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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-10-15 · 20 (15.10.1933) · p. Seite 320

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
20 (15.10.1933)
Date
1933-10-15
Page
Seite 320 (sequence 8)
Language
German
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320 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 20 Zum Heimgang des Chofez Chaim der größten rabbinischen Auforifäf unserer Zeit Am 14. September ist in Radin, einem Städtchen bei Wilna, der „Baal"Chofez Chaim", Rabbi Israel Meir Hakohen. die größte rabbinische Autorität unserer Zeit, im Alter von 93 Jahren gestorben. Das Begräbnis fand am 17. September in Radin statt.! ' '~ Der Tod dieses Bedeutendsten unter den „Gedole ha-dor" ruft uns schmerzlich in Erinnerung, daß es in unserer Epoche keine Autorität innerhalb des deutschen orthodoxen Judentums gibt, welche schwierige Fragen des „Din" (der religiösen Pflichtenlehre), zwar streng nach der Thora, aber in einem den Zeitverhältnissen entsprechenden Sinn, im Interesse der Erhaltung des Judentums, neu zu beantworten wagte. Der „Baal Chofez Chaim", wie er im Hinblick auf sein großes Werk über jüdisches Leben, das seinen Ruhm begründet hatte, im Volksmund allgemein genannt wurde, genoß bei der orthodoxen Judenheit der ganzen Welt höchstes Ansehen. Er lebte in äußerster Zurückgezogenheit. Einfachheit und Demut und lehnte alle Ehrungen ab. Niemals hatte er ein offizielles Amt als Rabbiner bekleidet und für seine rabbinische Tätigkeit niemals Entgelt angenommen. Er pflegte das ganze Land zu bereisen, alle jüdischen Städte und Städtchen zu besuchen und dort zur Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Lehre seine Bücher zu dem Preise, der ihm gerade geboten wurde, zu verkaufen. Im übrigen erwarb er sich seinen Lebensunterhalt als Kleinkrämer. Als er sich das erste Mal in Radin niederließ, eröffnete er einen Heringsladen, später eine Gewürzkrämerei Als er sah, daß alle Juden der Stadt seine Kunden wurden und andere Kaufleute darunter Schaden litten, gab er den Laden auf und begann wieder, das Land mit seinen Büchern zu bereisen. Auf das Drängen der Juden von Radin, die darauf bestanden, daß er, wenn er unter ihnen lebe, auch ihr Rabbi sein müsse, nahm er diese Stellung unter zwei Bedingungen an: erstens, daß er keinerlei Gehalt von der Gemeinde beziehe und zweitens, daß seine religiösen Entscheidungen für alle bindend sein müßten. Als einmal ein Radiner Jude sich weigerte, das Urteil des Chofez Chaim anzuerkennen, sandte dieser seinen Rabbinerkontrakt sofort der Gemeinde zurück und übernahm seitdem das Amt nicht mehr. Von jüdischen Organisationen schloß sich der Chofez Chaim bloß der Agudas Jisroel, zu deren rabbinischem Rat er gehörte, an. Sehr tief war seine Verbundenheit mit Palästina; wiederholt hatte er erwogen, sich dort dauernd niederzulassen. Bekannt ist der ausgezeichnete Einfluß seiner bedeutenden Persönlichkeit auf die polnischen Regierungsmaßnahmen bezüglich der Juden. Als die Regierung einen „Bildungszensus" für die Rabbiner nach westlichem Vorbild plant, versteht er es, die drohende Gefahr abzuwenden. Der greise Rabbi hat in Warschau eine Audienz beim Ministerpräsidenten. .Der Minister ist überwältigt von der Persönlichkeit und den Worten des alten Rabbi. Wie er über Polen denke, fragt er ihn. ..Im Midrasch heißt es," sagt Rabbi Israel Meier, ..dem Perserkönig Cyrus war es gegönnt, den Tempel auf Moria wieder aufzubauen, weil er um die Zerstörung des Tempels durch die Babylonier geweint hatte. Ich bin ein alter Tude mrd habe noch in meiner Jugend viele Tränen über die Zerstörung des polnischen Staates gewinnt, darum hat mich der liebe Gott den Wiederaufbau Polens erleben lassen..." Das eenlantp-Gesetz wurde aufgehoben, und man weiß in polnischen Kreisen, daß der Umschwung in der Taktik der Regierung zugunsten der Juden, der sich heute noch in erfreulicher Weise zeigt, von jener Audienz herrührte. Aus der Gemeinde München Die jüdische Volksschule in München Am Montag, den 9. Oktober, beriet der vom Vorstand einberufene Schulausschuß gemeinsam mit dem neuen Schul- und Ausbiidungsausschuß über die Fragen der iüdischen Volksschule. Die Aussprache war durch ein Expose vorbereitet, das die statistischen und finanziellen Unterlagen des Ausbaues der bisherigen Schule und einer Neuerrichtung in allen Einzelheiten ausbreitete. Die Beratung brachte völlige Klärung über die bestehenden Möglichkeiten unter den gegebenen Verhältnissen. Die Rechts- und Sachlage wurde nach allen Seiten erörtert. Die rasche und unbedingte Sicherstellung der Schulversorgung der jüdischen Jugend in München für alle in Frage kommenden Fälle wurde sodann einem engeren Ausschuß übertragen. Vertretung der , Jüdisch-liberalen Zeitung" in München Wir weisen unsere Leser darauf hin. daß die ..Jüdisch-liberale Zeitung" eine Vertretung in München hat, die Abonnementsbestellungen und Anzeigenaufträge entgegennimmt. Die Anschrift lautet: L. Murr, München, Agnesstraße 55. Hebräische Sprachkurse München Sonntag, den 15. Oktober, begann ein neuer Schnellkurs (Schnellkurs E), der einmal wöchentlich, Sonntag von 8—9 30 Uhr abends, stattfindet. In diesem sowie in allen anderen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenommen. Unte>rrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, Rckgb. 1. Stock. Näh- und Handarbeitskurse Der frühere reg& Besuch dieser Kurse macht es notwendig, diese statt einmal nunmehr zweimal wöchentlich, jeden Montag und Mittwoch von 6—9 Uhr, Klenzestraße 4/0, einzurichten. Die meisten Frauen sind heute zu Einsparungen gezwungen, wozu sie jede passende Gelengeheit gerne Denützen. Diese Kurse ermöglichen ihnen, ihre Kleider selbst anzufertigen, solche umzuarbeiten und mit kleinen Mitteln sich gut zu kleiden. Arme und Wohlhabende, ohne Unterschied, finden in den Kursen, die unentgeltlich sind, jede gewünschte Betätigung. Natürlich ist ein freiwilliger Beitrag zur Deckung der Kosten sehr erwünscht. Im H a n d a r b e i t s k u r s wird die Anfertigung von Pullovers. Jacken, Mützen, in Strick- und Häkelarbeit gezeigt, die eine billige, praktische Ergänzung der Kleidung bilden. Hüte könen angefertigt und solche früherer Jahrgänge umgearbeitet werden. Die Kurse dienen auch Erwerbszwecken, da" ihre Besucher Nötiges lernen zur Schaffung eines Nebenerwerbs. Nähere Ausklunft während der Kurse oder Telephon 52488. Aus der Gemeinde Augsburg Sprachkurse der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg Stundenplan: Neuhebräisch: I. Kurs Dienstag abend von 5.30—7 Uhr. II. Kurs Dienstag abend von 7.30—9 Uhr. III. Kurs Dienstag abend von 9—10.30 Uhr. Englisch: Anfänger-Kurs Sonntag morgen von 10—11.30 Uhr. 1. Fortgeschrittener Kurs Montag abend von 8.15—9.45 Uhr. 2. Fortgeschrittener Kurs Dienstag abend von 7—8.30 Uhr. Weiße Zähne Reiner Atem: Bi OX" ULTRA die sparsame I schäumende ' ZAHNPASTA mit biologischer Sauerstoff' Wirkung

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