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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-03-15 · 6 (15.3.1934) · p. Seite 109

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
6 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 109 ren Bedürfnissen Rechnung. Die Herbstsaison soll ein Oratorium von Händel für Soli, Chor und Orchester unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Erck bringen. Die dem Orchester angeschlossene Chorgruppe ist gegründet. Naturgemäß kann die Darbietung von Opernaufführungen, ganz abgesehen von der Lokalfrage, schon mit Rücksicht auf den Umfang der erforderlichen Vorbereitung erst für später in Aussicht gestellt werden. Ein Schauspielensemble jüdischer Kräfte ist jedoch in Bildung begriffen. Auch der bildenden Kunst ist ihr kulturelles Recht gewahrt. Schon in nächster Zeit soll in München eine Ausstellung künstlerisch wertvoller Kultgegenstände unter dem Titel „Purim und Pesach" stattfinden, außerdem ist eine Ausstellung graphischer Werke bayerischer jüdischer Künstler in Vorbereitung. Diese beiden Ausstellungen sind als Wanderausstellungen für ganz Bayern gedacht. Ein künstlerisch hochstehendes Marionettentheater unter Leitung von Marie Luise Göhn wartet ebenfalls auf Gelegenheit, sich vorstellen zu dürfen. Herstellung und Verkauf von Postkarten nach Werken jüdischer Künstler ist geplant neben Atelierbesuchen, Führungen usw. Dies unser Programm, für die nächste Zeit, wobei im besonderen der sozialen Pflicht den einheimischen Künstlern gegenüber Rechnung getragen wird. Münchens Ruf als erste deutsche Kunststadt legt die Verpflichtung auf, daß die Leistungen des Jüdischen Kulturbundes in Bayern hochgestellten künstlerischen und wissenschaftlichen Richtlinien entsprechen. Es versteht sich daher, daß auch auswärtige hervorragende Kräfte mit herangezogen werden. EUGEN SCHWARZ MÜNCHEN, Domfreiheit, nächst der Kaufingerstraße Seit nahezu 50 Jahren rühmlichst bekannte Bezugsquelle für KOLONIALWAREN UND KONSERVEN aller Art vorzügliche Qualitäten und dabei stet preiswürdig. Versand in München und Umgebung frei ins Haus; nach auswärts erfolgt die Lieferung von Frachtgutsendungen von RM. 25.— an frachtfrei jeder südbayer. Bahnstation. Preisliste steht gerne zu Diensten. Tel.92631 Um diese Aufgabe zu verwirklichen, ist jedoch die Mitarbeit aller jüdischen Kreise unbedingt erforderlich. Der Jüdische Kulturbund in Bayern ist kein Verein, zu welchem lediglich ein Scherflein beizutragen ist, er erfordert vielmehr die tätige Mitarbeit und das Interesse jedes einzelnen. Es muß für jeden Juden Ehrenpflicht sein, die Veranstaltungen des Kulturbunds, besonders in den schweren Zeiten seines Aufbaus durch eifrigen Besuch zu unterstützen. Im besonderen sei auf die kulturelle Pflicht hingewiesen, die für die kommende Herbstsaison vorgesehenen Abonnements so zahlreich wie möglich zu übernehmen, damit jener unentbehrliche finanzielle Grundstock geschaffen wird, der es uns erst ermöglicht, schrittweise auch zu größeren Aufgaben, wie z. B. zum Engagement auswärtiger jüdischer Opern- und Schauspielerensembles überzugehen. Wer den Jüdischen Kulturbund fördert, leistet auch selbst wertvolle Kulturarbeit. Zu allen Zeiten hatten die Juden einen offenen Blick für kulturelle Belange. Nun gilt es, dies durch die Tat aufs Neue zu beweisen! Helft! Dr. F r i t z B a 11 i n. Ansprache, gehalfen bei der Einweihungsfeier des Jüdischen Kulturbundes in Bayern in der Synagoge zu München am 4. März 1934 Von Dr. Alfred Neumeyer Meine Verehrten! In den Parkanlagen einer mächtig aufstrebenden süddeutschen Stadt habe ich vor einigen Jahren in Stein gemeißelt die Worte von Hölderlin gelesen: „Nicht in der Blüte und Purpurtraube ist heilige Kraft allein, Es nährt das Leben vom Leid sich." Die Schau des Dichters rührt an den Grund der Dinge und reicht in die Zeiten. Als ich vor kurzem die Worte wiedergefunden habe, war ich tief betroffen von der Aktualität, die sie für unsere Zeit haben. Die jüdische Geschichte unserer Tage wächst in Leid und nährt sich vom Leid. Wir wissen nicht, welche Bedeutung unsere Zeit im Weltenplan hat. Zu kurz ist die Strecke des Weges, die wir überblicken können. Da tönen, diesem Gotteshause vertraut, andere Lieder an unser Ohr, die Klagegesänge des Hiob und die Rhythmen der Psalmen. Auch sie sprechen von Leid, aber sie überwinden das Leid, wenn sie künden: Meine Zuflucht ist der Herr, der die Zeiten lenket. Wenden wir uns von der Dichtkunst zur bildenden Kunst, so treten uns zwei gewaltige Gestalten entgegen, unserer Gemeinschaft freundlich gesinnt. Sie haben unser Gedankengut zur künstlerischen Vollendung gebracht: Michelangelo und Rembrandt. Wer je in Rom gewesen ist, kennt die Deckengemälde der Sixtina, wohl die höchste und kühnste Schöpfung der neueren Kunst. Da schauen die Propheten auf uns herab, wunderbar gestaltet, eindringlich und packend sondergleichen, lehrend und mahnend, tröstend und verheißend, sie, die Führer der Menschheit zum Dienst Gottes in Innerlichkeit und Herzensfrömmigkeit. An anderer Stätte: Moses mit dem gewaltigen Barte, wie er ergrimmt über den Abfall seines Volkes vom Sitze aufspringen will. Man hat gesagt, daß der Künstler in

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