Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 20 (15.10.1933)
- Date
- 1933-10-15
- Page
- Seite 323 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 323 geben werden; die Anzahl der Bilder, die sonst seine Blätter schmückte, mußte wesentlich eingeschränkt werden. Da aber kehrte der Jüdische Kalender zu seinem alten Handwerk zurück: zum Wort. Und es zeigte sich, daß hier und nur hier für uns vorläufig der Weg zum Verständnis unseres jüdischen Schicksals liegt. Es will mir vorkommen, als ob die beiden Herausgeberinnen, deren geschmackvolle und kundige Auswahltätigkeit man aus den früheren Kalendern kennt, in diesem Jahre noch sicherer aus der unerschöpflichen Fülle unseres geistigen Erbes wählten als bisher. — Oder ist das nur darum, weil jedes Wort unserer Propheten und Midraschin heute von uns so tief erlebt, mit unserem Herzblut aufgenommen wird wie nie zuvor? — Vergangenheit spricht' zu uns mit ehernen Zungen; neben ihr haben es die jüdischen Führer und Führerinnen der Gegenwart nicht leicht, mit ihren Worten durchzudringen. Aber auch unter ihnen begegnet uns manches kraftvolle und zu Herzen gehende Wort; es zeugt davon, daß diese Männer, deren zielbewußtes Handeln wir in diesen Monaten so schmerzlich und oft vermißt haben, den Sinn des Tages dennoch voll erfaßten. Am tiefsten von allen Gegenwartsstimmen klingt das Wort der Margarete Sußmann im Herzen wieder, das den „harten unerbittlichen Sinn des jüdischen Daseins seit der Zerstörung des Tempels, in dem die größte Schwäche und die größte Kraft des jüdischen Menschen eins sind", darin erkennt: „was von unten, von der Natur, von der Schöpfungsordnung aus den Juden als Parasiten der andern Völker erscheinen läßt, das drückt ihm von oben, von der Offenbarungsordnung aus immer erneut das Siegel seiner göttlichen Bestimmung auf----" Ein Wort unseres unvergeßlichen Chaim Arlosoroff aus dem „Jüdischen Volkssozialismus" begleitet uns in den Frühling neuer Arbeit für unser Volk, den er beginnen und nicht vollenden durfte. — Auch die Stimmen der „Frommen unter den Völkern" klingen uns tröstlich ins Ohr. Herders stolze Worte über die Jüdische Geschichte aus den „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" stehen neben den klugen Erkenntnissen des Historikers Schaeder von Esra dem Schreiber und seiner weltgeschichtlichen . und judengeschichtlichen Aufgabe. — Aber am dankbarsten war ich den beiden Kalendermaeherinnen, als ich das ausdrucksvolle Bildnis der „Synagoge" vom Straßburger Münster dort fand und als Begleitmelodie die Worte des jungen deutschen Dichters Ernst Stadler, der ein Opfer des Weltkrieges geworden ist. und der den unbekannten Schöpfer des Bildwerks also sprechen läßt: Aber meine Seele, Schönheit ferner Kindertage und mein tiefverstecktes Leben Hab ich der Besiegten, der Verstoßenen gegeben.......... Daß wunderbar in Gottes Brudernähe Von Niedrigkeit umglänzt ihr reines Bildnis stehe... B. B. St. Geschäftsnachrichten Zur Beachtung! Familien- und sonstige Gelegenheitsanzeigen für die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" werden auch im Buchladen der Ewer-Buchhandlung. Ottostraße 2 (nur persönlich, nicht telephonisch); entgegengenommen. Persönliche Beratung, Vorlage von Mustern und Größenangaben, sowie Preisen dortselbst bereitwilligst. Wegen Aufgabe von Geschäftsanzeigen wende man sich ausschließlich an den Verlag .B. Heller. Plinganserstraße 64, Tel. 73664 und 73665. Das bekannte und wegen seiner gepflegten Küche zu einer gewissen Berühmtheit gelangte Restaurant Schwarz, Schommerstraße 2, ist die älteste jüdische Gaststätte Münchens. Der Betrieb hält die gute Tradition handwerklichem! Könnens aufrecht: Ein Essen, das wohlschmeckend und bekömmlich ist, wie gepflegte Hauskost. Die verlangten Preise sind zeitentsprechend. — In den Nachmittagsstunden sowie abends ist ein angenehmer Kaffeehausbetrieb eingerichtet, in welchem eine reichhaltige Auswahl von Gebäck aus eigener Konditorei geboten wird. Gesonderte Räume für Bridge-Partien. Gesellschaften und Unterhaltung stehen ebenfalls zur Verfügung. Der Besuch dieser vorzüglichen Gaststätte und Kaffee kann wärmstens empfohlen werden. Die seit 43 Jahren bestehende Firma „Schuhhaus Dallmann". Reichenbachstraße 8, unterhält großes Lager in eleganten Schuhwaren, in Touren- und Eislaufstiefel. Für empfindliche Füße ist eine Extra-Abteilung in Reformschuhen von der einfachsten bis zur elegantesten Ausführung vorhanden. Für den in München zu schaffenden Zirkel jüdischer Zeitschriften, der voraussichtlich das „Israelitische Familienblatt", die „Jüdische Rundschau", „Zion", „Schild", „C.-V.-Zeitung", „Jüdisch-liberale Zeitung", „Israelit" und den „Morgen" enthalten soll, sind noch einige Anmeldungen notwendig, um den Bestand des Zeitschriftenzirkels zu verbürgen und den Preis recht niedrig zu halten. — Näheres im Anzeigenteil. Lloyd Triestino, Eillinie Triest—Palästina Um dem vielfach geäußerten Wunsch der Reisenden nachzukommen, daß die rituelle Kost reichlicher gestaltet werde, wurde für die Reisenden der dritten Klasse auf der Palästina- Linie folgendes Menu eingeführt: zum Frühstück Tee, Brot und Marmelade, zum Mittagessen Suppe oder Risotto oder Teigspeise, Braten mit Beilagen, Salat, Obst. Tee und Brot. zum Abendessen eingekochte Suppe, Braten oder Fisch mit Beilagen, Gefrorenes oder Süßspeise, Obst oder Kompott. Am Samstag erfährt das Mittagessen durch ein Eiergericht und eine Süßspeise und das Abendessen durch eine kalte Platte als Vorspeise eine Bereicherung. Diese in der Verpflegung durchgeführten Verbesserungen werden sicherlich zur Befriedigung der Passagiere beitragen, um dadurch die Uberfahrt nach Palästina angenehm zu gestalten. Das Hotel Esplanade in Budapest liegt gegenüber dem bekannten St. Lukasbad. Es enthält 190 Zimmer mit Zentralheizung, warmem und kaltem fließenden Wasser, Lift usw. 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