Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- Würzburger Nachrichtenblatt Nr. 4 (1.11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 13 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kfucjbucgcc Harfpiffyf enftlatt JDücjbucgct Beiblatt ttt i5ayenfcf)cn JftatUtf jtyen (Scmcinöcstitung Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats. — Verlag: B. Heller, München, Geschäftsstelle: Würzburg, Sieboldstraße 3%, Telephon 46 45. 1933 Unsere Patriarchengeschichte Von A. Mannheimer in Dettelbach Wir lesen gegenwärtig das 1. Buch Moses, das nebst dem Schöpfungsbericht vor allem unsere Patriarchengeschichte enthält: Wenn letztere bis auf Sem, den Sohn Noas zurückgreift, so ist das eigentlich unsere Rassengeschichte. Es ist<nicht unsere Schuld, wenn wir diese Bezeichnung gebrauchen. Sie klingt hochmodern. Wenn der Antisemitismus sich, wörtlich übersetzt, als Gegner der Semiten aufwirft, so muß gesagt werden, daß dies -doch eine ominöse Deklaration ist. Was ist eigentlich von „Sem" uns bekannt? Daß er eine Blöße, diesichderVater einstinschwacher Stunde gegeben, mit dem Mantel kindlicher Liebe und Ehrfurcht zudeckte. Sonst nichts! Soll das was Entehrendes oder Schandbares sein? - In epischer Breite wird bis zum Schlüsse des ersten Buches Moses vom Leben Abrahams, Isaks und Jakobs erzählt. Jede Gestalt einem Edelstein gleich, der in immer neuen, schöneren Farben sein Licht bricht, nach welcher Seite auch man ihn drehen und wenden mag. Sprechen wir von Abraham: Welch edler Mensch, der in heißem Gebet, unaufgefordert, um die Begnadigung der heidnischen Sodomiter ringt und dabei Töne anschlägt, als handle es sich um die nächsten Verwandten. Und wie nimmt er sich der unschuldig Gefangenen an, für deren Befreiung er „weder einen Faden noch einen Schuhriemen" nehmen möchte. „Du sollst nicht sagen, ich habe den Abraham reich gemacht! Ach, wie modern mutet uns solch eine Abweisung und deren Begründung an! — Beim Streite mit den Hirten Lots will der Friedliebende von dem einfachsten „Abwehrmittel" Gebrauch machen: Ausweichen, Ausweichen nach rechts oder auch nach links. „W irsind dochBrüde r!" Wie kindlich das lautet, wie ergreifend schön. Nach dem Midrasch habe Abraham nicht eine eigentliche Trennung von Lot im Auge gehabt. Ich bleibe dir zur Rechten oder zur Linken, meinte der Patriarch, um stets in der Nähe zu weilen und hilfsbereit zu stehen. Und wirklich brauchte Lot bald den Beistand des Onkels. Wie aber entstand jener Streit? Die Sache lag doch nicht so einfach. Es handelte sich nicht um die fettesten Weidegründe der Gegend. Die Hirten Lots seien „Bösewichte" gewesen, so der Midrasch. Sie ließen ihr Vieh auf fremden Feldern Futter suchen und begründeten es damit, das Land bekomme ja doch später einmal Abraham und in der Folge Lot. Mithin sei das kein Raub. Dagegen opponierten Abrahams Knechte: Jetzt Bezugspreis für beide Zeitungen zusammen RM. 1.50 für das Vierteljahr, RM. 6.— für das ganze Jahr. Nummer 4 gehört der Boden noch nicht euch; seine Benützung ist Diebstahl, ist Raub. Der erste Jude ereifert sich also wegen des von ihm getadelten Diebstahls eines Maul's voll Futter auf vermeintlich fremdem Eigentum! Mögen die wenigen Stichproben zur Aneiferung genügen, die Patriarchengeschichte mit warmem jüdischen Herzen zu lesen und zu bewerten. ■ : : . a Die f ünf B ü c h e r der Weisung DasBuch: IM ANFANG aus der Verdeutschung von Martin Buber gemeinsam mit FranzRosenzweig Aus dem 1. Kap. „Die Schöpfung". ImAnfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und die Erde war Wirrnis und Wüste. Finsternis allüber Abgrund. Braus Gottes brütend allüber den Wassern. Da sprach Gott: Licht werde! Und Licht ward. Und Gott sah das Licht, daß es gut war. So schied Gott zwischen dem Licht und der Finsternis. Dem Licht rief Gott: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht! Abend ward und Morgen ward: Ein Tag. Aus dem 3. Kap. Die Schlange war listiger als alle Tiere des Felds, die ER, Gott, gemacht hatte. Sie sprach zum Weib: Und obschon Gott sagte: Eßt nicht von allen Bäumen des Gartens ...! Das Weib sprach zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten mögen wir essen, aber von der Frucht des Baums mitten im Garten, von der sprach Gott: Ihr sollt von ihr nicht essen noch daran rühren, daß ihr nicht sterbet. Die Schlange sprach zum Weib: Nicht werdet ihr des Todes sterben. Würzburg, 1. November 1933