Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 3 (1.2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Februar 1934 Nummer 3 Inhalt: Zusammenhalt der Familie und neue Formeln der Geselligkeit — Richtlinien für jüdische Volksschulen — Spuren eines verschollenen Brauches — Ein neues Lehrbuch für den sytematischen Religionsunterricht — Ein bedeutsames Werk: Ausbau der jüdischen Darlehenskassen in Deutschland — „Die Flora der Juden" — „Die Frau, die nicht enttäuscht" — Auf der Suche nach dem Wesen des Judentums — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Bücherschau — Personalia. Zusammenhalt der Familie und neue Formen der Oeseiligkeit Aufgaben der jüdischen Frau in de r G e g e n wart Einem Bericht über die Delegiertentagung des Jüdischen Frauenbundes im Januar in Berlin entnehmen wir: In der Eröffnungssitzung, die von Frau Paula Ollendorff geleitet wurde, wurde die satzungsgemäß alle vier Jahre zu wiederholende Neuwahl des Vorstandes und die Wahl einer Bundesvorsitzenden vorgenommen. Dieses Amt, das zunächst von der Begründerin des Bundes Frau Bertha Pappenheim zwanzig Jahre lang, und seit dem Jahre 1924 von Bettina Brenner bekleidet worden war. fiel diesmal an Frau Ottilie Schönewald, Bochum. Zur zweiten Vorsitzenden wurde Frau Prof. Dr. Cora Berliner gewählt, außerdem wurden in den Bundesvorstand neu entsandt: Frau Böhme, der die Eingliederung d-er berufstätigen Frauen in den J. F. B. obliegen wird, Frau Wachsmann (Breslau) und Frau Bertha Fraenkel (München). Aus einem Referat Dr. Margarete Berents über Frauenarbeit in kleinen Gemeinden und ergänzenden Ausführungen anderer Delegierten ging hervor, daß die Frauen und die Frauenvereine vielfach als Träger der Wohlfahrtspflege und der kulturellen Aufgaben der Gemeinden anzusehen sind, wenn auch mitunter Vereine sich ihren neuen Aufgaben noch nicht gewachsen zeigen. Besonders schwierig ist die Frage des Nachwuchses; meist zieht die Jugend fort. Andererseits kommen gerade heute auch geistig lebendige junge Frauen und Mädchen zu Kursen oder zu Berufszwecken in kleine Gemeinden, und Frauen, die bisher mir interkonfessionell gearbeitet haben, suchen Anschluß an jüdische Vereine. Über die Verpflichtung der Ortsgruppen des Jüdischen Frauenbundes, Kleingemeinden den für sie wichtigen Zusammenhang und das Zusammenhalten mit einer benachbarten Großgemeinde zu erleichtern, sprach Frau Clara Samuel, die den Ortsgruppen die Aufgabe zuwies, als überparteiliche Gemeinschaft von Müttern und Erzieherinnen Zelle kulturellen und religiösen Lebens zu sein. Fräulein Böhme sprach für die innerhalb des Berliner Verbandes neugebildete Gruppe berufstätiger Frauen. Andere Gruppen aus dem Reich berichteten von ihren Erfahrungen auf diesem Gebiet. Stärker als bisher soll der J. F. B. zu einer Interessenvertretung der berufstätigen Frauen werden und ihnen die von ihnen heute gesuchte geistige Heimat bieten, die ihnen auch die für sie vielfach neue geistig-jüdische Welt allmählich erschließen kann. Aus der Fachtagung über hauswirtschaitliehe Ausbildung ist besonders der Antrag hervorzuheben, der weiblichen jüdischen Jugend nach ihrer Schulentlassung ein hauswirtschaftliches Lehrjahr zu ermöglichen. Über den Verlauf der Fachbesprechuug berichtete der Delegiertentagung Frau Liegner (Breslau). Sie unterstrich die besondere Verpflichtung der jüdischen Hausfrauen zur Anlernling und Anstellung jüdischer Mädchen und forderte Fachausschüsse für Hausfraueninteressen in den Ortsgruppen. In einem Referat über Berufsumschichtung wies Frau Bertha Falkenberg (Berlin) darauf hin, daß in den Berufen der Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen, der technischen und Volksschullehrerinnen sich schon jetzt ein Mangel an gutem jüdischem Nachwuchs zu zeigen beginnt. Hier werde vom J. F. B. gemeinsam mit anderen zentralen Organisationen für gute, den jüdischen Berufsansprüchen gemäße Alisbildungsmöglichkeiten zu sorgen sein. Die Delegiertentagung befaßte sich auch mit der Frage, ob die jüdische Familie dahin zu beeinflussen sei. sich von den Kindern zu trennen, um diese in neuer Umgebung vielleicht unbefangener, unbeschwerter aufwachsen zu lassen, als dies mancherorts möglich ist, oder ob den Kindern im Kreise ihrer Familie trotz dieser Erschwerungen eine besonders sorgsame jüdische Erziehung zu geben ist. Hierzu wurde folgende Resolution gefaßt: „Die 12. Delegiertentagung des J.F.B, im Januar 1934 in Berlin bringt zum Ausdruck, daß der Zusammenhalt der Familie gerade in heutiger Zeit die stärkste Stütze für Kinder und Eltern bedeutet. Deshalb ist die Trennung von Eltern und Kindern ein Entschluß von größter Tragweite, der erst nach eingehender, ernster Überlegung, Beratung und Prüfung gefaßt werden kann» UDei&ejtunDe in Der Sjmagoge / Jlläfjeres im Innern Des (Blattes/ Seife si