Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 17 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- Seite 257 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2727810-2727975-2727992--09112-2742373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i^oycnfcfjc 3fc0cliti|d|c 6cmcmÖC3Citung ttatfjcttfjtenblatt flet 3fcaefitifrfftn &iÖu$gemrinden in ttlunrfjai/ tfug^atg, $0tn6etg und Äe* ÖerfronUe* J5oyetifcf)ßt Jftaefitifriret <£emrinÖen Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag: B. Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Plinganserstr. 64, Tel. 73 6 64 u. 73 6 65. Postscheck München 39 87, Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarii. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. X. Jahrgang München, 1. September 1933 Nummer 17 Inhalt: Judentum und Umwelt — Palästina und wir — Der 18. Zionistenkongreß — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus der Gemeinde Augsburg — Würzburger Nachrichten — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München: Bekanntmachung über Ergänzungswahlen für Vorstand und gemeindliche Ausschüsse — Bekanntmachung über den Filialgottesdienst an den hohen Feiertagen und die Vermietung von Synagogenbetstühlen — Bekanntmachung über Glückwunschablösung 1933 — Bekanntmachung über Aufnahme in das Altersheim, Mathildenstraße 9 — Personalia. Judentum und Umwelt Judentum und Umwelt. Sechs Vorträge von Rabbiner Dr. Elie Münk in Ansbach i. B. Frankfurt a. M. 1933. 80 Seiten. Preis 1.50. „Je vollständiger wir aus der Teilnahme in der Fortgestaltung des allgemeinen (kulturellen, staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen werden, desto gebieterischer haben wir die Pflicht, die Renaissance unseres eigenen jüdischen Lebens in Angriff zu nehmen. Niemals wäre die Katastrophe über uns gekommen, wenn die deutsche Judenheit ihre unerschöpflichen geistigen und wirtschaftlichen Energien, statt sie nach außen hin glänzen zu lassen, in den Dienst der Pflege und Verbreitung jüdischer Ethik und jüdischer Religiosität mit gleichem Eifer und gleicher Hingabe gestellt haben würde." Das ist der Standort der sechs eben in Buchform erschienenen Vorträge des Ansbacher Rabbiners Dr. Münk. Rückgängigmachung der Säkularisation des Judentums, Rückkehr zur echten, unverfälschten Religion der Väter und selbstbewußte Zurückwendung zur eigenen Kultur! Gegen die Assimilation, mag sie von der fortschrittlichen Aufgeklärtheit des überholten Liberalismus oder vom Zionismus kommen, der einen unjüdischen Nationalismus wie den aller Völker vertritt! Die 'bisherige Synthese von jüdischer und allgemeiner Bildung hat nach Münk auch in der deutschen Orthodoxie versagt. In dem ersten Vortrag: „Das jüdische Bildungsideal'- stellt der Verfasser ein neues Hochziel der jüdischen Vollkultur auf. Auch der zweite Vortrag enthält im Kern eine entschiedene Absage gegen unsere bürgerliche Moral und Lebensform; er lehnt, die Lehren des Marxismus vom jüdischen Standpunkt ab und bekennt sich zum Nationalsozialismus, natürlich ohne seine rassen-antisemitische Komponente. „Ohne den Antisemitismus würde der Nationalsozialismus^ den überlieferungstreuen Juden seine treuesten Anhänger finden" (S.34). Rabbiner Münk erkennt den Idealismus der nationalen Revolution im übrigen von der jüdischen Seite her rückhaltlos an. „Sie hat den Kampf gegen die Lockerung der Sitten und des Rechtsbewußtseins aufgenommen sowie gegen die Emanzipation des weiblichen Geschlechts. Sie hat das demokratische Mehrheitsprinzip durch den Grundsatz des Führertums ersetzt. Sie hat dem Fortschreiten der kollektivistischen Wirtschaftsordnung Einhalt geboten. Alle diese Maßnahmen liegen vollkommen in der Richtung unseres religiösen Wollen s." Auch die jüdische Zukunft sieht Rabbiner Münk im nationalsozialistischen Staat als günstig an, wohlgemerkt die religiös-jüdische Zukunft. Im dritten Vortrag „Glauben und Wissen der Gegenwart" begrüßt der Verfasser die gegenwärtige gewaltige Strömung gegen den Rationalismus und Intellektualismus. Er sieht auf diese Weise die Konfliktsmöglichkeiten zwischen Thora und Wissenschaft bedeutend herabgedrückt. Die früher bestandene Spannung zu den Offenbarungslehren des Judentums habe infolge der zur Herrschaft gegenüber Kant gelangten Lehren eines Husserl, Scheler, ferner gegenüber den neuen Lehren der Physik eine wesentliche Abschwächung erfahren; man habe sich so wieder dem Wirklichkeitscharakter religiöser Glaubenslehren und den Denkformen religiöser Weltansicht genähert. Münk verkennt (S. 42) anderseits auch nicht die Gefahren dieser „Überwindung des Liberalismus" zum Nachteil des Judentums. Vierter Vortrag: „Gesellschaftliche Formen und Konflikt e.i- Einfügung in die bestehenden guten Formen der Umwelt, Zurückhaltung, Höflichkeit und absolute Ehrbarkeit in Handsl und Wandel, das sind die Forderungen des Judentums. Im übngen sind die „Konflikte", von denen hier die Rede ist, recht harmlos; mit den gesellschaftlichen Formen sind die anständigen Umgangssitten des provinzialen Kleinbürgers gemeint, die sich allerdings von den Sitten und Gebräuchen der „freireligiös" gewordenen großstädtischen „Großbourgeoisie"