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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-08-15 · 16 (15.8.1933) · p. Seite 249

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
16 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 249 Vorzügliche Betten Dienst am Gast srommen und freudigen >Hotel Bayerischer Hoff Augsburg aber jeden Orientalen. In Ägypten spricht jeder Droschkenkutscher Arabisch, Griechisch, Italienisch und Französisch; im Familienkreis gebraucht man im Gespräch zwischen Mann und Frau, Vater und Sohn innerhalb von 10 Minuten drei, vier Sprachen. Der Europäer, der, eben vielleicht infolge seines Sprachaberglaubens, meist nur die Oberfläche sieht, spricht verächtlich von Levantinismus. Der Orientale erwidert nicht mit dem Hohn auf europäischen Wortfetischismus; aber vielleicht hat die Antwort jenes ägyptischen Zöllners auf die gereizte Frage: „You want to be a civilized nation?" — „No, we do'nt want it", vielleicht hat diese Ablehnung des Ehrgeizes, ein Kulturvolk im europäischen Sinne zu sein, eine über den Augenblicksanlaß hinausgehende tiefere Bedeutimg. Lange habe ich gesagt, der Zionismus sei eine europäische Bewegung, die Juden hätten in Palästina eine europäische Mission. Das Verhältnis zur Sprache, nebst zahllosem anderen, beweist es. Der Zionismus hat zu dem Hebräischen eben jene mystische, fast abergläubische, fetischistische Beziehung wie jeder europäische Nationalismus zu seiner Sprache, eine Beziehung, die, wie man weiß, sehr wohl vereinbar ist mit abgründigem Mangel an wirklicher Kenntnis, wirklichem Besitz der Sprache. Und in Palästina sind alle oder doch fast alle Stadt-Juden, alle Beamten, Lehrer, Bürger, fanatische Hebraisten, ja in Tel-Awiw gibt es sogar eine militante Sprachgesellschaft, die den Gebrauch jeder fremden Sprache auf der Straße und an öffentlichen Orten nicht nur durch Plakate sondern auch durch Ruhestörungen bekämpft. Die Arbeiterschaft hat jedoch mit diesem Hebraismus nichts zu tun. Man spricht hebräisch—wie sonst sollten sich Juden aus Deutschland und Jemen, Litauen und Marokko, Persien und Saloniki verständigen? Zwischen allen Siedlungen ist ein unaufhörlicher wechselseitiger Austausch der Chaverim und so verschmelzen auch jene, die zunächst in landsmannschaftlichen Gruppen lebten, in das allgemeine, hebräische Milieu. Aber wo es sich so gibt, sprechen die Arbeiter ohne Gewissensbedenken jiddisch, russisch, deutsch. Und doch haben sie die höbräische Wirklichkeit geschaffen. In Jerusalem, Tel-Awiw, Haifa kann sich der Fremde, der leicht Sprachen lernt, ohne Mühe Russisch, Deutsch oder Englisch aneignen; die Kolonien sprechen hebräisch und die städtischen Arbeiter ebenso. Es ist wie ein Wunder, vielmehr es ist ein Wunder. Vor zwanzig Jahren debattierten wir darüber, ob das Hebräische zur lebenden Sprache werden könne oder nicht; kämpften auch darum (in deutscher Sprache). Heute ist es eine Selbstverständlichkeit. Daß auf allen Bahnhöfen neben englischen und arabischen hebräische Aufschriften stehen, auch wo es weniger oder keine jüdischen Einwohner gibt, daß die Briefmarken hebräischen Aufdruck, die Münzen helbräisches Gepräge tragen, die Gerichte hebräisch Recht sprechen — das kann schließlich eine Regierung durch Federstrich dekretieren. Aber daß man ohne ein Wort einer anderen Sprache durch das ganze Land kommen kann, daß einzelne Araber selbst dort, wo keine Juderl wohnen, hebräisch zu verstehen beginnen, daß die Kinder, alle jüdischen Kinder in Palästina hebräisch sprechen, hebräisch spielen, hebräisch weinen und lachen — das ist eben eine Tatsache, die erweist: die Sprache lebt. Oft fühle ich mich an Dinge erinnert, die ich von der tschechischen Analogie her kenne. Dieses zu seiner Sprache zurückkehrende Volk beherrscht sie nur mangelhaft, viele sprechen, die Mehrzahl schreibt nur fehlerhaft Hebräisch. Es wird aber rasch besser: wie die Kinder aufwachsen, die schon durch hebräische Schulen gegangen sind. Und merkwürdig: diese Kinder sprechen besser hebräisch als ihre Lehrer. Mit meinen in Kursen und Lektionen erworbenen Kenntnissen konnte ich gut alles verstehen, was die Erwachsenen redeten, Hebräisch mit russischem oder deutschem Akzent, aber die Kinder zu verstehen, machte mir größte Schwierigkeiten. Das macht: sie sprechen kein russisches öder deutsches, sondern ein hebräisches Hebräisch. Und schon beginnt sich eine bestimmte Mundart in Palästina und eine bestimmte Nebenmundart in Galiläa zu entwickeln — ungeahnte Möglichkeiten für künftige Philologen. Hoffen wir nur, daß uns diese künftigen Philologen unser Palästina nicht verschulmeistern werden. Der gute Mantel,das elegante Kostüm nur vom Schneider, feinste Maßanfertigung Zeitgemäß billige Berechnung, Garantie für tadellosen Sitz. Oberschanek,Corneliusstr. 22/1 Tel. 296 591 Trinken Sie Gesundheit um nur wenige Pfg.täglichmit den berühmten Heilbrunnen Uefierkinger Sprodel und AdemeidQaelle Teinaeöer Hirscüaaelle and Sprodel Dilzenöacüer Jora-Sproflel n. SanerDrann Hanauer Äpollo-Spradel Remstal-Sprudel Beinslelo Ueberau erhältlich. Prospekte durch die Mineralbrunnen A.-Q., Bad Ueberkingen

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