Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 20 (15.10.1933)
- Date
- 1933-10-15
- Page
- Seite 322 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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322 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 20 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Utjßlfddcr CjnMf. fltündjen. im9lomntal An die jüdischen Teilnehmer an militärischen Aktionen nach dem Kriege! Teilnehmer an den Kämpfen gegen Spartakus in Bayern, Ruhrgebiet, Oberschlesien und im Baltikum sind nach der 3. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 9. Mai 1933, § 3, Nr. 3, Absatz 3, den Frontkämpfern des Weltkrieges gleichgestellt. Der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten sammelt auch diese Kämpfer in seinen Reihen, um ihre Rechte tatkräftig zu wahren. Wir bitten die jüdischen Teilnehmer ah den oben bezeichneten Kämpfen, uns ihre Anschrift unter Angabe ihrer militärischen Leistungen zu übersenden. Diejenigen Kameraden, die seinerzeit Angehörige des Freikorps Epp waren, machen wir überdies darauf aufmerksam, daß siesichlauteiner Ankündigung in der Tagespresse bis spätes t e n s 2 0. OktoberbeiFinanzobersekretär Bolte, München 9, Reger platz 9/IIL anmeldensollen. Willkommene Verwendung jüdischer musikalischer Lehrkräfte aus Deutschland Das unter der Direktion des früheren Leiters des Budapester Streichquartetts Emil Hauser stehende Jerusalemer Konservatorium für Musik und dramatische Kunst versendet seinen Prospekt, in dem die Anstalt als ein Erziehungsinstitut bezeichnet wird, in dem „Lehrer mit langjähriger Erfahrung unter besonderer Berücksichtigung des Unterrichts für Kinder arbeiten wollen". Dem Lehrkörper gehören zahlreiche deutsche Juden an. Klavier werden die Berliner Franz Osborn, Frau Towa Berlin und Frau Sara Polonska unterrichten; der ehemalige städtische Dirigent von Baden-Baden Karl Salomon. der auch in Berlin! und Hamburg als Opern- und Konzertsänger aufgetreten ist, leitet den Unterricht in Vokalmusik und Stimmbildung. Mimik und Schauspielskunst lehrt Benno Frankel, ehemals Schillertheater in Hamburg, Lehrer für Violine sind Frl. WGnil Trikotagen, Strumpfwaren, Strickwaren, Wäsche, Wolle, Bleyle, Ribana, Prof. Dr. Jaeger, Kübler-Stnckhosen, Juvena d.nnnurxu. ADOLPH SCHLESINGER ^, Manchen, PrielmayerstraBe 12 ^^^^^^^5r Zeitgemäße Preis elt Jenny Sohmenzler und Wolfgang Schocken, Allgemeine musikalische Bildung und Rhythmik werden von Frl. K. Jakob, früher Lehrerin an der Hochschule für Musik in Berlin, unterrichtet. Hans Eisenstadt aus Frankfurt a. M. ist Lehrer für Flöte, R. Sullmanini für Gitarre. Das Konservatorium wird außerdem volkstümliche Kurse, Vorträge und Konzerte veranstalten. Bücherschau Erich Przywara S. J., Analogia entis. Metaphysik I. Prinzip. München (Kösel u. Pustet) 1932. Es ist schlechthin unmöglich, in einem abgekürzten Verfahren dem fachphilosophisch nicht durchgebildeten Laien einen Begriff von diesem wichtigen, den Interessen des Tages gänzlich abgewandten Buch zu geben^ Auch wenn man das Vorwort des Verfassers oder die Verlagsankündigung ausschriebe, käme man einem wirklichen Verständnis der Aufgabe, die sich das Werk stellt, nicht näher. Balduin Schwarz hat es (in der Vierteljahrsschrift „Der katholische Gedanke" VI. 3; S. 299 f.) in bewundernswerter Weise fertig gebracht, die absichtliche Absperrung des Autors von seinen Lesern zu durchbrechen. Denn Przywara hätte seine Grundlegung der Metaphysik geradesogut in der Sprache von Thomas von Aquino schreiben können. Die entscheidende Distinktion etwa zwischen Sosein und Dasein wird doch noch exakter durch reine Wiedergabe der Gedankengänge in lateinischer Sprache herausgestellt, wenn auch meistens, wie beispielsweise bei der Analogia-Problematik des Aristoteles, selbst das Lateinische zur Erhellung versagen müßte. Ohne ein polyglottes Vokabular ist mit den meisten Teilen nur bei angestrengtester Erarbeitung jedes Satzes in lückenloser Aufeinanderfolge etwas anzufangen; nur durch geduldige Auflösung der Chiffern und Formeln dringt man zum Kern. Es handelt sich bei der Analogia entis um den Grad der Ähnlichkeit zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf, und zwar um eine quasi-mathematische Ableitung dieser Ähnlichkeit. Indem Przywara die klassischen Analogie-Spekulationen bei Plato, Aristoteles, Augustinus und Thomas schulmäßig, ohne erleichternde synonyme Erklärung, durchinterpretiert, kommt er zu dem Ergebnis einer größeren Unähnlichkeit als Ähnlichkeit zwischen Gott und der menschlichen Kreatur. Dieses Resultat ist aber unendlich weniger wichtig als der modus procedenti, auf dem er dazu gelangt. Die Sprachmittel der Gedankenexplikation sind das Faszinierende. — Für einen jüdischen Leser, der einen Talmudtext — aber exakt — schlackenlos, gedanklich und grammatikalisch lesen kann, wäre hier wieder ein echtes Lesen, das heißt ein „Lernen" im alten Sinn möglich. Zwischen Lesen und Lesen ist eben ein himmelweiter Unterschied. Przywaras neues Buch ist ein zeitloses philosophisches Kompendium, das man weit von jeder philosophischen Zeitliteratur — mag sie auch von Scheler oder Heidegger geschrieben sein — wegstellen muß. es ist eine geistige Ubungsschule von hohen Graden. Darüber hinaus wird hier wieder das echte Kriterium des Wissenschaftscharakters nicht nur der Metaphysik sichtbar, nachdem wir in den ..Geisteswissenschaften", vor allem in der Philosophie, in ein hoffnungsloses Gestrüpp unkontrollierter. Heichgültiger Meinungen geraten sind. Wenn der Wert eines Buches an der geistigen Anstrengung seines Autors gemessen würde, so wäre, der Wert des ersten Teils der Analosri'q entis dem ' der kostbarsten mittelalterlichen vioctorhandschriften eleichzusetzen. die die Bewunderung der Mitwelt noch erregen werden, wenn unser zeitgenössisches Schrifttum läntrst snurlos in Staub versunken ist hoffentlich auch oime Rückstand im geistigen Bestand einer kommenden EDoche. F. Ein Dokument jüdischer Zeitgeschichte. Das Jahr des Jüdischen Frauenbundes. 5694—1933/34. 8. Jahrgang. Dem uns seit manchem Jahr wohlbekannten Kalender des Jüdischen Frauenbundes scheint es in diesem Jahr ergangen zu sein wie einst dem Palmbaum in der Herderschen Erzäh-, lung: man beschwerte den Baum noch als zarten Keim mit einem Felsblock und glaubte sein Wachstum vereitelt — aber der Baum wuchs hoch hinauf und trug den Felsblock mit sich zu den Wolken. — Unter schwersten Bedingungen ist dieser Kalender entstanden. Ein ursprünglicher Plan mußte aufge-