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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-10-01 · 19 (1.10.1933) · p. Seite 303

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
19 (1.10.1933)
Date
1933-10-01
Page
Seite 303 (sequence 16)
Language
German
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Nie. 1;^ BayieriscHe Israelitische; Gemeindezeitung 303 ist von grundsätzlicher Bedeutung; es nimmt ausdrücklich auf. die übereinstimmende Auffassung des Herrn Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Bezug, enthält also die maßgebenden Richtlinien der Behandlung der Judenfrage i im Geschäftsleben. Das Schreiben lautet: - ': ' Der,Reichswirtschaftsminister. . , An den Deutschen Industrie- und Handelstag, Berlin.. Betr.: Judenfrage. Auf das >gefl. Schreiben vom 27. d. M. — VI 225/33 — erwidere ich ergebenst, daß ich eine Unterscheidung zwischen arischen' und., nicht arischen-oder nicht rein arischen Firmen innerhalb der Wirtschaft, insbesondere bei den Eingehen geschäftlicher. Beziehungen, nicht für durchführbar halte. Eine solche Unterscheidung mit dem Zwecke einer Boykottierung nicht arischer Firmen müßte notwendig zu erheblichen Störungen des wirtschaftlichen Wiederaufbaues führen, da ungünstige Rückwirkungen auf dem Arbeitsmarkt durch Betriebseinschränkungen der von dem Boykott betroffenen Firmen und deren Arbeitnehmer unvermeidbar wären. Im übrigen bin ich ebenso wie der Herr Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda der Auffassung, daß keine Veranlassung besteht, gegen eine Firma vorzugehen, solange ihre Inhaber nicht gegen gesetzliche Vorschriften oder gegen die Grundsätze der kaufmännischen Ehre verstoßen. gez. Dr. Schmitt. Gründung einer Jeschiwa in Fiume für deutsche Studierende -Rabbiner Dr. Joseph Breuer, der Leiter der Frankfurter Jeschiwa, hat eine Berufung als Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Fiume (Italien) erhalten und gedenkt der Berufung nach Sukoth Folge zu leisten. Mit dieser Berufung, ist die Gründung einer Jescliiwa daselbst verbunden, die als Stützpunkt für die Frankfurter Jeschiwa gedacht ist. Die Jeschiwa soll bereits Mitte Marscheschwan eröffnet werden. Sie will vor allem Bachurim aus Deutschland, die durch die Zeitverhältnisse sich veranlaßt sehen, Deutschland zu verlassen, die Möglichkeit geben,, im Geist der Frankfurter Jeschiwa ihren jüdischen Bildungsweg zurückzulegen und sich für einen künftigen Beruf vorzubereiten. Die Jeschiwa in Fiume gewährt gegebenenfalls den Schülern wirtschaftliche Erleichterung. Während der Jeschiwazeit vermittelt die Anstalt ihren Hörern kostenlos Unterricht in italienischer Sprache. Es ist ferner dafür Vorsorge getroffen, daß die Hörer nach erfolgreichem Besuch ebenfalls kostenlos die Bildungsanstalten Fiumes (Gymnasien usw.) besuchen oder in der dortigen Gewerbeschule ihre Ausbildung für einen Lebensberuf bis zum Abschluß der Ausbildung kostenlos erhalten können. Im Anschluß an die Jeschiwa ist die spätere Errichtung einer Hascharä für die Bachurim, die nach Erez Jisroel gehen wollen, ins Auge gefaßt. Da für den Anfang nur eine beschränkte Anzahl Aufnahme finden kann, wollen sich zunächst nur Schüler vom 17. Lebensjahr ab, die im Lernen keine Anfänger sind, melden. Die Anmeldungen sind umgehend an Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer, Frankfurt a.M., Rückertstraße 50, zu richten. Die Anmeldungen für die Frankfurter Jeschiwa bleiben durch die geplante Neugründung vollständig unberührt. Bücherschau Hugo Herrmann. Palästina, wie es wirklich ist. Mit 72 IllustraDioden und zwei Karten. Fiba Verlag, Wien-Leipzig 1933. „Mit aller Wärme, die aus innerstem Anteil an dem Schicksal seiner Volksgenossen kommt, aber keineswegs kritiklos betrachtet Herrmann Land und Leute. Er schildert die Reise, bespricht die Landschaft mit ihren starken Gegensätzen des Klimas und deir Bodenform, malt anschauliche Bilder der Städte, spricht sehr vorurteilslos und besonnen über die Araberfrage, die jüdischen Siedlungen, über das Wohnen, die" Verkehrsmittel, über kulturelle Dinge, volkswirtschaftliche Fragen, über Männer, Frauen) und Kinder. Er zieht auch die Nachbarländer in den Kreis seiner Betrachtung und gibt in einem Rückblick zusammenfassend Schlüsse und Folgerungen aus dem, was er sah, erfuhr und beobachtete. Ein Verzeichnis der hebräischen Ausdrücke, zwei Landkarten und eine reiche Fülle N vorzüglicher Photographien sind willkommene Beigaben. Das Buch, mit prüfender Überlegung,'mit sachlichstem Ernst geschrieben, unterrichtet vortrefflich über diese neue Welt am. Westufer des Jordan und.gibt über die erstaunliche Siedlungs-" arbeit, die dort in kurzer Zeit geleistet wurde, Auskunft." " .- Soweit der „Waschzettel", den der Verlag dem Buch: beigegeben hat. In Wirklichkeit bietet Hugo Herrmann mehr und weniger als in der Verlegeranzeige steht. Dieses neue Palästinabuch ist vor . allem von einem der begabtesten Prager Feuilletonisten verfaßt, die um der geistreichen Formulierung und der gelungenen Antithese willen der nüchternen Beschreibung in großem Bogen aus dem Wege gehen. Nur zwischen den Zeilen steht, wie sich auch im Heiligen Land der gewöhnliche Alltag ausnimmt. Der Verfasser ist ein Feind von Europa, ein Feind, der Philologen, er ist auch kein Freund der „Klaltuer" (die ehrenamtlich oder beruflich für die Interessen der Gesamtheit arbeiten), sein Herz gehört der großen Zukunft des Landes, das er wie kein anderer kennt und heiß liebt. So ist das neue Handbuch mit seinen 12 Kapiteln, die man in einem Zug liest, mehr als ein hinreißendes Propagandamittel; es ist die denkbar beste Einführung für die, die noch außen stehen, kritisch, bedenklich noch nicht Abschied nehmen können. Einem solchen mutmachenden, kenntnisreichen und witzigen Führer muß man dankbar sein. Sein Enthusiasmus, sein warmes Herz, sein heller Kopf und seine geschickte Feder machen ihn liebens- und empfehlenswerter als die meiste Literatur, die jetzt erscheint. Wir haben in einer der letzten Nummern dieses Blattes aus dem Buch von Herrmann den charakteristischen Abschnitt „Von der hebräischen Sprache in Palastina" abgedruckt. Die Juden in der Taschenspielerkunst. Von Günther Dammann. (Im Selbstverlage des Verfassers Günther Dammann, Berlin- Grunewald, Wißmanristr. 17. Preis RM. 2.45.) Als Mitarbeiter an „Winingers Große Jüdische Nationalbiographie" und als Amateurzauberkünstler wohl am besten dazu berufen, hat uns der Verfasser Lebensdaten und Schicksale von ca. 50 jüdischen Taschenspielern aufgezeichnet, beginnend mit dem 18. Jahrhundert und endend mit der Jetztzeit. Wenn man bedenkt, daß trotz der großen Anzahl von Büchern (etwa 8000) über Zauberkunst und Zauberkünstler last nie etwas über die Religionszugehörigkeit vermerkt ist, kann man ermessen, welch mühevoller Kleinarbeit es bedurfte, diese Biographien zusammenzustellen. Vorliegendes, mit einem Vorwort von Dr. Philipp eingeleitete Buch ist aber mehr als eine biographische Abhandlung. Mit jenen alten Magiern wie Philadelphus Philadelphia, „Professor" Compars Herrmann, Bellachini und anderen gewinnen wir Einblick in eine Welt voll Abenteuer und Romantik. Wir sehen, wie sie es, von Fürstlichkeiten hochgeachtet, zu Orden und Ehrenstellen brachten, wir erleben aber auch manch tragisches Geschick und Ende. Wir lernen auch die Lebensschicksale und Programmnummern der moderneren Taschenspieler des Varietes und Kabaretts kennen, als deren berühmtester Repräsentant heute noch der vor einigen Jahren in Amerika gestorbene Rabbinerssohn Erich Weiß (Harry Houdini) gilt, der Mann, den nichts fesseln konnte. Ein gutes Feld für die magische Kunst war und ist Deutschland, und hier haben auch fast alle großen Künstler längere Zeit gewirkt oder ihr Leben zugebracht Der vor wenigen Jahren in Leipzig zur letzten Ruhe gebettete „Chevalier" Ernst Thorn, dessen Leben recht abenteuerlich verlief, wird von vielen heute wirkenden Berufskünstlern und Amateuren als ihr Lehrer bezeichnet. Er war ebenso wie der im vergangenen Jahre hier in München verstorbene und als „Kartenkönig" bekannte Leopold Figner Ehrenmitglied des „Magischen Zirkels" Deutschland. Manches in dem Büchlein klingt anekdotenhaft und ist doch historische Wahrheit. Eine Unsumme von Tatkraft, Fleiß und Geschicklichkeit, steckt in dem Leben all dieser jüdischen Männer und vielleicht auch ein klein wenig Eitelkeit. Dr. Hans Katzenstein. Weiße Zähne Reiner Atem: ßi'OX' ULTRA die sparsame \ schäumende ZAHNPASTA mit biologischer. Sauerstoff' Wirkung

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