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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-10-01 · 19 (1.10.1933) · p. Seite 294

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
19 (1.10.1933)
Date
1933-10-01
Page
Seite 294 (sequence 2)
Language
German
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294 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 19 wo Charakter, Fleiß und Tüchtigkeit des deutschen Juden sich bewähren können, niemandem Brot nehmen, sondern andern Brot schaffen. Hierfür wie für alles das andere erhoffen wir den verständnisvollen Beistand der Behörden und die Achtung unserer niohtjüdischen Mitbürger, mit denen wir uns in der Liebe und Treue zu Deutschland begegnen. Wir bauen auf den lebendigen Gemeinschaftssinn und das Verantwortungsbewußtsein der deutschen Juden wie auch auf die opferwillige Hilfe unserer Brüder überall. Wir wollen zusammenstehen und im Vertrauen auf unseren Gott für die Ehre des jüdischen Namens arbeiten. Möge aus dem Leid dieser Tage das .Wesen des deutschen Juden neu erstehen! Die Reichsvertretung der deutschen Juden Leo Baeck . Otto Hirsch Siegfried Moses (Stuttgart) (Berlin) Rudolf Callniann (Köln), Jakob H of fma n n (Frankfurt a.M.), L e opo Id L a nde n b e r g e r (Nürnberg), Franz Meyer (Breslau), Julius L. S e 1 i g s o h n (Berlin), Heinrich Stahl (Berlin). Die Symbole des Laubhüttenfestes Von Rabbiner Dr. Stein (S chweinf urt) Die Religion Israels ist eine Religion der Symbole. Im besonderen ist das Sukkauth-Fest überaus reich an glücklichen Symbolen. In der Sukkoh, der Laubhütte, haben wir das Symbol des gefestigten Gottvertrauens, das uns ganz besonders in einer Zeit schwerer politischer und vor allem wirtschaftUcher Not so notwendig ist. „Nicht verzagen, nicht verzweifeln!" ist die Meinung der Sukkoh, durch deren Decke die Sterne des Himmels sichtbar werden als Mahner zur Hoffnung, zum Mut, als Anreger einer optimistischen, durch Gottesfurcht und Gottvertrauen begründeten Lebensanschauung. Der Feststrauß predigt uns die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Bevölkerungsgruppen, aller Berufsstände, aller politischen Vereinigungen zur Förderung der Menschheit und aller großen Menschheitsziele, aber auch zum Eintreten für die Lösung aller brennenden Fragen des Vaterlands und nicht zuletzt der Gemeinden, ob hoch oder nieder (Lulab und Bachweide), ob reich begabt und glücklich vom Schicksal ausgestattet oder ob bescheiden und anspruchslos (Ethrog und Myrte), keine Trennung, keine Scheidung, kein Fernbleiben und Stehenbleiben. Lautet doch ein gar schönes Wort des Talmud, es mögen die Trauben Gebete zu Gott emporsenden für die Blätter; denn wären nicht die Blätter (die große Menge), so gäbe es auch keine Trauben (Geistesgrößen); die unansehnüchen Blätter bilden den Wetterschutz der Trauben. Und um das Zusammenstehen der Völker aller, der gesamten Menschheit — zumal in einer drangvollen Zeit, wie die ist, in der wir leben, in der alle zum Zusammenschluß sich aufgefordert fühlen müssen, ganz besonders riinsichtlich der Gefahr des Bolschewismus — recht emdringlich zu gestalten, verlangte das Fest die Darbringung von 70 Stieren, die für alle Nationen der Welt, die man auf 70 berechnete, dargebracht wurden, um so den Gedanken der Solidarität aller Völker, aller Menschen zum Ausdruck zu bringen und zur uneingeschränkten Universalität anzuregen. Über diesen Gedanken und Gemeinschaftsinteressen der Menschheit vergißt das Fest aber auch nicht, sich mit seinen Symbolen um das Einzelschicksal zu kümmern. Diese Symbole verbieten hochgetriebenen Egoismus, aufgeblähten Stolz, ungesundes Strebertum; denn eine Sukkoh, die höher ist als 20 Ellen, ist unbrauchbar, kann das Wohlgefallen Gottes nicht finden. Nicht minder aber verbietet sie auch Gleichgültigkeit gegenüber unserem Schicksal, ungesunde Selbstzufriedenheit; denn auch eine Sukkoh, die nicht zehn Faustbreiten hoch ist, ist unbrauchbar. Damit, wendet sie sich an den einzelnen, aber auch an die Gesamtheit, der sie einen gesunden Sozialismus anempfiehlt, der um das Wohl der Armen und Entrechteten sich bekümmern soll, der alle Gruppen und Klassen zu heben verpflichtet ist und das Los der Armen, der Stiefkinder des Glücks, zu fördern sich angeregt fühlen soll. Auf den Wechsel im Glück weist das Fest hin, in dem es die Sukkoh herzustellen verbietet aus Stoffen, die mit der Erde in Verbindung stehen; sie warnt vor Gesinnung und Worten der Vermessenheit, wie sie Schiller in der „Glocke" darstellt: „Fest in der Erde Grund steht mir des Hauses Macht." Niemand traue seinem Glück! Und besorgt ist die Sukkoh um die Reinheit der Motive unseres Handelns, ganz besonders unseres Handelns im Dienste der Gesamtheit, wenn sie verbietet, die Sukkoh aus Stoffen herzustellen, die unrein sind, Unreinheit anzunehmen vermögen. Daß wir selbst zu unserer Behauptung kräftig die Hand regen müssen, daß wir uns nicht verlassen dürfen auf das, was die Väter für uns geschaffen und erarbeitet haben, daß wir vor allem auch das Erbe der Väter mehren müssen, das verlangt sie von uns, da eine ihrer Bestimmungen lautet „thaaseh", du mußt dir deine Sukkoh herstellen, „welau min heosui", darfst es dir nicht genügen lassen an dem, was schon gearbeitet ist (von anderen!). Aber nicht nur Mahnung, auch Trost weiß uns das Symbol der Sukkoh zu sagen. Sie tröstet uns bei schwerer Lage, bei den Stürmen des Lebens, in dem sie auch eine Sukkoh, die so dicht gedeckt ist, daß die Sternlein nicht hindurch zu sehen sind, für zulässig

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