Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 15 (1.8.1933)
- Date
- 1933-08-01
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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226 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 bau jüdischen Lebens in Palästina. Aber wir werden viele Möglichkeiten suchen müssen und in alle Länder der Erde werden wir uns verstreuen. Daneben tritt die berufliche Umschichtung. Der jüdischen Intelligenz ist mit besonderer Schärfe der Kampf angesagt. Man wird sie nicht unterbinden können. Aber sie wird aus manchen bisher bevorzugten Berufen verdrängt, und auch die fremden Länder können nicht alle die jüdischen Akademiker aus Deutschland aufnehmen, soll nicht dort eines Tages der gleiche Rückschlag wie hier erfolgen. Es ist keine Kleinigkeit, ein schönes Studium mit harter Handarbeit zu vertauschen. Aber wir erkennen die unerbittliche Notwendigkeit dazu und werden uns von äußeren Rücksichten und gesellschaftlichen Vorurteilen nicht hemmen lassen. Die Hinfälligkeit bürgerlichen Glückes haben wir deutlich genug vor Augen gesehen. Uns ist jede Arbeit gleich, wenn sie nur ganz getan wird. So wird das Wort des Talmuds wieder zu Ehren kommen, das heißt: „Ziehe ein A aas auf offener Straße abund verdieneDir etwas, sprich nicht: ich bin ein Priester, ein großer Mann, mir steht solche Arbeit nicht zu" (Pesachim 113a). Wir glauben, daß diese Einstellung uns nicht zum Schaden gereichen wird. Je größer die Schwierigkeiten sein werden, desto stärker werden wir aus ihrer Überwindung hervorgehen. Noch wichtiger ist uns die Aufgäbe der inneren jüdischen Erneuerung. Eine große Möglichkeit hat sich dadurch eröffnet, daß viele, vom Jüdischen Abseitsstehende als Juden von außen zurückgestoßen werden und wieder eine jüdische Gemeinschaft suchen. Eine besondere Bereitschaft besteht heute, Jüdisches zu ergreifen und in sich aufzunehmen. Diese außerordentliche Situation bedarf einer außerordentlichen Anspannung, eine große Gelegenheit jüdischen Neuaufbaus darf nicht vorbeigelassen werden. Auch hier besteht die besondere Verantwortung von uns Jungen. Die neue jüdische Gemeinschaft, vielfach aus Not geboren, darf nicht eine bloße Notgemeinschaft bleiben. Wir wollen Juden nicht aus äußerem Zwang, sondern aus innerer Notwendigkeit. Dazu aber bedarf es heißer Bemühung um unser Judesein, harter Arbeit um jüdischen Inhalt. Wir wollen jüdisch lernen und jüdisch wissen, nur so werden wir jüdisch leben können. Der Aufwühlung dieser Zeit stehen wir hilflos gegenüber, wenn wir nicht den Maßstab und die Sicherung gefunden haben, die jüdische Weisheit und jüdischer Glaube uns zu geben haben. Im stolzen Bewußtsein unseres Judeseins lallein vermögen wir diese Zeit zu überwinden. Wem Judesein nur eine Last ist und wer nicht versteht, warum er nur um seines Blutes willen leiden soll, für den ist das heutige Schicksal kaum zu ertragen. Wir aber wissen, daß dieses Leiden unser jüdisches Schicksal sein muß, daß diese harte und schwere Schule uns groß macht zu ungewöhnlichem Werke und uns heraushebt aus den übrigen Völkern. Die Heimsuchung Gottes ist dem Propheten Zeichen der Auserwähltheit (Arnos 3, 2). Nicht niederdrücken, nicht verkleinern wird uns dieses Schicksal, sondern klären, reinigen und stärken. Die Einzigartigkeit dieser unserer Geschichte kann, wie wir glauben, nicht sinnlos gewesen sein; wie wir auch heute nicht, und heute erst recht nicht, es den anderen Völkern gleichmachen dürfen: wir bejahen den Aufbau Palästinas als einen neuen Mittelpunkt jüdischen Lebens, aber wir glauben nicht, daß die jüdische Aufgabe sich darin erschöpft einen Staat wie andere Staaten zu bilden. Die prophetische Sendung Israels wird heute erst recht bedeutsam in einer von Grund aus sich umgestaltenden Welt. Die AuserwähJtheit des jüdischen Volkes gibt uns nicht mehr Recht, sondern höhere Verpflichtung. Durchdrungen vom Wissen um diese Verpflichtung werden wir den rechten Weg finden ■zur Erneuerung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens, zur Erfüllung dessen, was uns aufgegeben wurde. Uns allen haben die Ereignisse dieser Zeit unendlich viel zerstört. Aber je mehr zerschlagen wurde, desto gründlicher wollen wir von vorne anfangen. Wir wollen dieses uns aufgezwungene Schicksal mit beiden Händen ergreifen und es nach unserem Willen zu gestalten suchen, wir wollen den Fluch in Segen verwandeln; aus dem bösen Ende soll ein guter Anfang werden. Wir wissen, dieses Werk wird sehr schwer sein. Aber wir gehen daran mit neuer Kraft, mit unbeugsamem Willen und mit fester Entschlossenheit. Auf uns liegt die jüdische Zukunft. Wir wollen und werden es schaffen! Wie erziehen wir ein unbefangenes, unabhängiges neues Geschlecht? Gedanken von Martin Buber über unser Bildungsziel Die nachstehenden Gedanken von Mar- Ich habe — bisher ohne Erfolg — vorgeschlagen, zu tiri Buber — in ihrer Sprachschönheit einer ,bei alier Mannigfaltigkeit einheitlich bestimmten nebeil".?*-"V,\V/.n* ."d"»'"»!! "3 °^ZS ff^T f^fT^ in D"a„d uns gesperrten Abschnitten vollkommen em Bildungsamt der deutschen Juden zu errichten. Damit deutlich aus, daß von jetzt ab zwei von meine ich keine Notstandsbaracke, sondern ein standden deutschen Juden in der Vergangenfestes Haus, wenn's auch die Not ist, die drängt es zu heiterstrebte idealeBildungsziele nicht bauen. So meine ich ja auch mit der jüdischen Schule mehr unsere Ziele sein können. Es liegt selbst, auf deren Erstehen ich hoffe, nicht ein Asyl für WinfVi N «Upr„?e7 ^C?!' das-eg/n das Kinder, die in der allgemeinen nicht verweilen dürfen künftige neue Ziel des „uberwindenden '-„t,x „j„-u ^^■ a , , TI . Juden" ein viel allgemeineres, ferneres oder nicht gedeihen können, sondern em echtes Heam, Bild von noch verschwommenen Umrisauf Urgrund gesetzt, unserm Wesen gerecht und zu senbleibenmuß. dauern bestimmt.