Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- Würzburger Nachrichtenblatt Nr. 4 (1.11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14. Würzburger Nachrichtenblatt Nr.,4 Sondern Gott weiß, am Tag, da ihr davon esset, gehn eure Augen auf, und ihr seid wie Gott, erkennend Gut und Böse. Das Weib sah, köstlich war der Bäum zur Speise, und eine Wollust den Augen, und' Berückend, des Baumes innesein. So nahm sie von seiner Frucht und aß, und. gab auch ihrem Mann mit ihr, und er aß. Da gingen ihnen beiden die Augen auf, und sie erkannten: sie waren nackend. Da flochten sie Feigenlaub und machten sich Schurze. Anmerkung: Wir werden es zu ermöglichen suchen, jeweils aus den sabbatlichen Thorav<jrlesungen Auszüge in der dichterischen Form der beiden Meister in der Ubersetzung zu bringen. B. Zum Gedächtnis Wie wir in voriger Nummer schon berichteten, hat das Hinscheiden A1 fr. B'raun.schweigers tiefe Trauer in unserer Gemeinde ausgelöst. Einer seiner ältesten Freunde, Buchhändler L. Lazarus, widmete ihm im Trauerhause am Sonntag, 15. Oktober, nach dem Abendgebet hohe Freundesworte, die wir in ihrer ergreifenden Form hier wiedergeben möchten: Mit Freund Alfred Braunschweiger sank ein Mensch ins Grab, der noch seinen Idealen lebte und der dabei doch bis vor kurzer Zeit vom frühen Morgen bis spät in die Nacht arbeitete, wirkte und schaffte, und Schonung nicht für sich kannte. Innige Liebe verband ihn seit Jahrzehnten mit seiner Frau und seinen Kindern. Ihm war das Wort „Jude" kein leeres Wort, er kannte das Wesen des Judentums, er wußte, daß wir nun einmal, ob wir wollen oder nicht, mit eisernen Ketten zusammengeschmiedet sind, zu einer Leidensgemeinschaft und: weil: er den wirklichen Kern des Judentums erfaßte und es liebte, deshalb trat er für das Judentum ein, mit seiner ganzen Kraft* mit seinem organisatorischen Talent, für Verband, Gemeinde, Spital, Landesheim und Loge. Sein, eigentliches Werk schuf er aus kleinen Anfängen heraus, es wuchs empor und dann kamen die ernsten Tage der Prüfung. Während sonst jeder Bedrückte erzählen will von sich, wissen will, daß man mit ihm fühlt und ihn versteht, blieb Freund Braunschweiger verschlossen und verzagte nicht. Und nun sollte er in ein fremdes Land ziehen, eine neue Aufgabe erfüllen, er freute sich auf dieselbe und war wieder ein ganz anderer geworden. Da verließ ihn plötzlich und unerwartet das Leben, das ihm Ruhe und Frieden schenken wollte. n»3 wntö '2tm na dtx?x (En Odom mes, wachazi Jauwossow B'jodau) „Kein Mensch stirbt, der auch nur die Hälfte seiner Wünsche befriedigt gesehen hätte." So kam auch seine Stunde — Viel Schönes hatte er in seinem Leben, vieles, was ihn erheben und erfreuen durfte. Wie stark war seine Begeisterung von Jugend an für Kunst Und Musik, wie liebte-er'beides und welch innigen Anteil "nahm der begabte Freund an allen literarischen und geistigen Strömungen der Zeit. Not, Sorge und Kummer blieb jedoch nicht aus, der Freund blieb standhaft und sprach mit Hiob: „Warum sollen wir Menschen nur das Gute von Gott annehmen und nicht auch das Böse." Fast könnte es, wie eine besondere Gnade scheinen, daß vor dem neuen Lebenskampf, denn hart und bitter ist jetzt das Leben geworden, G'tt ihn das Lied der Ewigkeit lauschen läßt. Der Faden seines Schicksals ist nun zerschnitten, das Leben erstarrt, die Lippen sind verstummt und der Mund öffnet sich nicht mehr zu einem freundlichen Wort. Jetzt steht der Freund hinter jenen dunklen Toren, hinter denen Großes und Unsagbares wohnt, jenes wundersame Geheimnis, das wir Menschen nie ergründen werden. G'tt hat ihn zu sich genommen, wir aber, seine langjährigen Freunde, wollen ihn nie vergessen. Wahr werde des Dichters Wort: Was wir bergen In den Särgen, Ist der Erde gleich, Was wir lieben Ist geblieben, Bleibt in Ewigkeit. Zur Beachtung dringend empfohlen Als der Verlag der Bayerischen Israelit. Gemeindezeitung sich entschloß, ein „Würzburger. Nachrichtenblatt" herauszubringen, glaubte er damit einem schon lange vorhandenen und gerade heute besonders deutlich fühlbaren Bedürfnis zu entsprechen. Stellt doch das „Würzburger Nachrichtenblatt" wohl die einzige Möglichkeit der Veröffentlichung der heute für jeden Angehörigen der jüdischen Kultusgemeinde wichtigen Mitteilungen und Bekanntmachungen der Stellen und Organisationen der jüdischen Kultusgemeinde dar. Auch eine Geschäftsanzeige im lokalen jüdischen Nachrichtenblatt wird heute, wie die Erfahrungen in einer Reihe anderer Gemeinden erwiesen haben, bedeutend größere Beachtung finden wie jemals früher. Trotz allem blieb bisher die Zahl der Abonnenten erheblich hinter den Erwartungen zurück und dies, obwohl der Bezugspreis von jährlich RM. 6.— für beide Zeitungen zusammen denkbar niedrig und für jeden tragbar erscheinen dürfte. Wir hoffen, daß das Erscheinen des vorwiegend im Interesse der Kultusmitglieder ins Leben gerufenen „Würzburger Nachrichtenblattes" nicht durch Interesselosigkeit gefährdet wird und fordern nochmals höfl. zum Bezug des Blattes und zur Insertion durch unsere Geschäftsstelle. Sieboldstraße 3K\ auf. Verlag der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung, Die Geschäftsstelle Würzburg