Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-09-15 · 18 (15.9.1933) · p. Seite 273

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
18 (15.9.1933)
Date
1933-09-15
Page
Seite 273 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2727810-2727975-2727993--09129-2742391
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

&aycnfcfjc JJcachtiJtfje (BcmcmÖcjertung ttörfjririftenfttott flet Jftadihftfjen &itot$gemtinflen in Hlüntfjcn/idig^butg/JSanibctg und de* Öec6anäe$ #agetifcf)er Jfraelttiftf)et Gemeinden Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag: B. Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Plinganserstr. 64, Tel. 73 6 64 u. 73 6 65. Postscheck München 39 87. Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. X. Jahrgang München, 15. September 1933 Nummer 18 Inhalt: Tage der Umkehr — Wenn nicht noch höher! — Auswanderung nach Palästina — Aus der Gemeinde München — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachung der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über die Gottesdienste an den hohen Feiertagen — Bekanntmachung über Gebühren für Benützung des Ritualbades — Personalia. Tage der Umkehr Von Rabbiner Dr. Ignaz M a y b a u m , Frankfurt a. d. 0. Die Tage vom Neujahrsfest bis zum Versöhnungsfest werden als die zehn „Bußtage" bezeichnet. Diese deutsche Übersetzung des Ausdrucks „jeme-hateschuwoh" geht auf -den Einfluß unserer christlichen Umwelt zurück. Buße, Reue, diese Ausdrücke bedeuten, auch wenn man sie nicht nur als sich im Subjektiven erschöpfende seelische Erlebnisse ansieht, doch immer an dien einzelnen geknüpfte, von ihm ausgehende und vor allem nur ihn betreffende Glauibenshaltung. Die Umkehr, wie die genaue Übersetzung des Wortes „teschuwoh" zu lauten hat, zeigt aber an, daß es hier um ein Ereignis, um ein geschichtliches, nicht nur privates Geschehen geht. Gott wendet die Zeit. Und es liegt an uns, ihm nachzufolgen, natürlich bereuend, natürlich Altes und Falsches und Halbes bußfertig von uns abtuend. Aber die Reue und die Buße allein, wie sehr sie unsere Seelen reinigen und heiligen, sind noch nicht Umkehr. Umkehr bedeutet eine Veränderung der ganzen Existenz. Die Reue haben wir, die wir bleiben, wie wir sind. Die Umkehr geschieht uns, und nach dem Geschehen sind wir nicht, die wir waren. Unsere Vergangenheit liegt hinter uns, und die Zukunft liegt als etwas anderes vor uns: als etwas ganz anderes. Das ist die Umkehr. Gott ist König. Er bestimmt: wer leben wird, und wer sterben wird; wer durchs Schwert umkommt, und wer durch ein wildes Tier; wer Ruhe haben wird, und wer unstet sein wird; wer arm sein wird, und wer reich sein wird. In der Reue bereuen wir. So sehr die Gnade Gottes, die uns die Reue schenkt, uns in der Seele verändert, ist die Reue, weil sie unsere Reue ist, des Menschen Reue, nicht situationsändernd. Die Umkehr aber betrifft schon die andere Situation. Gott in seiner Liebe und in seinem Zorn ist der Herr der Umkehr. Umkehren heißt dann für den Menschen, Gott nachfolgen, der unsere Vergangenheit vergehen läßt, und uns die Tore der Zukunft öffnet. Wir treten ein, aber wir wissen nicht, wohin wir gehen. In den Tagen der Umkehr können wir nur beten, in aller Furcht hoffen, in gläubig frohem Warten zittern, eben beten. Wie sehr auch unsere Aktivität aufgerufen bleibt, die Zukunft ist Gottes. Erst wo sie uns geschenkt ist, hat unsere Tat Raum. Um diese Zukunft geht es. Ins große Schofar wird geblasen. Der Hirt, der König ist, läßt seine Herde unter seinem Stabe vorbeiziehen und zählit und wertet und mustert alle lebenden Seelen. Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte menschlicher Größe und menschlichen Leides. Die jüdische Geschichte hat hier ihren besonderen Platz dadurch erhalten, daß in ihr das Leid nicht nur Unglück ist, das den Menschen niederschlägt, sondern auch als Ute IfllifglieDer Der Ifllünrfjener ßemeinDe werten DringenD getiefen, Die (iefannfmatfjung auf Seife 289 über Die ÜiottesDtenfle an Den Men (Feiertagen \u beatfjfen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.