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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-03-15 · 6 (15.3.1934) · p. Seite 106

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
6 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Die natürliche Bevölkerungsbewegung: 1933 dreimal soviel Todesfälle wie Geburten Natürliche Bewegung: Geburten Todesfälle Sterbeaberschuß Knaben Mädch. zus. Männer Frauen zus. Männer Frauen insg. 1929 131 126 257 187 216 403 56 90 146 1930 128 108 236 190 185 375 62 67 139 1931 96 93 190 177 178 355 80 85 165 1932 60 67 127 159 169 328 99 102 201 1933 52 54 106 168 163 331 116 109 225 468 448 916 881 911 1792 413 463 876 Eine Gegenüberstellung der Geburten und der Todesfälle zeigt ein geradezu erschütterndes Bild, das dadurch noch schwärzer wird, weil sich schon vor Beginn des politischen Umschwunges eine dauernde Verschlechterung ergibt. War 1929 das Verhältnis von Geburten zu Todesfällen noch wie 6.5 zu 10, so sank es 1933 auf fast 3 zu 10, also trotz Rückgangs der Todesfälle fast unter die Hälfte. Die Geburten haben dabei den stärksten Rückgang im Jahre 1932, obwohl die Zahl der Eheschließungen in der ganzen Zeit sich nur verhältnismäßig wenig vermindert hat. Bei dem G e - schlecht der Neugeborenen ist auffallend, daß in den beiden letzten Jahren, in denen die Geburten stark gesunken sind, ein M ä d c h e n ü b e r s c h u ß besteht, während in den drei vorhergehenden Jahren z. T. beträchtlicher Überschuß der Knaben festzustellen ist. Die Todesfälle zeigen immerhin 1932 gegenüber 1929 einen Rückgang um fast 20 Prozent. Im Jahre 1933 allerdings ist wieder eine leichte Erhöhung festzustellen, die nicht zuletzt auf die in diesem Jahre wesentlich erhöhte Zahl der Selbstmorde zurückgeht. Neben der natürlichen Bewegung der Bevölkerung wird die Vergrößerung und Verkleinerung der Frankfurter Gemeinde durch Eintritte und Austritte bestimmt. Auch diese Entwicklung bedeutet eine wesentliche Verminderung der Zahl der Gemeindemitglieder. Entsprechend der rechtlichen Lage in Preußen unterscheidet die Frankfurter Statistik zwischen Austritten aus der Gemeinde und aus dem Judentum. Bei den ersteren sind die Austretenden zum Teil noch Mitglied anderer jüdischen Gemeinden geblieben. Die Triebfeder dazu dürfte zum Teil in prinzipiellen Gründen, mehr aber in finanziellen liegen, wie dies etwa auch bei den Kirchen zu beobachten ist. Dabei ist interessant, daß die Austritte aus der Gemeinde seit 1930 dauernd z u - rückgehen und insbesondere in den letzten Monaten 1933 keine Bedeutung mehr haben, da es sich fast nur um Mitglieder anderer jüdischer Gemeinden handelt. Insgesamt gehörten in den fünf Jahren von 439 Ausgetretenen 160 anderen Gemeinden an, 1933 von 34 Ausgetretenen 29. Dagegen hat sich die Kurve der aus dem Judentum Ausgetretenen genau umgekehrt verhalten. 1929 und 1930 spielten diese, die dem Judentum ganz den Rücken kehren, überhaupt keine Rolle. Seit 1931 steigt die Zahl und erreicht im Frühjahr 1933 noch der nationalen Revolution ihren Höhepunkt. Während nun diese aus dem Judentum Ausgetretenen zum größeren Teil aus Frauen besteht, es sich also offenbar um den jüdischen Teil von Mischehen handelt, sind unter den aus der Gemeinde Ausgetretenen die Männer in der Mehrzahl. In der Zahl der Wiedereintritte fällt zunächst das Jahr 1933 auf, wo diejenigen erscheinen, die wieder zum Judentum zurückgefunden haben. Hier handelt es sich vorwiegend um M ä n n e r , ebenso wie bei den Wiedereintritten in die Gemeinde. Dagegen bestehen die Aufnahmen Andersgläubiger in das Judentum fast nur aus Frauen, zumeist füher evangelischer Konfession, die vor ihrer Verheiratung den Glauben ihres Mannes angenommen haben. Die Zahl macht durchschnittlich fast 20 Prozent der unter Mitwirkung der Gemeinde abgeschlossenen Ehen aus. Im ganzen ist in den letzten beiden Jahren die Verminderung der Gemeinde durch den Überschuß der Austritte über die Eintritte rückläufig; die Ziffer für 1933 ist weitaus die geringste der fünf Jahre. Der dritte, ziffernmäßig ausschlaggebende Faktor für die Verminderung der jüdischen ürtvölkerung in Deutschland ist der Überschuß der Abwanderung über die Zuwanderung. Wir folgen wieder dem Frankfurter Statistiker: 1933 ging der größere Teil der Auswanderung natürlich nach dem Ausland, und zwar ziemlich genau 70 Prozent. Die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung Frankfurts war bis zum Beginn der Krise fast ganz das Ergebnis des Zuzugs von außerhalb, der den Bevölkerungsunterschuß und den Austrittsüberschuß mehr als ausglich. So ist das Jahr 1929, das einen ganz kleinen Überschuß von wegziehendenMännern, aber noch von zuziehenden Frauen aufweist, offenbar das erste, das die Änderung anbahnt. Wenn zunächst wohl auch fluktuierende Elemente an der erhöhten Abwanderung beteiligt sind, werden später auch andere Schichten erfaßt, zu denen arbeitslose junge Menschen gehören, die zu ihrer Familie zurückkehren, so daß sich auch leichte Anzeichen einer Rückwanderung aufs Land erkennen lassen. Nach der sehr lebhaften Wanderungsbewegung des Jahres 1930, des ersten schweren wirtschaftlichen und politischen Krisenjahres, tritt eine Beruhigung ein, bei der sowohl Zuwie Abwanderung wie auch der Überschuß zurückgehen. So ist der Wegzug von Männern 1932 geringer als 1929, allerdings die Wanderung von Frauen wesentlich höher. Die Ereignisse des Jahres 1933 verändern dann alles von Grund auf. Der Zuzug geht auf die Hälfte zurück, der Wegzug steigt — nach den vorliegenden unvollständigen Ziffern — um 17 Prozent, so daß der Bevölkerungsverlust fast so groß ist wie in den drei vorhergehenden Jahren. Die drei Quellen des Verlustes zeigt die Frankfurter Statistik in der folgenden höchst beredten Tabelle:

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