Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 9 (1.5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 192 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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192 Bayerische Israelitische Gemeindezeitiing Nr: 9 ten Organ den heiter leichtbeschwingten Charakter der Kompositionen anmutig zur Geltung zu bringen. Die Begleitung am Flügel lag in den bewährten Händen von Herrn Kapellmeister E r c k, der namentlich den düsteren Grundton der russischen Lieder mitfühlend zum Erklingen brachte. Reichlicher Beifall wurde allen Darbietungen zu teil, den die Sänger mit Zugaben lohnten. Wir sehen mit Spannung dem ersten heiteren Abend des Kulturbundes am 2. Mai entgegen, dem ein guter Besuch beschieden sein möge. Otto Bernstein im Münchener Kulturbund Der Bericht über den Vortragsabend Otto Bernsteins im Münchener Kulturbund muß mit der Feststellung beginnen, daß bedauerlicherweise zur ersten Veranstaltung dieser Art die von einem (berechtigterweise) weit über deutsche und jüdische Kreise hinaus berühmten Künstler mit einer gediegenen Vortragsfolge bestritten wurde, nicht genügend Gemeindemitglieder erschienen waren, um den nicht sehr großen Museümssäal zu füllen. - Otto Bernstein hatte ein fein zusammengestimmtes Programm ausgewählt: jüdische Dichter unserer Zeit in besten, meist nicht allzu bekannten Proben: eine Legende Emil Bernhard Cohns von den Arten der Menschenliebe, ferner eine Auswahl der schönsten, kristallklaren Geschichten aus der Welt des Chassidismus von Buber eröffneten den Abend. Lyrik brachte der zweite Teil; viele hatten das Gefühl, daß Bernstein Prosa eindringlicher und ergreifender zu gestalten weiß. Bei den lyrischen Vorträgen erliegt er vielleicht allzu oft der Gefahr des gebundenen Wortes, das ihn so in den Bann schlägt, daß er es nicht bändigen kann. Die Wiedergabe der Gedichte von Ludwig Strauß, Richard Beer-Hofinann, vor allem unseres Münchener Dichters Manfred Sturmann war immerhin ein Meisterstück: Bernstein rezitierte Sturmanns „Lied vom Siedler" und die getragenen schönen Strophen über die Weltschöpfung. Höhepunkt und Abschluß des Abends war die Wiedergabe der Wassermannschen Novelle „Sara Malcolm". Hier, an /diesen gemeißelten Sätzen konnte Bernstein sein Bestes geben. Gebannt folgten die Hörer dieser Neugestaltung. Daß Otto Bernstein das gesamte umfängreiche Programm auswendig bestritten hat, war mehr als eine unerhörte Gedächtnisleistung: es war der- Weg, besonders rasch und stark den Weg zum Hörer zu finden und ihm dem Dichter nahe zu bringen. Hierfür dem Künstler besonderen Dank! H. L. Münchener Jüdisches Vokalquartett Aus Ulm berichtet die Württembergische Gemeinde-Zeitung: Das Konzert, mit dem im April das vom Bayerischen Kulturbund München ausgehende Münchener Jüdische Vokalquartett debütierte, brachte einen erlesenen künstlerischen Genuß. Vier herrliche Stimmen, in technisch und künstlerisch vollendeter Meisterschaft, geführt, von dem als Komponisten synagogaler Musik hochgeschätzten Chbrdirigenten der Münchener Großen Synagoge, Kapellmeister Joseph Ziegler, vereinten sich zu berückender Harmonie und rissen den vollbesetzten Saal zu wahren Beifallsstürmen hin, die nach jeder Einzelnummer Dreingaben erzwangen. Das Programm brachte zur Einleitung das unvergleichlich schöne ergreifende Quartett „An die Heimat" von Joh. Brahms und das „Wechsellied zum Tanz" desselben Komponisten. Darauf ersang sich Sonja Ziegler mit ihrem silbernen, in Koloraturen glitzernden hellen Sopran in Liedern von Felix Mendelso'hn vollen Erfolg. Es folgte, der vollausschwingende, weiche Orgelbaß des Mitgliedes der Münchener Staatsoper Walter Rieß mit ergreifend wiedergegebenen Liedern von Schubert und Schumann. Mit sammetweicher. ideal geführter Altstimme erfreute die von ihrer Tätigkeit am früheren Landestheater in Stuttgart bekannte Frau Emma Färber- Stnaßer in Liedern von Joh. Brahms, denen sich Duette von Robert Schumann anschlössen, in denen sich der Sopran von Frau Ziegler mit dem glänzenden, heldisch gefärbten Tenor des international als David und Mime bekannten Tenorbuffos der Münchener Staatsoper, Kammersänger Dr. Paul Kuhn, vereinte. Den Beschluß des Programms bildeten die Zigeunerlieder von Joh. Brahms, in denen sich alle vier Stimmen zu berückendem Wohllaut und meisterlicher Ausdruckskraft verbanden. Allen Gesängen war Herr Ziegler am Flügel ein anschmiegender, rhythmisch und musikalisch fein empfindender Ausdeuter und Begleiter. Namens des Kulturausschusses und der gesamten Zuhörerschaft dankte Herr Dr. Ury in herzlichen Worten den Künstlern für den herrlich verlaufenen Abend und rief dem jungen Unternehmen, das ein vollgültiges Zeugnis von der höhen Kultur jüdischer Künstler abgibt, aus vollem Herzen ein lebhaftes „Glück auf!" und „Auf baldiges Wiedersehen!" zu. Öo0 gonjc &tä)emm>etttar maäfi © frifdj tmft fotmenffar! 3 2.16/3'tb rennst äffe« fdmeffer!