Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- Würzburger Nachrichtenblatt Nr. 3 (15.10.1933)
- Date
- 1933-10-15
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HJuts&ucgec HodjnrijtcntjJott MJücä&utßec $d&(att &ti Ü5ayedfdfcn dfzattittfäm (SemdnÖcjdfung Erscheint am l.u. 15. jeden Monats. — Verlag: B.Heller, München, I Bezugspreis für beide Zeitungen zusammen RM. 1.50 für das Geschäftsstelle: Würzburg, Sieboldstraße 3%, Telephon 46 45. | Vierteljahr, RM. 6.— für das ganze Jahr. 1933 . . Würzburg, 15. Oktober 1933 Nummer 3 Nach den Feiertagen Wenn diese Nummer in die Hände unserer Leser gelangt, sind die Feiertage vorüber und der Alltag ist wieder in seine Rechte .getreten. Beim Rückblick auf den Festmonat erfüllen uns zwei Gedanken, die schon beide in den Gebeten des Sukkosfestes zum Ausdruck, gekommen sind und alter jüdischer Betrachtungsweise entsprechen: Dank und Gebet. Wir danken G'tt, daß Er uns in unseren Sorgen eine ruhige, freudige Feier unserer Feste ermöglicht hat, an denen wir uns an all das erinnern konnten, was G'tt uns in den Festen des Herbstes an ewigen Zeugnissen und Denkmälern gestiftet hat. Der frohe Ausklang im Simchas-Thorafest ließ den Sinn aller Feste noch einmal an uns vorüberziehen. Und mit Gebet treten wir nun in den Winter. Wir beten und bitten um die Kraft, jetzt im Alltagsleben das verwirklichen zu können, was die Feiertage an frommen Vorsätzen in uns geweckt haben. Tiefer und jüdischer als sonst haben wir wohl diesmal alle die Feste erlebt. Aber es ist zu befürchten, daß. die doch durch äußere Eindrücke erzengte Hochstimmung mit dem Schwinden der Feste wieder verfliegen wird. Dem gilt es vorzubeugen und das können wir, wenn wir in allabendlichen Erinnerungsstunden im häuslichen Kreise unserer Familien und Freunde noch einmal an die Erlebnisse und Eindrücke unserer Feste denken. Nicht umsonst ist der jetzt beginnende Monat Marcheschwan ohne Feier. Er ist der Einnerung gewidmet, damit wir ohne neue Eindrücke Zeit und Kraft finden, die alten zu verarbeiten und zu verwirklichen. Die Geschichte unserer Stammväter führt er uns vor Augen, damit wir unser Leben nach dem ihrigen gestalten. Sie waren Israel stets richtungsweisend und können und sollen es auch uns sein. Mit diesem Gedanken und der Erinnerung an die Feste treten wir in den Winter, hoffend, ihn gut zu überstehen, damit wir an seinem Ende in der .gleichen Ruhe und stillen Freude das Pessachfest feiern können. A. Zum Gedächtnis Im Alter von. 55 Jahren verschied am vergangenen Montag Herr Kommerzienrat Alfred Braunschweiger an einem Herzschlag und wurde unter großer Anteilnahme seitens der ganzen Gemeinde am Mittwoch, den 11. Oktober, auf dem hiesigen Friedhof bestattet. Herr Rabbiner Dr. Hanover widmete dem Heimgegangenen sichtlich ergriffen tiefgefühlte Worte des Gedächtnisses und des Dankes im Namen der Gemeinde, der Vereine und Verbände, denen der Verblichene seine Arbeitskraft .gewidmet hatte und gab dem schmerzlichen Bedauern Ausdruck, daß ein Mann dieser Geistesgaben und Charaktereigenschaften so frühzeitig von der Schwere der Zeit dahingerafft wurde. Herr Justizrat Dr. Haas gedachte des heimgegangenen langjährigen Mitglieds der Verwaltung sowohl im Namen der Gemeinde wie auch im Namen des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden, dem Kommerzienrat Braunschweiger in führender Stellung angehört hatte, mit herzlichen Dankesworten und erinnerte an die seiner Anregung entsprossenen Schöpfungen! in der Gemeinde. Die Schaffung der neuen Friedhofhalle, die Reorganisation des gesamten Sekretariats und des Finanzbetriebes der hiesigen Gemeinde, die Entstehung des Ehrenfriedhofs für Gefallene, die Renovierung der Synagoge in Heidingsfeld, die Verbindung des Jüdischen Landeshedms mit dem Kranken- und Pfründnerhaus, alles dies ist mit zum großen Teil nicht zuletzt der Initiative Braunschweigers zuzuschredbea Redner kennzeichnete die Wertschätzung des Verstorbenen in den Kreisen des Verbands, durch die Bekanntgabe des von dessen Präsidenten eingetroffenen Beileidschreibens. Mit den nächsten Angehörigen und all den Mitgliedern der von ihm betreuten Institutionen trauert ein großer Kreis von treuen ihm innig verbunden gewesenen Freunden. B. Notiz Zu unserer Notiz in der vorigen Nummer „Gemeinde-Sukkoh betreffend", ersucht Herr Schulleiter Hellmann um Richtigstellung dahin, daß nicht ihm, sondern den Herren Lehrer Roberg und Grünf e 1 d der Dank der Verwaltung für Aufstellung und Ausschmückung der Gemeinde-Sukkoh zukäme. Wir entsprechen hiemit diesem dringenden Wunsche. Wir machen höfl. darauf aufmerksam, daß durch ein Versehen .der Geschäftsstelle die Abonnements-Quittungen für das 3. Quartal ausgestellt wurden, während es richtig heißen soll „für das 4. Quartal 1933". Eine Berechnung für die Belieferung der Zeitung vorl. Oktober findet also nicht statt * Wir bitten bei dieser Gelegenheit beachten) zu wollen, daß bei dem verbilligten Abonnement die Zustellungsgebühr mit 20 Pfg. pro Vierteljahr berechnet werden muß, da sonst nicht einmal die reinen Auslagen des Verlags gedeckt wären. Das gewöhnliche Abonnement für beide Zeitungen zusammen kostet RM. 1.50 für das Vierteljahr. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Beratung und Wirtschaftshilfe, Wurzburg Sprechstunden: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 11—1 Uhr, Kettengasse (Sitzungssaal). Es mehren sich die Fälle, in denen bei der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft für Beratung und Wirtschaftshilfe zu vermietende Zimmer angemeldet werden, in der Hoffnung, diese durch die Vermittlung der Geschäftsstelle besetzen zu können. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß dem regen Angebot infolge der allgemeinen Verhältnisse nur eine recht geringe Nachfrage gegenübersteht. Es besteht daher die Gefahr, daß viele Wohnungsinhaber, die hoffen, wie bisher ihre selbständige Wohnung durch Vermietung einzelner Zimmer halten zu können, sich in dieser Erwartung getäuscht sehen. Wir wiederholen deshalb die bereits ergangene Anregung, sich der Vermittlung unserer Geschäftsstelle, zur Zusammenlegung bisher selbständiger Haushaltungen zum Zwecke der Einsparung von Mietkösten, zu bedienen. * Die Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft für Beratung und Wirtschaftshilfe vermittelt qualifizierte Kräfte aller Berufe, (Büro- und Verkaufskräfte, Hausangestellte), sowie Gelegenheitsarbeiten (Schreibmaschinenarbeit, Adressenschreiben. Besorgung von Gängen, Austragen von Drucksachen usw.). Lehrvorträge Herr Rabbiner Dr. Hanover: Allsabbatiich Gemoro Schiur, abends 8 Uhr, Bibrästraße 17. Herr Dr. Auerbach: AllsabbatKch 16 Uhr, Domerschulstr. 19. Herr Lehrer Roberg:. Samstag abends 7.30 Uhr, Domerschulstraße 19. Herr Lehrer, i. R. Oppenheimer: Allsabbatlich 2.45 Uhr: Aus der Thoravorlesung des Tages, Bibrastraße 17.