Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 24 (15.12.1933)
- Date
- 1933-12-15
- Page
- Seite 393 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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i^oycnftfjc J|caditt)dje «Bcmcmöcjeiiung nadfüdfttnblatt öec Jftaeltöftfjen £ultu*gemrin6eit in iltän^at/^fug^bitg/^om^ecg und de* Öecbandc* i&ayerifcfjct Sftoelftffc^et Gemeinden Erscheint am 1. u. 15. Jeden Monats.—Verlag: B. Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Plinganserstr. 64, Tel. 73 6 64 u. 73 6 65. Postscheck München 39 87, Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach anfliegendem Tarif. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. IX. Jahrgang München, 15. Dezember 1933 Nummer 24 Inhalt: Chanukkah — Mo'os Zur — „Jüdische Eigenschaften" — des Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung Uber die Chanukkah-Melodie — Aus dem Verbände — Aus der über Ersatzwahl — Bekanntmachungen der Israelitischen Kul- Gemeinde. München — Aus bayerischen Gemeinden — Büchertusgemeinde München: Bekanntmachung über Ersatzwahl — schau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbän- Personalia Chanukkah „Die, welche die heimischen Ehren für nichts geachtet hatten, die hellenischen Anschauungen dagegen für wunderschön hielten, gerieten dafür in eine schlimme Lage; die, deren Sitten sie nacheiferten und denen sie es in allem gleichtun wollten, wurden jetzt ihre Feinde und Bestraf er." II. Makkabäerbuch 4, 15 u. 16. „In jenen Tagen gingen aus Israel Söhne, die sich nicht an das Gesetz hielten (uiol JtaQavofxoij hervor; die überredeten viele, indem sie sprachen: Laßt uns doch mit den Völkern, die rings um uns sind, zusammenwirken (öia&a>|x&da Sia{hfi>a|v)! Denn seitdem wir von ihnen getrennt sind, hat uns viel Unglück betroffen." I. Makkabäerbuch 1, 11. Das Lichtwunder bei der Tempelweihe ist zum tragenden, ja alleinigen Symbol des Chanukkahfestes von unseren Weisen erhoben worden. 'Die Mischna1 behandelt unser Fest überhaupt nicht, während sie dem Purimf est einen ganzen Traktat von vier Kapiteln widmet. In der Gemora (Schabbos 21 f.) wird auf die Frage: Was ist Chanukkah? nichts von den makkabäischen Kämpfen und Siegen, sondern einzig von dem Wunder des Leuchters erzählt.2 Die später hälachisch kodifizierte Anordnung lautet: Diese Tage sollen „Tage des Dankes und Preises", aber nicht wie Purim „Tage des Gastmahls", also der Feste und Schmausereien sein. Eine Chaniukkäh-Mahlzeit alsSe'udathmizzwoh gibt es nicht (siehe Orach Chajim '§ 670, Abs. 2). Das Judentum hat y 1 Das die Chanukkah-Lampe streifende, mit Flachs beladene Kamel in dem zivilrechtlichen Traktat Baba-qamma VI, 6 wird ■ man kaumals Erwähnung gelten lassen. 2 Mit unzweifelhafter Deutlichkeit geben über das, was dem rabbinischen Judentum Chanukkah bedeutet, die berühmten Blätter 21a—24b des angeführten Traktates Sabbat aus dem babylonischen Talmud Auskunft. das Fest nur als „Tempelweihfest", nicht als nationalen Feiertag rezipiert. Von seinem historisch-nationalen Ursprung hat das halachische Judentum unser Fest so gut wie ganz losgelöst, es „theologisiert". Eine Umwertung und Aktualisierung hat erst die neueste Zeit, vor allem unter nationalen Einflüssen, gebracht. Die historischen Vorgänge der nationalen Befreiung werden nun in den Vordergrund gerückt, die rabbinische Institution der Pflicht des Lichtentzündens und der Einschaltung des Al-hanissim in das Gebet erlebt einen Bedeutungswandel. Neben den Talmudtraktat Schabbos und den Schulchan-Aruch über Chanukkah werden die dem alten talmudischen Judentum unbekannten, nicht in die Bibel aufgenommenen Makkabäer-Bücher der Septuaginta gestellt. Die Altertumsforschung entdeckte die Welt des Hellenismus und gewann damit Klarheit über Entstehung, Wesen und geschichtliche Bedeutung des Makkabäerstaates. Die weltpolitischen Zusammenhänge wurden erkannt: Zunächst Palästina als die Brücke zwischen den Weltreichen des Orients und dem Reich der Pharaonen und somit dazu bestimmt, ein ständiger Zankapfel zwischen den großen Rivalen ,zu sein. Auf seinem Boden wurden Entscheidungsschlachten geschlagen, und durch seine Grenzen gingen die Heereszüge; das ist das Schicksal des Landes bis 1918 geblieben. Bei dem Bauernaufstand der Frommen unter der Führung des Hasmonäers Judas Makkabäus und seiner Brüder, die in einem 26jährigen Krieg (167—141) dem Vaterland die religiöse und politische Freiheit erkämptten, handelte es sich weltpolitisch um Folgendes: Der Tempelgott des ethischen Spiritualismus sollte Zeus weichen im Interesse der Einheit der nun die ganze Mittelmeerwelt und Vorderasien beherrschenden helle-