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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-03-15 · 6 (15.3.1934) · p. Seite 118

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
6 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
Seite 118 (sequence 14)
Language
German
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118 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 kehren will, ist längst allgemein anerkannt. Auf eine systematische Darstellung der Grammatik folgt eine Menge von Beispielen (Übungen), die gut in die Ideenwelt des Volkes einführen, alles in methodischem Nacheinander vom Einfachen zum Schwierigen. Kein arabischer Dialekt hat bis jetzt eine so sorgfältige Beschreibung erfahren. Arabische Buchstaben sind durchgehends vermieden. Das Buch kann nachdrücklich empfohlen werden. Mehr als sein praktischer Gebrauch interessiert uns hier die sprachwissenschaftliche Seite. Ohne eine nur in langen Jahren (nicht in einer Schnellsohlerei) erwerbbare Kenntnis des Altarabischen wird man (ähnlich wie beim Hebräischen) in den Aufbau der neuarabischen Dialekte schwer eindringen. Die arabischen Dialekte weisen, worüber uns unser verewigter Lehrer Bergsträsser unterrichtet hat, nur geringe Spuren fremden Einflusses auf, obwohl sich das Arabische, getragen von einer oft nur dünnen Schicht arabischer Eroberer, über ein gewaltiges Ländergebiet ausgebreitet und an die Stelle der einheimischen Sprachen gesetzt hat. Diese Vitalität erklärt sich (nach Bergsträsser) aus dem Uberlegenheitsgefühl und dem nie ganz abreißenden kulturellen Zusammenhang, die beide die Wirkung des Islam waren. Als Repräsentant der östlichen Dialekte (der arabischen Großstädte von Ägypten- Vorderindien) hat Bergsträsser in seiner bekannten „Einführung in die semitischen Sprachen (München, Hueber 1928) den arabischen Dialekt von Kairo für seine Sprachproben gewählt und ihm einen der Beduinendialekte, die dem Altarabischen noch am nächsten stehen, gegenübergestellt. Den östlichen Dialekten gegenüber gehören die westlichen enger zusammen, am bezeichnendsten das Marokkanische. Wirklich zum Leben kommen diese arabischen Mundarten in ihren charakteristischen Verschiedenheiten erst, wenn man sie hört oder in den ursprünglichen Schriftzeichen lesen kann. Das in Palästina gesprochene Arabisch ist eine Kultursprache ersten Ranges; ihre Erlernung und Pflege lohnt sich nicht nur praktisch. Man gewinnt mit der Kenntnis des palästinensischen Arabisch tiefen Einblick in das wahre Wesen der eingeborenen Bevölkerung im Heiligen Land, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten von ihren Führern zum Selbstbewußtsein gebracht wird. F. Jesuitenpater Jakob Overmans über deutsch-iüdische Schriftsteller. In der Nummer 4 der bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung gelangten drei Abschnitte aus dem neuen Buche von Max Brod, „Die Frau, die nicht enttäuscht", zum Abdruck, das die einführenden Worte der Schriftleitung treffend als ein ausgedehntes Gesprächsbuch über unsere gegenwärtige deutsch-iüdische Situation, und zwar unsere geistige bezeichnen. Es wird daher den Leserkreis dieser Blätter interessieren, daß der Jesuitenpater Overmans in einem Aufsatz, „Nationale Grundlagen deutscher Dichtung", den er im letzten Oktoberheft der angesehenen katholischen Monatsschrift „Stimmen der Zeit" (Verlag Herder in Freiburg i. Br.) veröffentlichte, zu ganz ähnlichen Feststellungen gelangt, wie sie Brod formuliert. Auch Overmans weist ähnlich wie Brod, der auf das Merkwürdige hinweist, daß Schumann so viele Texte von Heine komponiert hat, auf die Tatsache hin, daß es bei aller Verschiedenheit der deutschen und der jüdischen Seele doch auch einen gemeinsamen Besitz geben muß. Die Darlegungen des Jesuitenpaters verdienen wörtlich angeführt zu werden: „Wenn innerhalb des Deutschtums Gegensätze wie Schwarzwäldler und Hinterpommern. Aachener und Aliensteiner, Katholiken. Protestanten aller Richtungen, Freireligiöse, Gottesleugner und Anhänger noch vieler anderer Lebensauffassungen.Platz haben, läßt sich schwerlich behaupten, ein Franzose wie Chamisso oder ein Jude wie Heine könne nicht aus echt deutschem Empfinden schreiben. Tatsächlich haben denn auch hervorragende Deutsche bezeugt, daß sie in manchen Werkeln jüdischer Verfasiser an nichts Jüdisches erinnert werden. Herder fragt in seiner ,Adrastea' in dem Abschnitt über die Bekehrung der Juden: «Wer denkt bei Spinozas, Mendelsohns. Herz' philosophischen Schriften daran, daß sie von Juden geschrieben wurden? » Der jüdische Schriftsteller des Schwarzwaldlebens. Berthold Auerbach, war «stolz darauf, von Jakob Grimm als deutscher Dichter anerkannt zu sein» (Heyman Steinthal, am 3. Oktober 1890 an Gustav Glogau). Sogar Adolf Bartels (Jüdische Herkunft und Literaturwissenschaft, Leipzig 1925) gesteht, daß die Überzeugung, einen judenstämmigen Schriftsteller vor sich zu haben — etwa Karl Emil Franzos, Max Bewer, Walter Flex —, seine antisemitische Seele gar nicht immer empöre, ja, daß von ihnen sein deutsches Empfinden oft angenehm berührt werde." Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher. Die Jüdische Buch-Vereinigung, die unter Förderung und Mitwirkung maßgebender jüdischer Organisationen gegründet worden ist, legt jetzt ihr Buchprogramm für das erste Jahr vor. An erster Stelle steht der große neue Roman von Georg Hermann „Eine Zeit stirb t", der schon Anfang März erscheint. Darin wird die jüdische Gesellschaft des bürgerlichen Zeitalters geschildert Von besonderer Bedeutung ist die Herausgabe der jüdischen Bibel in deutscher Sprache, die von den bedeutendsten Kennern in jahrelanger Arbeit verfaßt worden ist. In diesem Jahr soll der 1. Band, enthaltend das Pentateuch und das Buch der Richter, erscheinen. Daran schließt sich ein Palästina-Buch, in dem, mit einem erläuternden Text, eine Fülle neuaufgenommener und fesselnder Photos des gelobten Landes enthalten sind. Aber auch unserer deutschen Vergangenheit soll ein dauerndes Denkmal gesetzt werden. Professor Dr. Ismar Elbogen verfaßt auf Grund der neuesten Forschungen die mit Spannung erwartete „Geschichte der Juden inDeutschland", die es bis jetzt, von einigen veralteten Darstellungen abgesehen, noch nicht gibt. Der Mitgliedsbeitrag beträgt monatlich nur RM. 1.—, wofür diese vier Bücher geliefert werden. Dazu wird eine einmalige Einschreibegebühr von RM. —.25 erhoben. Anmeldungen sind an die Jüdische Buch-Vereinigung, Berlin W 15, Pariser Straße 7, zu richten. ODEN Werkstätfe Frau MICHAEL EYER MÜNCHEN Christophstraße Nr. 10/1 Tel. 27045 Handschuhe LOHR am <5attler&ergl Sfirflenyetocrftr.ll 3ad?gemdfie £ant>tDerttar&elt (fein p f u f <&!). 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