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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-04-01 · 7 (1.4.1933) · p. Seite 100

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
7 (1.4.1933)
Date
1933-04-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung V Nr. 7 Aus dem Legendenschafz zu Pesach Von Hugo Bergmann aus der alten hebräischen Midrasch-Literatur übersetzt I. Es erzählten unsere Lehrer: Als Moses die Herde Jithros in der Wüste weidete, entlief ihm ein Böcklein. Moses setzte ihm nach, bis er zu einem Felsen kam, da stand das Böcklein an einer Quelle und trank. Als Moses das sah, sagte er ihm: „Ich wußte gar nicht, daß du aus Durst weggelaufen bist. Nun bist du gewiß recht müde." So lud er es sich auf die Schultern und trug es. Das sah Gott und sprach: „Du hast Mitleid mit deiner Herde, so wahr du lebst, so sollst du meine Herde weiden, Israel." II. Ein Heide fragte den Rabbi Josua ben Karcha: „Weshalb redete Gott zu Moses aus einem Dornbüsche?'' Der Rabbi erwiderte: „Hätte er aus einem Johannisbrotbaume zu ihm geredet oder aus einer Sykomore, so hättest du mir dieselbe Frage gestellt. Allein ich will es dir sagen: es soll dir so gezeigt werden, daß es nichts gibt, worin nicht Gottes Herrlichkeit lebte; sogar im Dornbusche ist sie." III. Als die Ägypter im Meer versanken, wollten Gottes Engel Triumphgesänge anstimmen. Da sprach Gott: „Die Geschöpfe meiner Hände versinken im Meer, und ihr wollt Lieder singen vor mir?" IV. „Und niemand soll nach deinem Lande trachten, wenn du hinaufsteigst" — dies lehrt uns, daß des Wallfahrenden Kuh ruhig auf ihrer Wiese grasen konnte; kein wildes Tier tat ihr etwas zuleide. Das Huhn konnte auf dem Miste scharren, kein Wiesel tat ihm wehe. Einst geschah es, daß einer vergaß, die Türe seines Hauses abzusperren, als er zum Feste nach Jerusalem pilgerte. Als er heimkehrte, da fand er eine Schlange, die sich um den Ring der Türe gewunden hatte. Auch vergaß einer die Hühner in sein Haus einzulassen. Als er kam, da lagen die Katzen zerrissen vor den Hühnern. Auch vergaß einmal ein Wallfahrer einen Getreidehaufen in den Speicher zu schaffen. Da er von der Wallfahrt heimkehrte, da hatten sich Löwen schützend um den Haufen gelagert. Zwei reiche Brüder wohnten einst in Askalon. Die hatten böse Nachbarn — von den Völkern der Welt waren die. Immer dachten sie nur: wann werden diese Juden schon nach Jerusalem ziehen, dort zu beten, daß wir in ihr Haus einbrechen und dort alles plündern, was da ist. Es kam die Zeit des Festes, und die zwei Brüder zogen nach Jerusalem. Da bestellte Gott an ihrer Statt zwei Engel, die nahmen ihre Gestalt an und gingen in ihrem Hause ein und aus. Als die Brüder aus Jerusalem heimkamen, sandten sie all ihren Nachbarn Geschenke von allen guten Dingen, die in Jerusalem zu kaufen gewesen waren. Da fragten die Nachbarn: Wo wart ihr denn? Antworteten sie: in Jerusalem. — Wann habt ihr euch auf den Weg gemacht? — Damals und damals. — Und gekommen? — Dann und dann. — Und wen habt ihr zurückgelassen? — Keinen Menschen. — Da sprachen die Heiden: Gepriesen sei der Gott der Juden, der sie nicht verlassen hat und sie nicht verlassen wird in alle Ewigkeit... Shakespeare und die jüdische „Hagada Das Schicksal eines Liedmotives Von Chajim Bloch ff Seit vielen Jahrzehnten befassen sich deutsche und jüdische Gelehrte mit der Feststellung des Ursprungs des aramäischen Liedes „Ein Lämmchen", das in dem „Hagada"-Buche enthalten ist und am Pesachabend gesungen wird. Einige Fachleute führten den Beweis, daß das Gedicht sehr alten Ursprungs ist, obwohl es zum ersten Male m der „Hagada", Prag 1590, gedruckt vor-' kommt. Jüdische Wortdeuter suchen seit Jahrhunderten dem Gedichte einen tieferen Sinn abzuringen; Kabbalisten, Historiker, Philosophen, Moralisten gaben dem Gedichte Auslegungen nach ihrer Weise. Hammer- Purgstall hat bei den Persern, Sanders bei den Neugriechen ähnliche Volkslieder gefunden. Es schien seltsam, daß ein bei den deutschen Juden bekanntes Lied —die spanisch-portugiesischen Juden kennen es nicht—, bei Persern und Neugriechen Nachahmung gefunden hat. Schließlich wies der deutsch-ungarische 'Rabbiner Dr. David Oppenheim vor -mehr als siebzig Jahren auf die Ähnlichkeit des deutschen Volksliedes „Der Herr schickt den Jockel" mit dem Gedichte „Ein Lämmchen" hin. Seiner Annahme, daß das deutsche Lied eine Nachdichtung des jüdischen ist, trat man mit dem Hinweis entgegen, daß man ebenso behaupten könnte, daß die Juden das Motiv den Deutschen entlehnt haben. Nun hat vor kurzem Joseph Hofmiller (München) den Nachweis geführt, daß auch Shakespeares Dialog zwischen Lorenzo und Jessica im „Kaufmann von Venedig" („In solcher Nacht...") auf Kenntnis der. jüdischen Hagada beruht haben muß. Der Hagada entspricht ein großer Teil der Karsams-

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