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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-05-01 · 9 (1.5.1933) · p. Seite 138

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
9 (1.5.1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 138 (sequence 10)
Language
German
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138 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Anteilnahme, durch welche er seinem Vortrag eine große Lebendigkeit verleiht Den musikalischen Kräften der Synagoge wünschen wir auch für das kommende Jahr ihrer Tätigkeit eine ersprießliche Zusammenarbeit bei ihrem guten Wirken. M. Spenden, Glückwunsch- und Kranzablösungen. Carl Bach; Frieda Spatz, St.-Paul-Straße; Jonas Heß, Haydnstraße 8; Sally Eichengrün und Frau, Beetzstr. 15; P. M.; Sally Neuburger, Paul-Heyse-Straße 18; Friedl Braumann, Sendlingertorplatz 6; N. N.; Joseph Schachno /für zweimaliges Aufrufen; Leopold Mannheimer, Herzogspitalstraße 10; Familien Max Theilheimer, Georgenstraße 71, Ignaz Theilheimer, Ismaning erstraße 62a und Ignaz Meier, Liebherrstraße 10 statt Danksagungen für Beileidsbezeugungen anläßlich des Ablebens ihrer Eltern Fanny und Gebriel Theilheimer. Vereine Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe München e. V. Nächster kameradschaftlicher Abend am Mittwoch, den 10. Mai in der Gaststätte Schwarz, Schlosserstraße 2. Bücherschau Die zweiten Salzburger Hochschulwochen 9.—27. August 1932. Aufriß und Gedankengänge der Kurse und Vorträge. Im Auftrag des Direktoriums der Salzburger Ho ch s ch u l.wo ch e n herausgegeben und eingeleitet von Dr. Alois Mager, O. S. B., a. o. P r o f. a. d. Theologischen Fakultät Salzburg. Salzburg (Verlag Anton Pustet 1933). 184 Seiten. Geb. 6.60 RM. Die Salzburger Hochschulwochen sind katholische Akademikertagungen, die nach Stoff und Niveau auch die jüdische Aufmerksamkeit in hohem Maße fesseln. Die katholische Weltanschauung in unmittelbarster Fühlung mit der Entwicklung und dem Fortschritt der Wissenschaft, hier liegt offenbar eine geistige Möglichkeit, die auch uns aufhorchen läßt. Kurssystem und Vortragssystem sind in den Salzburger Hochschulwochen in glücklicher Weise miteinander verbunden. Der Theologie, der Philosophie und der Staatswissenschaft waren im Jahr 1932 die Kurse gewidmet. Der theologische Kurs behandelte: erstens Aufriß der katholischen Dogmatik nach der Summa Theologica des hl. Thomas von Aquin (Prof. Horvath, Freiburg i. d. Schweiz), zweitens die Kirche im Wandel der Zeiten und Völker (Prälat Dr. Ehrhard, Bonn), drittens Apostelgeschichte: die Urkirche von Jerusalem (Jesuitenpater Dr. Holzmeister, Innsbruck). In den Gedankenbereich des theologischen Kurses fügten sich ein die Vorträge des Erzbischofs Teodorowicz von Lemberg „Aus der Schule des hl. Paulus", die von Garrigon-Lagrange (Rom) „Uber die christliche Vollkommenheit" und vor allem Erik Petersons Vorträge „Die Kirche aus Juden und Heiden" (Exegese des Römerbriefes Kap. 9—11). Das gewaltige patristisch-mittelalterliche Problem von Synagoge und Ekklesia (In welchem Verhältnis steht das auserwählte Volk der Juden zu den gläubig gewordenen Heiden?) überschattet auch die Gegenwart und war keineswegs mit der Emanzipation und der Aufklärung „erledigt". Nach Paulus und der christlichen Lehre wird über Gott nicht durch Fleischesabkunft und Gesetzeserfüllung verfügt; die Bekehrung der ungläubigen Juden leitet nach katholischem Dogma das Ende der Welt ein. Der philosophische Kurs setzte eine „Einführung in die Metaphysik" (Söhngen, Bonn) an die Spitze; die „Grundfragen der Ethik" wurden von Prof. v. Hildebrand. München, behandelt; Prof. Mager, Salzburg, las über „Die weltanschaulichen Richtungen der Neuzeit". Der staatswissenschaftliche Kurs schuf sich eine Grundlage durch die Vorlesungen von Alois Dempf, dem Verfasser des sehr bestrittenen großen Werkes „Sacrum Imperium", über „Staat und Staatstheorien"; Geheimrat Beyerle von der Münchener Universität sprach über „Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung", Prot Goetz Briefs über „Kapitalismus, soziale Frage und Kirche". Zu diesem Kurs gehörten die Vorträge über „Die österreichische Staatsidee" (v. Glaise- Horstenau), „Deutschland und Österreich im europäischen Raum" (Graf Lerchenfeld) und „Volkstum, Nation und Kirche" (Prälat Prof. Georg Schreiber). Der vorliegende Band enthält knappe Auszüge all dieser Vorträge und Kurse und gibt darüber hinaus Einführungen über Zielsetzung, Aufbau, Verlauf der Hochschulwochen, ferner „Folgerungen für die Zukunft", endlich das ausführliche Programm für 1933 (8.—30. August). F. Leo Hamburger: Die Religion in ihrer dogmatischen und ihrer reinen Form, Versuch einer Grundlegung der Religionsphilosophie. Verlag Ernst Reinhardt, München 1930. In dieser Schrift wird der Eigenwert der Religion, des Religiösen überhaupt begründet und gegenüber den dogmatischen Religionen der höhere Wert einer r e i n e n Religion behauptet, welche keine Glaubensinhalte enthält, die vor der Wissenschaft nicht Stand halten können. Religion nennt der Verfasser emotionales Verhalten zur Welt und zwar soll dogmatische Religion solches Verhalten zu einer unwirklichen, eingebildeten Welt, sein, reine Religion dagegen dieses Verhalten zu einer in allen Teilen wirklichen Welt Wertvolle Ausführungen über .Theismus, Atheismus, Mystik, Tranzendenz, Optimismus, Pessimismus und eine psychologische Analyse des emotionalen Verhalten zur Welt führen planmäßig an das Problem heran, das Problem „helläugiger Eintracht" zwischen Religion und Wissenschaft lin der reinen Religion. „Emotionales und intellektuelles Verhalten sollen in fruchtbarer Synthesis zusammenstimmen." Der. Verfasser gründet sodann auf. den reinen Optimismus die Idee einer systematischen Religionspsychologie, die nicht nur auf das Wissen um die psychologischen Tatbestände reiiner Religion gerichtet ist, sondern hauptsächlich auf ein von ihr ausgelöstes Handeln. Der Verfasser will nicht mehr und nicht weniger, als „die Mittel zur Verwirklichung möglichst wertvoller, d. i. reiner optimistischer Religion allgemein bereitzustellen". Seine Ausführungen gipfeln darin, daß die religiöse Aufgabe des Menschen in der „Selbsterzeugung seines Schicksals" durch den Willen und „der Selbstbewahrung des selbsterzeugten Schicksals" liegt. Da wir wollen, daß die Welt gut eingerichtet ist, versuchen wir, die menschliche Psyche so zu gestalten, daß sie mit jeher fertig wird." Man braucht noch nicht kirchengläubig sein, um den extremen Individualismus des Buches abzulehnen, der die Menschheit als eine Summe von Individualitäten erscheinen läßt, so daß .der Mensch als Gemeinschaftswesen überhaupt nicht zur Geltung gelangt. Es wird nicht berücksichtigt, daß Gemeinschaften Eigenartiges darstellen und ihre Eigenart entscheidend das Individuelle mitbestimmt. So darf es auch nicht Wunder nehmen, daß die sozialen und die Traditionswerte der dogmatischen Religionen nicht erörtert werden, die sie der reinen Religion gegenüber als überlegen erweisen lassen könnten. Kann man davon absehen, dann ist es möglich, mit der Quintessenz des Buches einig zu gehen, nämlich mit einer emotionalen Weltbezogenheit, die durch Besonnenheit zu einem Handeln befähigt, das das eigene Schicksal zu meistern vermag. Max Krämer. Schklower Juden. Jüdische Novellen von Salman Schneur. Verlag B. Krezkin, Wilna, 1932. Bialik, Tschernichowsky und Salman Schneur sind die drei Grundpfeiler der modernen hebräischen Poesie. Die ersten zwei sind noch bis auf den heutigen Tag der hebräischen Poesie treu geblieben, Schneur dagegen hat sich gegen die Führe des Judentums aufgelehnt, weil sie der Pflege der hebräischen Literatur wenig Beachtung schenken, und ausschließlich die jiddische Sprache, in der er auch manches früher geschrieben hat, für seine poetische und schriftstellerische Tätigkeit gewählt. „Schklower Juden", das soeben in jiddischer Sprache erschienen ist, ist eine Sammlung von 26 Novellen, die Schneur in der amerikanisch-jiddischen Presse veröffentlicht hat. In diesen Novellen wollte Schneur seiner Heimat am Ufer des Dnjepr, dem alten jüdischen Städtchen Schklow, mit seiner zerstörten Romantik, ein Denkmal setzen. Es gilt im Allgemeinen in der jiddischen Literatur, bei den Schriftstellern und Lesern als unmodern, sich mit dem Städtchen jetzt noch zu befassen. Dies gehört schon fast zur Archäologie. Der große Schneur bildet jedoch eine Ausnahme. Er

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