Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-04-15 · 8 (15.4.1934) · p. Seite 153

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
8 (15.4.1934)
Date
1934-04-15
Page
Seite 153 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2727810-2728000-2728008--09451-2742723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

$agectfrf|e Jfcaditi)dje <ScmcmÖC5citung ttat^tufjtenfrtalt flet Jftaelüiftfjen &ulhtf gemrinflen in illün^ett/^dtg^iutg/^omftetg uttti de* 0ec6cmtf etf Jtayecifctyet JftaeUHfrf|et <Bemdttden Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag: B. Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Plinganserstr. 64, Tel. 73 6 64 u. 73 6 65. Postscheck München 39 87, Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach anfliegendem Tarif. Heraasgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen and Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. X. Jahrgang München, 15. April 1934 Nummer 8 Inhalt: Die Krankheit der Zivilisation — Bayerische Bäder — Krankheiten der Juden mit Berücksichtigung der einschlägigen Badekuren — Schafft Arbeit und Brot! — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde — Aufruf des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde München — Jüdischer Kulturbund München — Aus der Gemeinde Bamberg — Aus bayerischen Gemeinden — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bekanntmachung über die Weitergeltung der Gehaltskürzungsvorschriften — Bekanntmachung über den Schulbesuch jüdischer Schüler an Sabbaten und Festtagen — Bekanntmachung über die Erhebung der Kultussteuern für 1934 — Gesetz über die Kirchensteuer für 1934 — Personalia. Die Krankheit der Zivilisafion Ein Wort zur Krise des deutschen Judentums Von Prof. Dr. med. Erich Benjamin Die gegenwärtige Krise des deutschen Judentums ist nicht etwa allein durch den Sieg einer neuen, judenfeindlichen politischen Richtung hervorgerufen worden. Sie ist vielmehr letzten Endes eine Folge gewisser Krankheitserscheinungen am Körper unserer Gemeinschaft. Das deutsche Judentum leidet schon seit Jahrzehnten unter einem Zustand, den ich als die „Krankheit der Zivilisation" bezeichne und dem ich kürzlich eine kleine Schrift gewidmet habe (erschienen 1934 bei Müller & Steinicke in München). Ihre Erscheinungen kann man an der Geschichte des römischen Reiches der Antike, aber auch beim deutschen Volke oder bei anderen Nationen der modernen, abendländischen Welt studieren. Das deutsche Judentum scheint jedoch unter allen Völkern am schwersten von dieser Heimsuchung betroffen zu sein. Wie alle anderen Krankheiten so tut sich auch dieses Leiden in einer Reihe gesetzmäßig auftretender Symptome kund und es ist bemerkenswert, daß diese Zeichen von der rassischen Eigenart und der geographischen Situation des betroffenen Volkes unabhängig sind. Das Krankheitsbild ist — wo es auch immer auftreten mag — stets gleichartig aufgebaut. Zu seinen Symptomen rechnen wir unter anderem den Geburtenrückgang, den Verfall der Ehe, die Emanzipation der Frau und die Selbstmorde. Aber auch die „Inflation der Bildung", d. h. der Andrang zu den Mittel- und Hochschulen und zu den akademischen Berufen gehört hierher. Endlich ist noch der Erziehungsschwierigkeiten der Jugend und ihrer Folgen, nämlich der Nervosität des Kindes, zu gedenken. Mit dieser Aufzählung haben wir aber nur eine Auswahl wichtiger Einzelzüge, nicht aber iein Gesamtbild der Erkrankung gegeben. Zum mindesten müßte noch an die Landflucht und an den Drang zum großstädtischen Dasein erinnert werden. Die deutschen Juden sind von all diesen Erscheinungen stärker in Mitleidenschaft gezogen als die übrige Bevölkerung. Allgemein bekannt ist diese Tatsache für den Geburtenrückgang und für ein Phänomen wie die Überschätzung der akademischen und der anderen, vorwiegend auf geistiger Grundlage ruhenden, Berufe. Aber auch bei den übrigen Symptomen läßt sich eine überdurchschnittliche Beteiligung der Juden erweisen. Obwohl die Statistik in Fragen der Erziehung versagt, möchte ich auf Grund eigener Erfahrungen doch behaupten, daß die pädagogischen Schwierigkeiten bei der jüdischen Jugend gewisser Bevölkerungskreise größere sind als bei der Jugend der entsprechenden Schichten unserer deutschen Umwelt. Daher hört man so oft JÜDISCHER K1ILTÜRBÜKD IX BAYERN Bis 1. Mai: Itessingsaal: Graphische Ausstellung jüdischer Künstler, 16. April: Museum: Lieder- und Kammermusik abend Mai: Museum: Bunter heiterer Abend

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.