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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1933-03-15 · 3 (15.3.1933) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1933
Issue
3 (15.3.1933)
Date
1933-03-15
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 3 — der Omonuth-Verlag in Tel-Awiw hat prachtvolle Dinge dafür herausgebracht. Auge, Ohr, Hand, Gemüt- und .Gedächtnis sollen in einer Einheit beeinflußt werden und dem jüdischen Leben dienen. Mit einem solchen Gesamtunterricht verbindet sich dann leicht nach dem ersten Vierteljahr — meinetwegen erst nach einem Halbjahr — das hebräische Lesen, dessen Stoff sich an das früher Erarbeitete anzuschließen hat. Daraus erwächst verständnisvolles Lesen und Erarbeiten des hebräischen Wortes, gefühlsbetont "durch das Hineinstellen in den Rahmen biblischer Erzählungen und Schilderungen aus dem jüdischen Leben. Bald muß sich ein Fortschreiten zum Sprachlichen einstellen und da beginnt die vermeintliche Hauptschwierigkeit und da steht der Stein des Anstoßes. Man kann es fast nicht begreifen, daß darüber noch Meinungsverschiedenheiten bestehen können. Alle wollen den hebräischen Unterricht — eine bekannte Zielangabe schwebt selbst den Gegnern des „Sprachunterichtes" vor: verständnisvolle Teilnahme am Gottesdienst, der doch nirgends nur deutsch, sondern auch hebräisch sein soll! Wie soll man nun Hebräisch lernen ohne hebräischen Sprachunterricht? Eine Sprache, auch die hebräische, lernt man nach moderner Auffassung am besten durch die direkte Methode. Diese wollen wir Anhänger des hebräischen Unterrichtes für Pentateuch und Gebetbuch in Anspruch nehmen, weil sie der adäquate Ausdruck ist für ein verständnisvolles Erarbeiten dieses Stoffes in mehr oder weniger großer Ausdehnung. Das hängt von der Zeit ab, aber grundsätzlich muß anerkannt werden, daß man auch dem Hebräischen nicht anders beikommt. Man sollte sich endlich dazu entschließen; es ist so außerordentlich wertvoll für die jüdische Zukunft des Kindes. Wir sollten doch endlich einsehen, daß e i n Kapitel Pentateuch, richtig erarbeitet und durchgearbeitet, dem Kinde mehr jüdische Werte gibt als alles noch so schöne Reden und Unterhalten über Judentum und Religion. Selbst eine Auswahl aus dem Pentateuch, der man den größten Teil der Unterrichtszeit widmet, wird auf diesem Wege befruchtender wirken als die dicksten und schönsten Kompendien und mundsicheren Einfühlungen und Stimmungen und Stimmungsbilder zu geben vermögen. Diese Dinge verfliegen und können keinen Halt geben. Geben wir aber mit gesteigerter Arbeit und Selbstarbeit den Kindern das Instrument der hebräischen Sprache zur Erschließung des hebräischen Textes — da geht ihnen an ei n e m Kapitel Text soviel Schönheit, sowie innerliche Jüdischkeit auf, daß daraus ein Ansporn zu weiterem privaten Lesen und Lernen erst werden kann und daraus erwächst dann das steigende Verlangen nach Mehr und ein Aneignen und Erwerben jüdischen Denkens und Fühlens, jüdischer Erkenntnisse und Werte, die den jüdischen Menschen gestalten. Das allein kann das sinnvolle Streben jüdischen Unterrichtes vom ersten bis zum letzten Schuljahre aller Schulgattungen sein. S o betrachtet lösen sich alle die Bedenken auf gegen den „hebräischen Sprachunterricht", gegen den sich selbst die Vertreter eines modernen hebräischen Unterrichtes glauben wehren zu müssen. Es wäre natürlich im einzelnen noch iviel izu sagen, das kann aber in diesem Rahmen nicht geschehen. Nur eine Frage noch zum Schlüsse: Was hat diese ganze Frage mit Zionismus zu tun, gegen den man sich natürlich erst recht — zur Wehre setzen will? Jüdische Lehrer sollen sich gegen „hebräische Sprache" wehren, damit sie beileibe nicht in jenen fürchterlichen Verdacht kommen, für Zionisten gehalten zu werden! Wer soll denn sonst hebräischen Unterricht pflegen? Etwa nur die nichtjüdischen Theologiestudenten? U.A.w.g.! Dr. I. Bamberger. Nürnberg. Vereinsmitteilungen Am .6. März verschied in München nach" schwerem Leiden die Gattin unseres Kollegen Abraham Berlinger. Wir nehmen an dem schweren Leide, das unseren Kollegen getroffen hat, innigsten Anteil und bringen unsere Teilnahme auch hier zum Ausdruck. Kurz vor Redaktionsschluß erreichte uns noch die traurige Nachricht vom Heimgange unseres lieben Kollegen Samuel Steinfeld in Augsburg. Wir werden ihm ein treues Gedenken bewahren. München, den 8. März 1933. M. Rosenfeld M.Adler. Einzahlungen im Februar 1933 Von: Schwarzenberger, Bödigheim, 9.—; Gutmann, Fürth, 7.50; Oppenheimer, Fürth, 10.—; Rosenberger, Hammelburg, 20.—; Adler, Hammelburg, 12.50; Fränkel, Erlangen, 25.—; Zielinski, Emden, 20.—; Marx, Rothenburg, 15.—; Dr. Neubauer, Würzburg, 12.50; Heller-Adler, Königshofen, 10.—; Lion, Grünstadt, 12.50; J. Kissinger, Frankenwinheim, 7.50; M. Kissinger, Frankenwinheim, 7.50; Steinhäuser, Würzburg, 25.—; Neuberger, Niederwerrn, 25.—; Laßmann, Rimpar, 18.—; Frank, Uffenheim, 20.10; Krämer, München, 25,—; Blumenthal, Hofheim, 15.—; M. Adler, München, 12.50; Dr. Klugmann, München, 12.50; A. Müller, München, 12.50. — Durch: Dr. Bamberger, Nürnberg, 100.—; Rosenfeld, München, 10.—. Postscheckkonto: Nürnberg 6479. Würzburg, 1. März 1933. M. Hellman n. Bücherschau Hinst, Dr. Bruno, pädagogischer Leiter an Prof. Benjamins Kindersanatorium und Erziehungsheim Ebenhausen bei München, Möglichkeiten und Anwendbarkeit pädagogischer Prinzipien. Heft 9 der philosophischen und pädagogischen Arbeiten, herausgegeben von Aloys Fischer, Richard Hönigswald und Paul Luchtenberg. Langensalza. Hermann Beyer u. Söhne (Beyer u. Mann), 1933. Preis 1.60 RM. Der Verfasser stellt in seiner sehr aufschlußreichen Schrift die Antinomien recht anschaulich dar, die bei pädagogischen Prinzipien in Betracht kommen. Es gelingt ihm auch die. Antinomien aufzulösen, indem er für jede der beiden Prinzipien einer Antinomie die jeweiligen Bedingungen aufzeigt. Sehr überzeugend weist Hinst durch derartige Untersuchungen nach, daß die Geltung jedes Prinzips, das ebenso richtig wie unrichtig sein kann, „abhängig ist von ganz bestimmten, immer neu zu bestimmenden Voraussetzungen". S. 9. Drei Antinomien löst Hinst durch die Methode des funktionalen Denkens auf: 1. Soll das Kind im Sinne des Aktualitätsprinzips nur tun, was ihm Freude macht, was für es im Augenblick aktuell ist, soll daher der Erzieher von allen Ermahnungen, die auf die Totalität des Lebens hinweisen, auf die Konflikte und Schwierigkeiten der Zukunft aufmerksam machen, absehen, oder dürfen im Sinne des Totalitätsprinzips derartige Hinweise nicht fehlen? 2. Soll der Schüler selbst, wie das Liberalitätsprinzip fordert, die einzelnen Momente des Arbeitsvorgangs ausprobieren oder soll er diese heteronom entsprechend dem Autoritätsprinzip ausbilden, indem im Denkprozeß ausschließlich der Lehrer der Führende ist, der Erzieher der Träger der Aktivität ist? 3. Sollen nach dem Individualitätsprinzip die Neigungen der Schüler gepflegtwerden? (Auch auf die Gruppenindividualität weist Hinst hin. Er hebt auch in diesem Zusammenhang das Mannheimer Schulsystem hervor, wie es von Sickinger ausgestaltet -vyurde.) Oder sollen im Sinne des Sozialitätsprinzips die Neigungen zurückgehalten werden und nur solche Gesichtspunkte Geltung haben, Welche die ungebändigten, Neigungen einer vernünftigen Einsicht unterordnen? Der Gedanke der Gemeinschaft ist nach diesem Prinzip von überragender Bedeutung. Hinst umreißt in diesem Zusammenhang besonders den Begriff der Führung sehr anschaulich. Diese Hinweise zeigen wohl schon, wie in der Schrift von Hinst zentrale Fragen der modernen Erziehungs- - Wissenschaft, die jeden im Lehrberuf Stehenden interessieren, erörtert werden. Die Frage der pädagogischen Antinomien und ihrer Auflösung wird in einem ganz neuen Lichte gezeigt. Auf-die sehr vollständigen Literaturangaben sei besonders hingewiesen. Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher in Bad Dürkheim. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler. München

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