und. Sportverbände wie Bar-Kochba, Hakoah, Makkabi Gutes, ja sehr Gutes leisteten und mit ihren Leistungen auch allgemein anerkannt wurden. Gar manchen jungen Mann veranlaßte ich zu gesundem Sport und beschwichtigte die Ängstlichkeit seiner Eltern. Gerne las ich öfters unter den Besten der heute aufgehobenen Vereine wie jetzt in der Liste des neuerstandenen jüdischen Turn- und Sportvereins mir vertraute Namen. Ich freute mich, vaterlandsbegeisterte jüdische Jungen im Wehrkraftverein, später Jungbayern, und in den Jugendabteilungen der Turnvereine, tüchtige junge Skifahrer und gewandte, ausdauernde Bergsteiger auf Höhen und Hütten zu treffen. Sich der Landschaft freuend und mit roten Backen und frischem Aussehen zurückkehrend, wanderten die „Kameraden" „Blauweiß" und andere Jugendbünde hinaus in die Ferne. Wie manchen heute Erwachsenen habe ich durch Skifahren, Bergsteigen, Wandern, Schwimmen seiner Schwächlichkeit, seiner Nervosität, seiner schlechten Gewohnheiten Herr werden sehen. Freude an der Natur, an körperlicher Leistung, Wachsen an Mut und an Selbstvertrauen wurde ihnen eigen. Notwendigkeit und Nutzen körperlicher Übung und Ertüchtigung soll aber nicht nur einzelnen, nicht nur bestimmten Gruppen offenbar werden, sondern allen unter uns, damit einer den anderen aneifere und schließlich die Gesamtheit den Vorteil der Gesundung hat. Zunächst ergeht der Ruf an die aufnahmefähige, hörende Jugend. Nicht mühsam überredet, nicht gezwungen soll sie dem Ruf folgen. Es muß aufhören, daß der gute JÜDISCHER KULTURBUND IST B4VKK\ 25. Juni: Vortrag I>r. Ernst Simon (Museum) 84. Juni—15. Juli: Ausstellung jüdischer Photographie (Oemeindesaal)

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