Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 10 (15.5.1933)
- Date
- 1933-05-15
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 153 Adolf Rothschild Das führende Haus für vornehmste Maßanfertigung Brienner Strafye 52 Kostüme, Kleider, Mäntel, Pelze Staates geregelt und geordnet sein. Der Rechtsstaat gewährleistet allen seinen Angehöirgen Gleichheit vor dem Rechte. Weil aber die Staatsregieurng die Aufgabe hat, über das Gemeinwohl zu wachen, kann sie nicht dulden, daß das Recht des einzelnen zum Schaden der Allgemeinheit werde. Daher kann sie auch nicht tatenlos zusehen, wenn einige wenige wirtschaftlich starke Kräfte immer weiter Wirtschaft und Handel fast für sich allein in Beschlag nehmen und die Schwächeren vollständig erdrücken. Es ist durchaus im Sinne des Wirtschaftsprogramms unseres Hl. Vaters, wenn die Staatsregierung die Volksgemeinschaft vor völliger Vermachtung durch einzelne Kreise schützt und wenn sie auch die Handhabung des Rechtes auf Sondereigentum abstimmt auf die Erfordernisse des Gemeinwohls. Desgleichen wird es niemand als ungerecht bezeichnen, wenn die Staatsregieruhg dafür sorgt, daß nicht einer bestimmten kleinen Schicht allein der Weg zum Studium und zu den geistigen Berufen offen steht, der 'großen Mehrheit des Volkes und besonders den Kindern des armen Volkes dagegen versperrt bleibt. Aber wir hoffen, daß die Reichsregierung nicht die Bestrebungen und das Vorgehen jener billigt, die grundsätzlich einen verschiedenen Rechtsmaßstab anlegen oder das Wort „Gleichschaltung" in einer Weise anwenden wollen, die der Versicherung des Herrn Reichskanzlers widerspricht, daß er „die Gleichheit vor dem Rechte allen zubillige, die mit für die Nation eintreten und die der Regierung ihre Unterstützung nicht versagen." Wie wir für unsere deutschen Brüder in fremden Ländern Gleichberechtigung fordern und Ausnahme- Gesetze verurteilen, so müssen wir gegenüber Angehörigen des eigenen Staates jede Rechtsverletzung und Rechtsungleichheit grundsätzlich ablehnen. Wir sind verpflichtet zu Gerechtigkeit und Liebe gegen alle Menschen. In dem Hirtenbrief heißt es weiter: Zu einer allgemeinen Gemeinschaftsschule in irgendeiner Form könnten wir nie und nimmer unsere Zustimmung geben: Es wird vielmehr die Forderung der Bekenntnisschule mit allem Nachdruck wiederholt. Die Aufforderung zum Schutz des Familiensinnes und zu opferbereiter Mitarbeit an der Lösung der von der Reichsregierung gestellten Aufgaben wird mit der Mahnung verknüpft, niemanden aus Einseitigkeit und Engherzigkeit auf die Seite zu stellen, wie auch niemand aus Entmutigung und Verbitterung sich selbst auf die Seite stellen dürfe. Es wird gebeten Schulbücher für den Religionsunterricht, die nicht mehr gebraucht werden, zur Verfügung zu stellen. Man wolle freundlichst solche Bücher in der Gemeindekanzlei, Herzog-Max-Straße 7, Tel. 93 9 35, abgeben. Auf Wunsch werden solche Bücher auch abgeholt. Das Rabbinat. Fräulein Lina Bacharach, welche jahrzehntelang, zuerst im Krankenhaus links der Isar, dann im Krankenhause München- Schwabing, unsere Küche leitete, tritt am 1. Juni 1933 in den wohlverdienten Ruhestand. Fräulein Bacharach beschränkte sich nicht auf die Führung der Küche allein, ihre Tätigkeit erstreckte sich auch auf die Betreuung der Kranken. Über die Unterbringung Kranker, welche auf rituelle Verpflegung sehen, erfolgt gesonderte Mitteilung. Vereine Die jüdischen Vereine in München wurden am Freitag, dem 12. Mai, auf Grund des bayerischen Gesetzes zur Enteignung von zu antinationalen Zwecken bestimmtem Gut vom 4. April 1933 vorläufig durch die politische Polizei geschlossen; ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Da in keinem Fall die Voraussetzungen des genannten Gesetzes zutreffen, alle von den polizeilichen Maßnahmen betroffenen Vereine in ihren Zielen und in ihrer Betätigung vielmehr ausnahmslos in keinem Zeitpunkt ihres Bestehens den vaterländischen Interessen zuwiderliefen, kann wohl angenommen werden, daß in ganz kurzer Zeit Schließung und Beschlagnahme wieder aufgehoben werden, zumal auch die rein religiösen und charitativen, teilweise über 100 Jahre bestehenden Vereine von der polizeilichen Aktion nicht ausgenommen wurden. Die Vereinsankündigungen und die Mitteilungen des Lehrervereins können voraussichtlich in der nächsten Nummer der Gemeindezeitung nachgeholt werden. Bücherschau Alfred Bonne, Palästina, Land und Wirtschaft. Deutsche Wissenschaftliche Buchhandlung, Leipzig 1932. 14 Mark. Dieses Buch gibt eine zuverlässige Darstellung der gesamten Wirtschaftsverhältnisse Palästinas. Der reiche Stoff, der besonders in den zahlreichen mustergültigen Einzelberichten englischer Regierungsstellen und englischer Untersuchungsausschüsse zu finden ist, wird in übersichtlicher Form darge- ■ boten. Die reichen persönlichen Erfahrungen, die der Verfasser an Ort und Stelle gesammelt hat — Dr. Bonne, in München kein Unbekannter, ist Leiter der Economic Archives for the Near East in Jerusalem —, machen den notwendigerweise oft trokkenen Stoff immer wieder lebendig. Streitfragen wirtschaftspolitischer Art werden meist nur gestreift, ohne daß Bonne selbst Stellung nimmt. Ebenso vermeidet er das rein politische Bestelle Drucksachen bei B.Heller Tel.73664