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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-02-15 · 4 (15.2.1934) · p. Seite 61

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
4 (15.2.1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 61 (sequence 1)
Language
German
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Februar 1934 — Ein Kapitel, über die Begabung der Jüdin für die Schauspielkunst — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde München — Der Jüdische Kulturbund in Bayern ins Leben gerufen — Aus der Gemeinde Augsburg — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des. Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Empfehlungsverträge mit Versicherungsgesellschaften — Bekanntmachung über Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Erlangen — Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Ergänzungswahlen für gemeindliche Ausschüsse — Bekanntmachung über Mazzoth- Versorgung. — Personalia. Salomon Schechfer Forscher und Führer Ja — ich weiß, woher ich stamme Ungesättigt gleich der Flamme Glüh ich und verzehr ich mich Licht wird alles was ich fasse Kohle alles was ich lasse Flamme bin ich sicherlich. Wer diesen Mann auch nur einmal im Leben sah, der hat ihn nie vergessen: den grauen Wald seiner wirren Haare, den breiten Hut und den wehenden Mantel, das tiefdurchfurchte Antlitz und das stählerne Feuer seiner blauen Augen, Mit dem Nürnberger Ratsherrn Hieronymus Holzschuher verglichen ihn seine Freunde, wie er auf Dürers Meisterbildnis immer noch lebt. Aber dieser Ratsherr hatte das Herz und die Leidenschaft eines Juden... und die Unrast, die seit je und je unser Schicksal kennzeichnet. Gewiß, Salomon Schechter, Universitätsdozent von Cambridge und später Leiter des Rabbinerseminars in New York war ein hochgelehrter Mann — einer der größten Gelehrten seiner Generation. Aber wenn man an ihn denkt, so sieht man nicht etwa das Studierzimmer in Cambridge oder in New York vor sich, wo die Bücher von allen Tischen und Stühlen purzeln — sondern man sieht den abenteuerlichen Entdeckungsreisenden im fliegenden Mantel, wie. er in der alten Synagoge von Kairo nach Handschriften gräbt wie andere Entdecker nach Gold und in der G e n i z a h unschätzbare Funde mit heim bringt. Schechter war kein „Korb voller Bücher" wie unsere Alten einen Bücherwurm spottend zu nennen pflegten; alles was er trieb, Denken, Suchen, Künden, wurde zur Leidenschaft: Flamme war er sicherlich... Es scheint, als ob dieses Menschen leidenschaftliche Seele sein Schicksal mit geformt hätte. Diesem großen Gelehrten war es beschieden, durch eine folgenschwere Entdeckung hebräischer Handschriften, die im Anbau einer alten Synagoge in Kairo vergraben waren (daher der Name Genizah, d. h. das Verborgene) allen Bibelforschern und Bibellesern unschätzbare. Dienste zu leisten. Aber wäre er nur Forscher und nur Gelehrter gewesen, so könnte sein Bild heute nicht mit der Lebendigkeit vor uns stehen, als ob er unter uns weilte und mit uns redete. Doch, aus dem Forscher ward der Führer, der Kämpfer für ein lebendiges Judentum in einer in dumpfem Schlafe befangenen Zeit; aus dem Gelehrten von Cambridge ward der Vorkämpfer des amerikanischen Judentums, der Leiter des Rabbiner-Seminars in New York, dessen Schüler noch heute mehr oder weniger der amerikanischen Judenheit ihr Gepräge geben. Darum begrüßen wir mit doppelter Freude eine höchst lebendige knappe Darstellung seines Lebens und Wirkens, die wir vor kurzem durch den auch bei uns wohlbekannten Norman Bentwich erhielten; durch dies Büchlein werden die früheren Bilder dieses Mannes, ganz besonders die schöne Schilderung seiner wissenschaftlichen Bedeutung durch Louis Ginsberg aufs Glücklichste ergänzt. Denn es ist auch für uns heute wichtig, diesen Unvergessenen heraufzubeschwören: hier ist der Fels, aus dem wir gemeißelt wurden, und aus diesem Urgestein jüdischen Wesens strömen lebendige Quellen der Kraft zu uns herüber — die wir heut all unsere Kraft brauchen. Schechter, der in der kleinen rumänischen Stadt Focsani 1847 geboren war, entstammte einem alten Geschlecht polnischer Chassidim; nicht umsonst hat er später dem Chassidismus eine seiner bedeutendsten Studien gewidmet. Aber seine wissenschaftliche Schulung erhielt er in Österreich und Deutschland, zumal in Berlin, wo damals eine Reihe der bedeutendsten jüdischen Forscher — Zunz, Berliner. Frankl — sich zusammengefunden hatten. Es ist von hohem Reiz, wenn wir gerade jetzt durch die Lebenserinnerungen von Schemaria Levin einmal wieder hören, wie für den Ostjuden in jenen Jahrzehnten Deutschland oder Österreich geradezu den Begriff des „Paradieses auf Erden" verkörperten. „Lernen, Lernen!", das wollten sie alle, die damals wie einst Moses Mendelssohn durchs Rosenthaler Tor in Berlin einzogen. Aber hier scheiden sich die Wege. Kü&ifnjer muttutbunD in töapern: fröffntmssfotwtf, Sonntag, 25.jfeoruar in der Hauptsynagoge (Soli — Orchester — Orgel)

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