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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1933-02-15 · 4 (15.2.1933) · p. Seite 60

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
9 (1933)
Issue
4 (15.2.1933)
Date
1933-02-15
Page
Seite 60 (sequence 13)
Language
German
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60 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung mv.4 Völker nicht verfeindet, sondern einander näherbringt, wie es erst kürzlich G. Rodenwaldt, Präsident des Archäologischen Redchsinstituts, an seinem Aufsatz „Archäologie als nationale und internationale Wissenschaft" in der Festschrift „Volkstum und Kultur" zum 50. Geburtstag des durch seine kulturpolitische Tätigkeit besonders verdienten Reichstagsabgeordneten Prälaten Professor Dr. Schreiber betont hat, der ja auch die Vorrede zu Rodenwalidts oben genanntem Sammelwerk „Neue deutsche Ausgrabungen" verfaßt hat. Solange ein entsprechendes deutsches Werk fehlt, wird also jeder Altertumsfreund Woolleys Schrift „Mit Hake und Spaten" ob seiner volkstümlichen', knappen Form und seines fesselnden Inhalts mit Freuden lesen. Auch die zahlreichen guten Abbildungen tragen zu seiner Anschaulichkeit bei. Friedrich von Oppeln-Bronikowski. „Der Nationalismus in der Sowjetunion" von Haus Kohn. (Societätsverlag Frankfurt am Main, 1932.) Die Sowjetregierung behandelt die mannigfachen Probleme, die sich für sie aus dem Vorhandensein zahlreicher Nationalitäten auf ihrem Bundesgebiet ergeben, bekanntlich in einer Weise, die auf den ersten Blick durchaus liberal anmutet und jedenfalls in scharfem Gegensatz zu ihrer sonstigen Politik zu stehen scheint. Der Verfasser der vorliegenden Studie hat sich in Rußland selber über diese Erscheinung die erforderlichen Einsichten verschafft, die er dem Leser in einer knapp gedrängten, überaus inhaltsreichen Darstellung vermittelt, an der niemaniiL vorübergehen darf, der sich einerseits um das Nationalitätenproblem, anderseits um den inneren Aufbau und die Entwiicklungstendenzen des Sowjetstaates interessiert. Hans Kohn kommt zum Schluß, daß die vielgerühmte Freiheit der Nationalitäten im Rußland weit überschätzt wird. „Der kommunistische Staat", so stellt er fest, „kann volle sprachliche Autonomie und Freiheit gewähren, er kann keine kulturelle Autonomie und Freiheit anerkennen." Die Sprache als ein Werkzeug des Verkehrs, das der Verbreitung des Marxismus dienstbar gemacht werden kann, ist ihm an und für sich gleichgültig, aber als Trägerin höherer Elemente der alten nationalen Kulturen, die in der Geschichte verankert sind, muß er sie bekämpfen. Je stärker das historische Bewußtsein einer Nationalität ausgebildet ist, je weniger es als der Sonderbesitz einer kleinen Oberschicht erscheint, desto gefärhlicher erscheint es dem Kommunismus. Daher auch die eigenartige Haltung gegenüber den Juden, die Kohn mit folgenden Worten deutet: „Die Sowjetregierung will keinesfalls die Assimilation oider den Untergang des jüdischen Volkes, sie sieht für die Zukunft ebenso ein lebendiges, von der kommunistischen Idee erfaßtes und erfülltes jüdisches und jüdisch sprechendes Volk wie ein russisches, tatarisches oder brujätisches. Aber dieses jüdische Volk soll vollkommen vom Judentum losgelöst sein, der Unterricht in der hebräischen Sprache, die Pflege der jüdicshen Kultur, wie sie sich in über dreitausend Jahren herausgebildet... hat, sind verboten. Dadurch ist das jüdische Volk von den Quellen seiner Kultur völlig abgeschnitten worden. Ebenso ergeht es den mohammedanischen Völkern der Sowjetunion..." Trotz der vielfach bewundernswerten Energie und Konsequenz, mit der die Sowjetregierung ihre Nationalitätenpolitik betreibt, ist sie, wie Kohn feststellt, weit von ihrem Ziel entfernt. Die „alten Kräfte" im Leben und in der Seele der Menschen, der „großrussische Chauvinismus" und der „lokale Nationalismus", sind immer noch mächtig. Diese nationalistischen Kräfte sind sogar, wie Stalin selber festgestellt hat, noch im Zunehmen begriffen. Kein Wunder, daß wenigstens diejenigen Völker des Sowjetbundes, die über eine „IndeUigenz" aus der vorrevolutionären Zeit verfügen, nach staatlicher Selbständigkeit streben, die ihnen die Scheinform des Sowjetbundes nicht bietet. Eine Lösung dieses Konfliktes sieht der Verfasser nur dann voraus, wenn der alte Mythos des Nationalismus von einem neuen Mythos abgelöst werden kann. Dem Büchlein sind die wichtigsten Dokumente über die Grundlagen der Nationalitätenpolitik der russischen Kommunisten und eine Reihe statistischer Angaben, die das Problem beleuchten, beigegeben. P. Heine und Goethe. Von Fritz Friedlaender. 7. Heft der Sammlung „Germanisch und Deutsch". Berlin (W. de Gruyter) 1932. „Diese Untersuchung stellt zum ersten Male Heines Beziehungen zu Goethe unter Benutzung des gesamten Quellenmaterials dar. Sie legt den Text der Werke sowie die erst neuerdings erschlossenen Briefe und Gespräche Heines zugrunde und bietet eine begriffliche Durchdringung und kritische Analyse jenes literarhistorisch bedeutsamen Verhältnisses zwischen Goethe und Heine, indem sie den Nachweis führt, daß Goethes Einfluß auf den jüngeren Dichter entscheidend gewesen ist." — Soweit der wissenschaftliche Ertrag dieser guten Arbeit! Die Begegnung von Heine mit Goethe ist nach dem tatsächlichen Hergang, mehr aber noch nach der geistesgeschichtlichen Seite des Einganges Goethescher Art in das Werk Heines von erregender Bedeutung. Friedlaender stellt das Verhältnis zuerst entwicklungsgeschdchtlich dar (im Mittelpunkt der Besuch Heines bei Goethe), sodann stilkritisch. Vorherrschend bleibt am Schlüsse von Heines Leben die qualvolle Empfindung, daß Goethes Leben in sich vollendet, das seine aber ein Bruchstück sei (S. 59). Mit rücksichtslosem Sarkasmus zieht, er Bilanz seines Verhältnisses zu " Goethe: „Ich bin kein göttlicher Bipede mehr; ich bin nicht mehr der «freieste Deutsche nach Goethe», wie mich Rüge in gesünderen Tagen genannt hat. ich bin nicht mehr der große Heide Nr. II, den man mit dem weinlaubumkränzten Dionysos verglich, während man meinem Kollegen Nr. I den Titel eines großherzoglich weimarschen Jupiters erteilte; ich bin kein lebensfreudiger, etwas wohlbeleibter Hellene mehr, der auf trübsinnige Nazarener heiter herablächelte — ich bin jetzt-nur ein armer, todkranker Jude, ein abgezehrtes Bild des Jammers, ein unglücklicher Mensch." F. LdUSctnilC" OUCliy lsr. Töchterpens\onaiTlS (erstkl.) 3- und 6-monatliche Haushalt- und Handelskurse. — Sprachen. — Künste. — Sport. — Ermäßigte Preise. — Prospekte und hohe Referenzen durch die Vorsteherinnen Mmes. M. und B. BLOCH. Mlle. M. 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